Rechtsextremer Hintergrund bei der AfD – Ein Autor für die NPD

Joachim Paul sitzt für die AfD im Landtag in Rheinland-Pfalz. Früher schrieb er offenbar in einem NPD-Organ über einen rechtsextremen Musiker. Im Landtag in Mainz sitzt Joachim Paul in der zweiten Reihe der Fraktion. Er gehört in Rheinland-Pfalz allerdings zur ersten Riege der AfD-Landtagsfraktion und dem Landesverband. „Herr Paul tritt bei seinen Parlamentsreden aggressiv und rhetorisch zugespitzt auf“, sagt Pia Schellhammer. Er liefere neurechte Argumentationen provokant, betont die parlamentarische Geschäftsführerin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. In den Reihen der AfD hat Paul wohl auch einen besonderen Hintergrund. Der AfD-Landtagsfraktionsvize und -Landesvize, schrieb offenbar für ein Theorieorgan der NPD – unter Pseudonym, wie Unterlagen nahelegen, die der taz vorliegen. Beste Beziehungen hat Paul offensichtlich zu dem mittlerweile eingestellten Magazin „hier & jetzt – radikal rechte zeitschrift“ unterhalten. Bis 2013 war das Magazin mit bis zu 131 Seiten vom NPD-nahen „bildungswerk für heimat und nationale identität e.V.“ getragen worden. Als letzter Chefredakteur koordinierte der ehemalige sächsische NPD-Landtagsabgeordnete und das heutige NPD-Bundesvorstandsmitglied, Arne Schimmer, das Heft, dessen Jahres-Abo 22 Euro kostete.
Beitrag über Black Metal. Mit dem NPD-Kader tauschte sich auch Paul über einen von ihm verfassten Beitrag über den Rassisten und wegen Mordes verurteilten „Black Metal“ Musiker Varg Virkenes aus Norwegen und dessen Band „Burzum“ aus. Der Aufsatz sei wirklich klasse geworden, lobte Schimmer. Er hatte nur ein paar Fragen zu Quellenangaben und wünschte sich eine Erweiterung der Literaturliste. Im Sommer 2011 erschien der Artikel mit dem Titel „Burzums Rückkehr“ in Heft Nr. 17. Als Autor wird ein „Karl Ludwig Sand“ angegeben. Aus einem E-Mailverkehr erschließt sich die Autorenschaft von Paul. Der frühere Lehrer nutzte die Adresse [email protected] Mit dieser E-Mail taucht der AfD-Politiker aus Koblenz auf einer Teilnehmerliste zu dem „2.workshop Strategieprogramm Deutsche Burschenschaft 3.9.2010 bis 5.10.2010“ (Fehler im Original) auf. Die burschenschaftliche Verbindung überrascht wenig. Schon länger ist bekannt, dass der 48-Jährige der „Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks in Bonn“ angehört. Jene Burschenschaft wollte 2011 in dem Dachverband „Deutsche Burschenschaft“ durchsetzen, dass nur Burschenschafter werden darf, wer vom „deutschen Stamm“ sei.
In dem fünfseitigen Artikel schwärmt Paul/Sand von Virkens. Der Musiker wurde nicht bloß wegen Mordes verurteilt, ihm wurde ebenso vorgehalten mindestens drei historische Kirchen in Brand gesetzt zu haben. In dem Beitrag führt Paul/Sand aus: „die Härte der Verfolgung und die Höhe der Strafe resultierte nämlich nicht aus der Gewalttat, sondern aus der politischen Haltung des Angeklagten“ und gibt den Betroffenen ausführlich wieder, dass er „keinen Widerspruch“ darin sehe „Faschist und Individualist zu sein“.

