Ein inszenierter Aufstand – Wie Rechtsextreme versuchen, die Anti-Corona-Proteste für ihre Zwecke zu instrumentalisieren

Die Website, seit 2. Januar online, wirkt betont schlicht. Nur eine Deutschlandkarte ist zu sehen, mit roten Punkten. In der Beschreibung heißt es, die Punkte zeigten Spaziergänge und Kundgebungen von Gegnern der “kommenden Impfpflicht”. Nur einen Tag nach Veröffentlichung sollen “mehrere Hundert Einträge” auf der Karte verzeichnet gewesen sein, heißt es in einem Werbevideo. Inzwischen seien schon 1.500 Termine registriert, gaben die Macher kurz vor Redaktionsschluss an. Da die Medien die angeblichen Bürgerdemos ignorierten, wolle man Aufmerksamkeit für die Proteste schaffen. Kritische Kreative hätten die Protestkarte als Kunstprojekt ins Internet gestellt. Doch hinter dem verantwortlichen Verein Filmkunstkollektiv e. V. stecken Rechtsextreme. Recherchen der ZEIT zeigen: Der vermeintlich spontane “Volksaufstand” gegen eine angebliche “Corona-Diktatur” entpuppt sich mancherorts als teilweise von Rechtsextremen professionell organisiert und inszeniert. Sie wollen eine bundesweite Bewegung aufbauen, die vorgibt, sich aus der Wut auf der Straße zu speisen. In Wahrheit betreiben sie jedoch einigen Aufwand, um diese Wut erst zu entfachen und dann für die eigene Agenda zu nutzen. (…) Das Konzept dahinter beschrieb der Szene-Stratege Götz Kubitschek vom IfS bereits 2013 in einem Blog-Eintrag: Man brauche einen polarisierenden Vorwand, “das Türöffner-Thema”, notierte er damals, “und unsere Themen kommen hinterdrein gepoltert, wenn wir nur rasch und konsequent genug den Fuß in die Tür stellen”. Nun also die Impfpflicht. Den Verein Filmkunstkollektiv gründeten einige von Kubitscheks Anhängern erst Ende März vergangenen Jahres in Dresden. Dem Gründungsvorstand gehören die Aktivisten Torsten Görke und Paul Klemm an, sie sind in der vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Identitären Bewegung Deutschland aktiv. Vereinsvorsitzender ist Simon Kaupert. 2015 nahm Kaupert an einem Pfingstlager des NPD-Nachwuchses Junge Nationalisten teil und organisierte später den Pegida-Ableger Wügida in Franken. Seit 2016 ist Kaupert als Filmer und Organisator für die Agentur “Ein Prozent” aktiv, die der Verfassungsschutz als rechtsextremen Verdachtsfall beobachtet.

via zeit. Ein inszenierter Aufstand – Wie Rechtsextreme versuchen, die Anti-Corona-Proteste für ihre Zwecke zu instrumentalisieren

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