Ex-Republikaner will als Verteidiger in NSU-Prozess einsteigen

Der ehemalige Vizechef der rechtsextremen Partei “Die Republikaner” möchte Pflichtverteidiger im NSU-Prozess werden. Er will den Angeklagten André E. vertreten. Der ehemalige Vizechef der rechtsextremen Partei „Die Republikaner“, Björn Clemens, will nach Informationen des Tagesspiegels als Verteidiger in den NSU-Prozess einsteigen. Der Düsseldorfer Szene-Anwalt habe beim 6. Strafsenat des Oberlandesgerichts München beantragt, ihn dem Angeklagten André E. als dritten Pflichtverteidiger beizuordnen, hieß es am Mittwoch in Münchner Justizkreisen.  n seinem Schreiben verweise Clemens darauf, dass die Hauptangeklagte Beate Zschäpe von vier Pflichtverteidigern vertreten werde und der Mitangeklagte Ralf Wohlleben von drei. Clemens halte auch für André E. einen dritten Pflichtverteidiger für nötig schon um dem Gleichbehandlungsgrundsatz des Grundgesetzes zu entsprechen. André E. sitzt wie Zschäpe und Wohlleben in Untersuchungshaft. Bislang wird André E. von den Berliner Anwälten Herbert Hedrich und Michael Kaiser vertreten. Die anderen Angeklagten, Holger G. und Carsten S., haben ebenfalls nur zwei Pflichtverteidiger. Von 2002 an war Clemens stellvertretender Bundesvorsitzender der „Republikaner“ und vertrat einen Kurs zur Annäherung an die NPD. Nachdem sich der Anwalt 2006 mit Parteichef Rolf Schlierer zerstritten hatte, verließ er die Partei. In mehreren Verfahren hat Clemens Rechtsextremisten vertreten. Auf seiner Website betont der Anwalt sein Engagement gegen angebliche Versuche „staatlicher Stellen, im Namen des Aufstandes der Anständigen in die Grundrechte von Patrioten einzugreifen“. Eine Anfrage des Tagesspiegels beantwortete Clemens am Mittwoch nicht. Bundesanwaltschaft wirft André E. Beihilfe zu versuchtem Mord vor Dem womöglich künftigen Mandaten von Clemens im NSU-Prozess wirft die Bundesanwaltschaft E. vor, den NSU jahrelang unterstützt zu haben. Der 38-jährige André E. soll unter anderem Wohnmobile gemietet haben, die von den Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt für einen Sprengstoffanschlag und zwei Raubüberfälle genutzt wurden. Mit einem der Fahrzeuge fuhren Mundlos und Böhnhardt im Dezember 2000 nach Köln und verübten ein rassistisches Attentat. Einer der beiden Täter stellte in einem iranischen Lebensmittelgeschäft in der Probsteigasse eine Christstollendose ab, in der sich eine Bombe befand.

via tagesspiegel: Ex-Republikaner will als Verteidiger in NSU-Prozess einsteigen

#demenz in der #politik #tageszitate

“Ich kann keinen Rassismus in unserer Partei feststellen (…) Und wenn es, sagen wir mal, Äußerungen gibt, die problematisch sind, reagiert der Bundesvorstand darauf”

Spahn nicht im Kabinett, “wenn die AfD nicht ununterbrochen Druck machen würde”

und natürlich: “Niemand von uns wendet sich gegen eine geordnete Zuwanderung […] von qualifizierten Menschen, die in unsere Gesellschaft passen, die unseren Rechtsrahmen akzeptieren, die die Qualifikationen mit mitbringen und die sich in unsere Gesellschaft und deren Wertschöpfung einbringen wollen”

Rechtsrahmen akzeptiert und Wertschöpfung eingebacht von Fachkräften wie zB : Münzenmaier (Rechtsrahmen) – Muhsal (Wertschöpfung) – Nerstheimer (Rechtsrahmen) – Weiß (Wertschöpfung) – Maier (Rechtsrahmen) – …