via taz: Rechtsextremer Hintergrund bei der AfD – Ein Autor für die NPD

zu Paul siehe auch: Ein Bier unter Brüdern. (2016) Burschenschaftler auf dem Münchner Oktoberfest: Vorne rechts der AfD-Politiker Joachim Paul, hinten rechts Johann Gudenus (FPÖ). Das Internet vergisst nichts. Und der politische Gegner schon gar nicht. Kaum hatte ein Skandalvideo den österreichischen Vizekanzler Heinz-Christian Strache und dessen Intimus Johann „Joschi“ Gudenus (beide FPÖ) von der politischen Bühne hinweggefegt, wartete die rheinland-pfälzische SPD mit Verbindungen der Landes-AfD zu den FPÖ-Männern auf. „Der kleine ’Bruder’ aus dem rheinland-pfälzischen Landtag: Ganz stolz. #Ibiza #strache #afd #RLP“, schrieb SPD-Fraktionschef Alexander Schweitzer am Samstag auf dem Kurznachrichtendienst Twitter (das Foto zeigt einen Auszug). Dazu stellte er einen Tweet des AfD-Politikers Joachim Paul vom 2. Oktober 2016. Ein Foto zeigt Paul, seit 2017 Vizechef der AfD-Landtagsfraktion in Mainz, wie er unter anderem mit Gudenus fröhlich eine Maß Bier hebt – jenem FPÖ-Politiker, der 2017 den Kontakt Straches zu einer angeblichen russischen Oligarchin angebahnt hat und mit der beide ganz offen über verdeckte Spenden an die FPÖ sprachen und dafür Staatsaufträge in Aussicht stellten.

Italienische Zeitung nennt Gabalier „rechtsextrem“

Die italienische Tageszeitung Alto Adige hat den österreichischen Volks-Rock’n’Roller Andreas Gabalier als „rechtsextrem“ bezeichnet. Der Musiker spielt am Samstag vor rund 13.000 Fans ein Konzert in Bruneck (UT24 berichtete). Schon im Titel eines Artikels bezeichnet der Alto Adige den österreichsichen Superstar als „rechtsextrem (rocker di estrema destra)“, im Text gibt das Blatt eine Stellungnahme der nationalen italienischen Partisanenvereinigung ANPI wieder. „Solchen Personen Platz zu bieten ist eine Gefahr für das zivile Zusammenleben“, sagt dort der lokale ANPI-Vorsitzende Guido Margheri zum Auftritt von Andreas Gabalier.

via unsersüdtirol: Italienische Zeitung nennt Gabalier „rechtsextrem“

siehe auch: L’Anpi contro il rocker di estrema destra che fa il tutto esaurito a Brunico. L’austriaco Andreas Gabalier attira 13 mila persone. Ma lo contestano alcune associazioni locali e gruppi giovanili. L’Anpi: “Dare spazio a questi personaggi è un pericolo per la convivenza civile”. È popolare per un genere lanciato sul mercato, il Volks Rock’n’Roll, e per le simpatie politiche che gli hanno attirato critiche di misoginia, omofobia e neonazismo. Il concerto dell’austriaco Andreas Gabalier domani a Brunico, in piazza del Mercato a Stegona, che ha già registrato il tutto esaurito, è diventato un caso politico, sollevato da associazioni locali e gruppi giovanili. «Dare spazio a questi personaggi – insorge Guido Margheri, presidente provinciale Anpi – rappresenta un pericolo per la convivenza civile. Qui non c’entra la libertà di pensiero e di espressione – sottolinea Margheri – qui ci sono in gioco disvalori che mettono in discussione la dignità di persone e gruppi di persone».

Rechtsrock-Konzerte in der „HateBar“

In einer Bar in Dillingen (Landkreis Saarlouis), die im Besitz der „Hammerskins“ (HS) ist, sind in den vergangenen Jahren immer wieder braune Bands beziehungsweise Liedermacher aufgetreten. Das geht aus einer Antwort des saarländischen Innenministeriums auf eine Parlamentsanfrage von Dennis Lander aus der Fraktion Die Linke hervor, der Auskunft zu Aktivitäten der rechten Musik-Szene aus den vergangenen fünf Jahren begehrte. Demnach ist die so genannte „HateBar“ 2015 von einem Mitglied aus dem HS-Chapter „Westwall“ und deren Unterstützergruppe „Crew 38 Westwall“ erworben worden. Seither haben die Sicherheitsbehörden in dem HS-Treff neben etlichen Party-Events in neun Fällen auch Live-Konzerte beobachtet, jeweils besucht von 20 bis 60 Szene-Gängern. Auftritte auch von ausländischen Bands sind durch internationale HS-Netzwerkverbindungen erklärbar. So standen 2017 „Mistreat“ aus Finnland und ein Jahr später Pierre de la Breizh aus Frankreich auf der Bühne. Das jüngste gelistete Konzert in Dillingen fand am 16. März mit dem Neonazi-Barden „Barny“ (bürgerlich Mirko Sydlowski) aus Thüringen statt. Weitere Solo-Acts bestritten Daniel Roth und Daniel Strunk („Renitenz“) aus Baden-Württemberg. Die saarländische Combo „Wolfsfront“ spielte dort 2016 auf. Ihr Kopf Robert Kiefer, der selbst den HS zuzurechnen ist, trat dort zwei Jahre später dann noch einmal als Solo-Act auf.

via bnr: Rechtsrock-Konzerte in der „HateBar“

Soundtrack zur Volksverhetzung: Neonazis verbreiten Hass-Musik auf Spotify und Deezer

Ihre Musik läuft auf rechtsextremen Demonstrationen und Festivals wie im thüringischen Themar. Doch der Soundtrack zu Volksverhetzung und rechter Gewalt ist mittlerweile auch auf Plattformen wie Spotify und Deezer erhältlich. Neonazi-Labels nutzen die Streamingdienste, um ihre Hassgesänge zu verbreiten und Geld zu verdienen. (…) Lange Zeit wurde solche Musik vor allem auf kleinen, im Geheimen organisierten Konzerten und rechten Demos gespielt. Mittlerweile veranstaltet die Szene regelmäßig größere Festivals und verbreitet ihre Musik auch auf Streamingdiensten wie Spotify und Deezer. “Da muss klar widersprochen werden”Flemming Ipsen ist kürzlich aufgefallen, dass gleich mehrere Bands des rechtsextremen Labels “Opos Records” auf den beiden Streaming-Plattformen vertreten sind. Ipsen ist Referent für Rechtsextremismus bei jugendschutz.net. Er beobachtet die Szene und ihre Musik. Auf Twitter machte er darauf aufmerksam: Via @SpotifyDE und @DeezerDE können neuerdings auch Werke der rechtsextremen Bands Moshpit und Blutzeugen gestream werden. Beide Kapellen veröffentlichen bei OPOS Records, einem der relevantesten extrem rechten Labels in Deutschland. @SpotifyHilft pic.twitter.com/vtaDXVWsyn — Flemming |: (@diss_onanz) 13. Mai 2019 “Es hat mich etwas verwundert, zu sehen, dass diese Musik nun bei Spotify und Deezer frei verfügbar ist”, sagt Ipsen im Gespräch mit watson. Die Musik ist zwar nicht verboten und steht auch nicht auf dem Index. Von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indizierte Songs würden zumindest bei Spotify nicht auftauchen, erklärt er. Er kritisiert dennoch, dass die Musik dieser Bands auf den Plattformen zu finden ist: “Nur weil die Songs legal sind, heißt das aber nicht, dass das unwidersprochen bleiben muss”, sagt Ipsen. “Da sollte eine rote Linie gezogen werden, was akzeptabel ist, und was zu weit geht.”

via watson: Soundtrack zur Volksverhetzung: Neonazis verbreiten Hass-Musik auf Spotify und Deezer

Der #Verfassungsschutz in Sachsen brandmarkt Menschen, die gegen Rassismus kämpfen – #wirsindmehr #fcknzs #antifaschistFürImmer