rk

Sicherheitsfirma Brewag – Neonazi arbeitete in Timke-Firma – #schauhin

Die Bremer Abgeordneten Jan Timke und Piet Leidreiter haben das Sicherheitsunternehmen Brewag gegründet. Angestellt war dort ein Mann mit Verbindungen zur rechtsextremen “Bruderschaft Nordic 12”. Seit Januar überwacht das Bremer Sicherheitsunternehmen Brewag das Columbus-Center in Bremerhaven. Brewag wurde Ende vergangenen Jahres von den Bürger-in-Wut-Bürgerschaftsabgeordneten Jan Timke und Piet Leidreiter gegründet. Zu ihren Mitarbeitern gehörte ein Mann, der in Kontakt mit der rechtsextremen Verbindung “Bruderschaft Nordic 12” stehen soll, die vom Verfassungsschutz überwacht wird. Das hatten Mitarbeiter von AfD Watch Bremen aufgedeckt, die sich nicht nur kritisch mit der Partei, sondern auch allgemein mit rechtsnationalen Tendenzen auseinandersetzen.Ja, es stimme, man habe den Mann beschäftigt, bestätigt Timke dem WESER-KURIER – aber man habe es nicht gewusst. (…) Was den mutmaßlichen Neonazi angeht, so seien dessen Verbindungen zu “Nordic 12” niemandem bei der Brewag bekannt gewesen. Auch der Personalfragebogen habe keine Hinweise darauf gegeben. Inzwischen sei das Arbeitsverhältnis gekündigt. Ärger droht der Brewag auch vonseiten der Behörden: Im Moment wird überprüft, ob der Mitarbeiter bereits eingesetzt wurde, obwohl die Zuverlässigkeitsüberprüfung noch nicht abgeschlossen war – und ob das möglicherweise noch mehr Mitarbeiter betrifft.

via weser-kurier: Sicherheitsfirma Brewag – Neonazi arbeitete in Timke-Firma

Abgeordnete verlassen den Saal – AfD-Mann löst mit Beschimpfungen Eklat im Landtag aus

Mit Hang zur Provokation: AfD-Politik Mario Lehmann trägt bei einer Landtagsdebatte im vergangenen Jahr eine orientalische Kopfbedeckung. Katja Pähle ist kurz davor, zu explodieren. „Es hackt wohl bei denen!“, platzt es aus der SPD-Fraktionschefin auf dem Landtags-Gang heraus. Aus Protest ist sie aus dem Plenarsaal gestürmt, wo der AfD-Mann Mario Lehmann gerade spricht. Wutentbrannt steht Pähle da, umringt von bestürzten Abgeordneten von SPD, Grünen und Linken. Auch die Regierungsbank ist schon leer. Im Plenum klatschen die AfD-Abgeordneten indes im Takt und einige rufen höhnisch: „Nazis raus!“ Mario Lehmann von der AfD steht am Rednerpult im Landtag von Sachsen Anhalt in Magdeburg. Landtagssitzung unterbrochen AfD-Abgeordneter redet von „Ficki-Ficki-Anleitungs-TV“ Es ist ein Eklat, der sich am Freitagmittag im Landtag abspielt. Das Parlament ist mittlerweile halb leer, weil Lehmann eine Rede hält, die die meisten Abgeordneten als Zumutung empfinden. Schon früher fiel der AfD-Mann auf, weil er im Landtag Flüchtlinge als „Ficki-Ficki-Fachkräfte“ diffamierte. Altersfeststellung von Flüchtlingen ist Thema im Landtag Nun verfällt er wieder in diese Vulgär-Sprache als er über die Altersfeststellung für minderjährige Flüchtlinge spricht. Er argumentiert, deutsche Behörden würden die Alterskontrolle bei minderjährigen Flüchtlingen nicht ernst genug nehmen. So könnten zu viele Ausländer die Justiz täuschen. „Erwachsene ausländische Straftäter haben vor Gericht wesentlich mildere Strafen zu erwarten“, so Lehmann.

via mz web: Abgeordnete verlassen den Saal AfD-Mann löst mit Beschimpfungen Eklat im Landtag aus

siehe auch: „Ficki-Ficki-Anleitungs-TV“ – AfD-Rede empört Landtag. AfD-Abgeordneter Mario Lehmann: „Kika sollte in Ficki-Ficki-Anleitungs-TV umbenannt werden.“  Ein AfD-Mann hat im Magdeburger Parlament vulgär über Flüchtlinge gesprochen. Politiker sind entsetzt, die Sitzung wurde unterbrochen. Nach einer umstrittenen Rede des AfD-Abgeordneten Mario Lehmann ist die Sitzung des Landtags von Sachsen-Anhalt vorübergehend unterbrochen worden. Abgeordnete von SPD, Grünen und Linken sowie Minister der schwarz-rot-grünen Landesregierung verließen am Freitag aus Protest den Plenarsaal. „Ihre Ausdrucksweise ist eines Parlamentes unwürdig“, schimpfte der SPD-Abgeordnete Andreas Steppuhn. Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch (CDU) unterbrach die Debatte und berief eine Sitzung des Ältestenrates ein.