Der sächsische Verfassungsschutz nennt das Festival #Wirsindmehr in Chemnitz als Beispiel für die linksextremistische Musikszene – zu Unrecht. „Nazis raus“ – wer diese Aussage von sich gibt, ist für den sächsischen Verfassungsschutz offenbar schon mit halbem Fuß im Linksextremismus gelandet. Die Behörde hat am Dienstag ihren Bericht für das Jahr 2018 vorgestellt. Darin wird das Festival #Wirsindmehr in Chemnitz als Beispiel dafür genannt, wie die linksextremistische Szene Musikveranstaltungen für sich vereinnahmt. Damit brandmarkt die Institution, die maßgeblich für den Schutz unserer Grundwerte zuständig ist, die Menschen, die für ebendiese Werte kämpfen. Das Festival wäre zwar von überwiegend nichtextremistischen Menschen besucht worden, stellt der sächsische Verfassungsschutz fest. Trotzdem hat er mehrere Indizien für linksextremistische Umtriebe bei #Wirsindmehr entdeckt: Das Rap-Ensemble K.I.Z. hätte sich bei der Antifa und dem Schwarzen Block bedankt; Fahnen der Antifaschistischen Aktion seien im Publikum geschwenkt worden; und Menschen hätten „Nazis raus“ skandiert. (…) Um welche „extremistische Ideologie“ handelt es sich hier, mit der „Nichtextremisten“ konfrontiert wurden? Unter dem Motto Wir sind mehr fand am 3. September 2018 in Chemnitz ein kostenloses Konzert als Antwort auf die gewalttätigen, rassistischen Ausschreitungen, statt. Die beteiligten Musikerinnen und Organisatorinnen wollten ein Zeichen setzen: gegen Rassismus, gegen rechte Hetze, für Offenheit, Menschlichkeit und Solidarität. (…) Die offizielle Extremismusdefinition des bundesdeutschen Verfassungsschutzes lautet: „Als extremistisch werden die Aktivitäten bezeichnet, die darauf abzielen, die Grundwerte der freiheitlichen Demokratie zu beseitigen.“ Der Ausgangspunkt dieser Grundwerte ist die Überzeugung, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. In Parteien wie der AfD, deren Mitglieder migrantische Menschen quasi mit Ungeziefer vergleichen, werden diese Grundwerte komplett verneint. Rechte Politik spricht bestimmten Menschen die Würde ab oder – am extremen Rand – gar das Menschsein per se. Menschen, die sich gegen Rassismus und gegen Rechts engagieren, handeln nach dieser Definition nicht extremistisch – sondern im Gegenteil: Sie verteidigen die Grundwerte einer freiheitlichen Demokratie. Es wäre schön, wenn diejenige Institution, welche die deutsche Verfassung verteidigen soll, in der Lage wäre, diesen Unterschied zu erkennen.

via ze.tt: Der Verfassungsschutz in Sachsen brandmarkt Menschen, die gegen Rassismus kämpfen

Nazivortrag im Willen des Verfassungsschutzes?

Rechte Veranstaltungen in Kleingärten sind keine Seltenheit. In Leipzig sorgte aber scheinbar niemand geringeres als der Verfassungsschutz dafür, dass die Nazis keine Steine in den Weg gelegt bekamen. Themar und Ostritz wurden nicht gefragt, doch die Kleinstädte sind trotzdem zur Bühne von Kapellen mit Namen wie »Stahlgewitter«, »Blutzeugen« und »Treueorden« geworden. Rechtsrockkonzerte sorgten in Sachsen spätestens seit dem letzten Sommer immer wieder für Ärger. Die Konzerte stoßen zwar auf immer breitere Ablehnung – nicht zuletzt, weil dort Bands spielen, die auf dem Index stehen. Einige Gemeinden wehren sich und werden kreativ darin, den Rechtsextremen die Räume eng zu machen. Doch diese suchen sich andere Auftrittsorte. Kleingartenvereine gibt es in Sachsen viele. Seit geraumer Zeit dienen sie nicht nur zur Entspannung gestresster Städter, sondern sind Schauplatz politischer Veranstaltungen geworden. Eine Anfrage des sächsischen Grünen-Politikers Valentin Lippmann deckte auf, dass es in Sachsen 2018 17 der Staatsregierung bekannte Fälle rechtsextremistischer Aktivitäten in sächsischen Kleingartenanlagen gab. Dabei handelte es sich um Mitgliedertreffen, Schulungen sowie Zeitzeugenvorträge. (…) Warum vermietete der Falk Dossin dann noch ein zweites Mal an die Rechten? Dieselbe Frau fragte erneut nach einem Termin. »Ich wollte natürlich absagen«, erzählt er. Doch der Verfassungsschutz bat den Stadtrat, den Nazis ihre Feier zu lassen. Man wolle die Veranstaltung gerne begleiten, hieß es.Falk Dossin, etwas überrumpelt, gab der Bitte des Verfassungsschutzes nach, ließ die Veranstaltung stattfinden. Noch mal würden wir das aber nicht machen, sagt Dossin. Inzwischen gäbe es einen Vorstandsbeschluss des Vereines dazu. Auch wenn der Verfassungsschutz darauf drängt, das nächste Mal wolle man das Hausrecht durchsetzen und nicht vermieten. (…) Pikant daran, dass der Verfassungsschutz den Zeitzeugenvortrag durchgebracht haben soll, ist noch ein anderes Detail: Erst vor kurzem bat der Verfassungsschutz die Universität Leipzig zu einem Gespräch: Linksextremisten machen sich an der Universität breit, so der Inlandsgeheimdienst. In der Folge wurden mehrere Vorträge von dem Rektorat abgesagt wegen der Beteiligung einer Gruppe, die der Verfassungsschutz als »linksextrem« listet. »nd« berichtete damals als Erstes über die Einmischung des Verfassungsschutzes an den Hochschulen

via nd: Nazivortrag im Willen des Verfassungsschutzes?

Prozessauftakt gegen Hendrik Möbus

Wegen seines NSBM-Versandhandels steht der Thüringer Neonazi seit Donnerstag in Berlin vor Gericht. Am heutigen Donnerstag hat vor dem Amtsgericht Tiergarten in Berlin-Moabit ein Prozess gegen den umtriebigen NSBM-Versandhändler und -Konzertorganisator Hendrik Möbus. (bnr.de berichtete regelmäßig, zuletzt) Zusammen mit seinem Komplizen Christian S. wird ihm in mehreren Fällen das Verwenden verfassungsfeindlicher Symbole sowie Volksverhetzung vorgeworfen. Im Zeitraum zwischen Oktober 2014 und November 2015 sollen die beiden T-Shirts vertrieben haben, auf denen SS-Totenköpfe und Keltenkreuze abgebildet waren. Hinzu kommen CDs, auf deren Cover sich ebenfalls solche Symbole aber auch Hakenkreuze und Sigrunen befanden. Zusätzlich wird Möbus vorgeworfen, die CD „Kristallnacht – Warspirit“ verkauft zu haben, auf der sich mehrere antisemitische Liedzeilen befinden, die zum gewaltsamen Vorgehen gegen Juden aufrufen und die SS glorifizieren. Ein Lied beginnt und endet mit „Sieg Heil“.
Strippenzieher im NSBM-Milieu Sowohl Möbus als auch S. entstammen der Thüringer Neonazi-Szene, waren zeitweise sogar zusammen inhaftiert. Durch seine Beteiligung an einem Mordfall in Sondershausen 1993 und als Kopf der NSBM-Band „Absurd“ genießt der 43-jährige Möbus in der Szene bis heute hohes Ansehen. Auch durch sein Label „Darker than Black Records“ und der Organisation von Konzerten gilt er in dieser Szene als einer der Strippenzieher. (bnr.de berichtete) Beide Neonazis betrieben bis Ende 2014 von Berlin-Plänterwald und Neukölln aus den „Merchant of Death“-Versandhandel.

via bnr: Prozessauftakt gegen Hendrik Möbus

Thüringens Neonazi-Hotspot vor dem Aus?

Ein thüringisches Dorf, ein Gasthaus und Tausende Rechtsextreme als Besucher. Kloster Veßra ist ein Treffpunkt für Neonazis. Noch. SPIEGEL-Recherchen zeigen: Der rechte Strippenzieher könnte bald seine Immobilie verlieren. Die Touristikbeauftragten der Region müssten angesichts dieser Zahlen eigentlich jubeln. Zwischen 2015 und 2017 kamen 18.000 neue Besucher in den eher unscheinbaren Landkreis Hildburghausen im Süden Thüringens. Und das, obwohl die Region nicht als überregionaler Top-Touristenmagnet gilt – trotz einiger Klöster, des nahen Thüringer Waldes und einer malerischen Landschaft. Allein: Bei den neuen Gästen handelt es sich weniger um Erholungssuchende. Sie kommen wegen rechtsextremer Konzerte und Liederabende, der Geschichtsklitterung mit Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs und der Vernetzung mit anderen Neonazis. Die Zahlen stammen aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Linken-Anfrage und belegen deutlich, wie sich die Region und insbesondere das Örtchen Kloster Veßra in den vergangenen Jahren zu einem Hotspot für Neonazis entwickelt haben. In Kloster Veßra hat sich ein besonderes Zentrum des Rechtsextremismus entwickelt. Und das liegt vor allem an einer Szenegröße: Tommy Frenck. Der gelernte Koch stammt aus der Gegend, im Jahr 2014 erwarb er ein Gasthaus in der Gemeinde. Neben seiner Gaststätte, die als Szene-Treffpunkt dient, betreibt der 32-Jährige mit dem auffälligen “Aryan”-Tattoo am Hals dort einen Versandhandel mit rechtem Merchandising. Nebenbei tritt Frenck auch als Konzert-Veranstalter auf. 2017 organisierte er eines der europaweit größten Rechtsrock-Treffen mit Tausenden Besuchern. (…) SPIEGEL-Recherchen zeigen, dass der Neonazi – anders als bisher vielfach berichtet – immer noch nicht der Eigentümer der Gaststätte ist. Das geht aus der Grundbuchakte hervor, die dem SPIEGEL vorliegt.
Grund für das Gezerre um die Immobilie nach Aktenlage: Als 2014 bekannt wurde, dass Frenck das Gebäude kaufen will, versuchte die Kommune, genauer gesagt die Verwaltungsgemeinschaft Feldstein, dies zu verhindern. Sie machte ein Vorkaufsrecht mit Verweis auf Denkmalschutz geltend. Seitdem läuft ein Verfahren am Verwaltungsgericht Meiningen. Ein Sprecher bestätigte das Verfahren, wollte sich aber nicht weiter dazu äußern. Denkmalschutz als Knackpunkt Im September soll nun voraussichtlich nach mehr als vier Jahren das Urteil fallen. Folgt das Gericht der Gemeinde, müsste Frenck aus dem Gebäude raus – es wäre ein Schlag gegen die rechtsextreme Szene. Schließlich fiele dann nicht nur ein wichtiger Ort für Treffen und Konzerte weg. Frenck verlöre auch die Einnahmen aus seinem Restaurantbetrieb. “Ich bin zuversichtlich, dass ich vor Gericht Recht bekomme”, sagt Frenck auf SPIEGEL-Anfrage. “Wenn ich verliere, gehe ich in die nächsten Instanzen, bis nichts mehr geht.” Wie wichtig der Neonazi und sein Umfeld für die rechte Szene sind, belegen die Veranstaltungszahlen aus dem vergangenen Jahr, die die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus in Thüringen gezählt hat: Im kleinen Ort Kloster Veßra fanden vier Rechtsrock-Konzerte und sechs Liederabende statt. In der benachbarten Stadt Themar, die zu Frencks Einzugsbereich zählt, waren es elf Liederabende und eine rechtsextreme Großveranstaltung mit mehr als 2000 Besuchern. Für dieses Jahr sind bereits mehrere Veranstaltungen angekündigt. Damit könnte bald Schluss sein. Knackpunkt der gerichtlichen Auseinandersetzung wird die Frage sein, ob das Gebäude des Gasthauses tatsächlich von Amt für Denkmalschutz als schützenswert eingestuft wird. In den Grundbucheinträgen erklärt die Gemeinde ihren Vorkauf damit, dass es sich um ein Kulturdenkmal handle und es bedeutend für die Orts- und Regionalgeschichte sei.

via spon: Thüringens Neonazi-Hotspot vor dem Aus?

“#Fremdenfeindlichkeit und #Geschichtsrevisionismus haben Fuß gefasst”

Vor dem Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau häufen sich antisemitische Vorfälle. Zudem machen Neonazis auf dem Max-Joseph-Platz eine Kundgebung mit 20 Teilnehmern, um an einen Holocaust-Leugner zu erinnern. Die Häufung mag dem Zufall geschuldet sein – doch eine ganze Reihe antisemitischer Vorfälle im zeitlichen Zusammenhang mit dem Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau lässt aufhorchen. Trauriger Tiefpunkt ist die Schändung eines Mahnmals für deportierte und ermordete Juden an der Obermenzinger Kirche “Leiden Christi”. Der Staatsschutz der Polizei ermittelt, nachdem Unbekannte dort während der Osterfeiertage SS-Runen mit weißer Farbe angebracht hatten. Es ist ein “gebeugter, leerer Stuhl”, den die Künstlerinnen Blanka Wilchfort und Marlies Poss im Jahr 2016 an der katholischen Pfarrkirche aufgestellt haben. Die Stahl-Skulptur besteht aus einem leicht nach vorne gekippten Stuhlobjekt auf verlängerten Füßen mit einer Höhe von 4,50 Metern. “Die Schieflage der einstigen – nun mehr leeren – Sitzfläche symbolisiert die Vertreibung beziehungsweise Vernichtung der Opfer, deren Platz danach leer blieb”, so die Künstlerinnen. Auf dem Sockel der Skulptur erinnert eine Inschrift an die vertriebenen, deportierten und ermordeten jüdischen Bürger aus Obermenzing. Dort haben die mutmaßlich neonazistischen Täter ihr Erkennungszeichen hinterlassen: die Doppel-Sigrune der SS in weißer Sprayfarbe, 20 auf 20 Zentimeter groß. Das Staatsschutzkommissariat der Kriminalpolizei hat Ermittlungen aufgenommen und hofft auf Hinweise von Zeugen (Telefon 089/2910-0).
Am 29. April vor 74 Jahren befreiten US-amerikanische Truppen die Überlebenden des Konzentrationslagers Dachau. Erst am Mittwoch hatte die Leiterin der Gedenkstätte im ehemaligen Konzentrationslager Dachau, Gabriele Hammermann, der Deutschen Presse-Agentur gesagt, dass ihre Einrichtung zuletzt verstärkt das Ziel verbaler Angriffe gewesen sei. “Fremdenfeindlichkeit und Geschichtsrevisionismus haben in Teilen der Gesellschaft Fuß gefasst”, urteilt Hammermann.
Rechtsextreme provozieren am Platz der Opfer des Nationalsozialismus
Neonazis und andere rechte Gruppierungen nutzen diesen Rechtsruck für gezielte Provokationen. So trafen sich am Donnerstagabend auf dem Max-Joseph-Platz 20 Demonstranten zu einer Kundgebung, um an einen Holocaust-Leugner zu erinnern. Aufgerufen hat dazu auch die rechtsextreme Splittergruppe “Der dritte Weg”, die am Montag mit einem Plakat (“Reserviert für Volksverräter”) ausgerechnet am Platz der Opfer des Nationalsozialismus provozierte. Die Grünen und die Linke erstatteten Anzeigen bei der Polizei. Das Kreisverwaltungsreferat hat zudem ein Bußgeldverfahren “wegen Belästigung der Allgemeinheit” eingeleitet.
Harsche Kritik mussten am Donnerstag die Betreiber des “Backstage” für ihr Programm einstecken. Am 1. Mai sollten dort zwei polnische Bands auftreten, die dem Umfeld der rechtsradikalen, in Teilen antisemitischen NSBM-Szene zugerechnet werden. Das Kürzel steht für National Socialist Black Metal. Das Linke Bündnis gegen Antisemitismus forderte den Hallenbetreiber in einem offenen Brief auf, das Konzert der Bands “MGLA” und “Deus Mortem” abzusagen. Einer der Musiker habe etwa mit seiner früheren Band “Leichenhalle” Songs veröffentlicht mit Titeln wie “Judenfrei” oder “Jerusalem in Flames”, ein anderer sei ebenfalls Mitglied einer Band, die gegen Juden hetzt.

via sz: “Fremdenfeindlichkeit und Geschichtsrevisionismus haben Fuß gefasst”

“Sage Nein!”: Musikvideo gegen Rassismus geht viral – dank prominenter Unterstützung

Der junge Dresdner Musiker Ezé Wendtoin coverte den Konstantin-Wecker-Klassiker “Sage Nein!”. Im Videoclip dazu sind zahlreiche bekannte Gesichter zu sehen – unter anderem die von Atze Schröder, Micky Beisenherz oder Raul Krauthausen. Der Song “Sage Nein!” von Konstantin Wecker ist mehr als 25 Jahre alt. “Wenn sie jetzt ganz unverhohlen wieder Nazi-Lieder johlen, über Juden Witze machen, über Menschenrechte lachen”, heißt es darin, “dann steh auf und misch dich ein – sage Nein!” Und heute klingen diese Zeilen aktuell wie nie zuvor. Leider. Um das eindringliche Lied mit der wichtigen Botschaft auch einer jüngeren Generation bekannt zu machen, wurde es nun vom Dresdner Musiker Ezé Wendtoin gecovert. Nachdem er das Video dazu auf Facebook postete, explodierten die Abrufzahlen über Nacht. Die Botschaft kam an.
Mehr als 9000 Menschen teilten das Video
Wendtoin, der mit Liedermacher Konstantin Wecker persönlich befreundet ist, konnte für den Clip zahlreiche bekannte Mitstreiter gewinnen, die einzelne Zeilen im Playback-Stil mitsingen. Comedian Atze Schröder ist zu sehen, Aktivist Raul Krauthausen, der sich für Menschen mit Behinderungen einsetzt, Autor und Moderator Micky Beisenherz, Viva-Legende Nilz Bokelberg und Schauspieler Kida Ramadan (“4 Blocks”). Und das ist nur ein kleiner Teil der prominenten Besetzung. Auch Konstantin Wecker selbst hat einen Auftritt im Clip. Um Promo für sich selbst oder seine Arbeit geht es bei diesem Song aber weder dem 34-jährigen Sänger, der selbst aus Burkina Faso stammt, noch allen Beteiligten, die im Video mitspielen. Viel mehr wollen sie aufrufen, sich rechtem Gedankengut entschlossen entgegenzustellen und Position zu beziehen. “SAGE NEIN! Gegen Rassismus, Sexismus, Patriarchat, Hetze, Hass und Nazis! Jetzt erst Recht! Aufstehen und Haltung zeigen”, schreiben die Macher im Beschreibungstext über das Lied.

via stern: “Sage Nein!”: Musikvideo gegen Rassismus geht viral – dank prominenter Unterstützung