Zentrum für Politische Schönheit – #Neonazi #Heise geht gegen Aktionskünstler vor – #zps

Die Aktionen des Zentrums für Politische Schönheit (ZPS) in Zusammenhang mit dem AfD-Politiker Björn Höcke beschäftigen weiter die Gerichte. Nach Angaben des ZPS will Neonazi und Mitglied des NPD-Bundesvorstandes, Thorsten Heise, verhindern, dass das ZPS Bilder von ihm verbreitet. (…) Ladig taucht als Autor auch, so die Recherchen des Soziologen Andreas Kemper, in der von Thorsten Heise herausgegebenen Zeitschrift „Volk in Bewegung“ auf. Das ZPS hatte Heise wiederholt als „Höckes Chef“ bezeichnet. Auf der Internetseite landolf-ladig.de bietet das ZPS außerdem Landolf-Ladig-Fanartikel an. Auf T-Shirts, Tassen, Postern und iPhone-Hüllen sind die Konterfeis von Höcke und Heise gemeinsam abgebildet. „Landolf & Thorsten. NPD“ steht darunter. Gegen diese Bilder geht nun Heise vor und hat einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gestellt, um die Verbreitung des Bildes zu unterbinden. Er wirft dem ZPS unter anderem vor, sein Bild zu vermarkten und Geld zu verdienen. Eine Unterlassungserklärung aus dem November hatte das ZPS nicht unterzeichnet. Das ZPS hatte den neuen Antrag am Freitag bei einem Vortrag beim 34. Chaos Communication Congress des Chaos Computer Clubs in Leipzig öffentlich gemacht.

via göttinger tageblatt: Zentrum für Politische Schönheit Neonazi Heise geht gegen Aktionskünstler vor

Hessischer Neonazi “skidrow” glorifiziert Anschlag in Kommentar

Zahlreiche Beiträge im Internet zeugen von Menschenverachtung und Menschenfeindlichkeit, Ein  aktuelles Beispiel aus dem Kommentarbereich unseres Blogs dokumentieren wir hier. Unter “Flüchtlingswohnung in Wurzen angegriffen” haben wir einen Bericht über einen Anschlag mit Pflastersteinen in Wurzen auf eine Füchtlingswohnung angerissen und verlinkt. Attackiert wurde mit den Pflastersteinen die Wohnung eines aus Eritrea Geflohenen. Dabei wurde ein schlafender Mensch von einem der Steine getroffen. Dabei wurde billigend schwere oder tödliche Verletzungen der dort lebenden Menschen in Kauf genommen oder beabsichtigt.

Der u.a. das Pseudonym “skidrow” nutzende rechtsextremer Hetzer aus Kassel kommentierte diesen Beitrag kurz nach der Veröffentlichung mit einer menschenverachtenden Hass-Tirade, die den Anschlag glorifizierte :

„WIR SIND DEUTSCH !!!!!!!!!!!!!!!!!!! WIR SIND DEUTSCH !!!!!!!!!!!!! WIR SIND DEUTSCH !!!!!!!!
Wir holen uns unser Land zurück !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! deutschnational.
DNVP.“

Screeenshot Kommentarmoderation – nicht freigeschaltete braune Hetze

In der Vergangenheot drohte “Skidrow” anderen an, sie “auszuknipsen” (hier) oder wollte Menschen ins KZ schicken und vergasen (hier). Diese Aussagen legen den strafrechtlichen Verstoß nahe. Bei uns hat er eine IP-Adresse sowie weitere Daten (Datum, Uhrzeit) hinterlassen, mit denen Ermittlungsbehörden eine klare Identifizierung möglich wäre. Seine angegebene Mailadresse ist ein Fake, die IP, mit der er/sie aktiv am 15.12.2017 aktiv war, lässt sich Kassel zuordnen. Es handelt sich um einen Anschluß bei Vodafone.

Naheliegenderweise haben wir den Provider (Vodafone) über diesen Vorgang informiert. Zugleich ist es zumindest eine kleine Genugtuung, dass dieser rechtsextreme Hetzer mit seinen Anschlußgebühren Aktivitäten gegen Rassismus unterstützt: Vodafone setzt sich ein für Vielfalt und Toleranz und gegen Diskriminierung und Vorurteile und erklärt dies ausdrücklich auf den Unternehmensseiten. Darüber hinaus werden über die Vodafone Stiftung Deutschland Initiativen für eine nachhaltige Integration von Flüchtlingen in das Bildungssystem und den Arbeitsmarkt entwickelt. Dieses Engagement wird auch von einem Hetzer wie “skidrow” mitfinanziert, mitgetragen und möglich gemacht.

(rk)

 

Neues von #Pirinçci – von Frau ausgehaltener Hetzer verliert #Twitter-Account – #sayonara

Bislang zu recht nur rechtsaußen aufgefallen, hat Twitter am 1.11.2017 das Twitter-Profil des wegen Volksverhetzung verurteilten Akif Pirinçci gesperrt. Seine Fanbase hat “der kleine Akif” vor allem bei Pegida-Fans und angeblich “besorgten Bürgern”, die wie er ein fragwürdiges oder gespaltenes Demokratieverständnis haben.

Naheliegend war daher, dass gegen die Twitter-Sperrung z.B. sofort vom diesjährigen “Mister Homophobia” (vgl dokmz), David Berger, in dessen Blog “philosophia perennis” protestiert wurde. Nun hat Berger ohnehin schon Probleme, sich auf Twitter zurechtzufinden (“Immer öfter hört man von kompletten Profilsperrungen und Drohungen, die von der Twitter-Zensurstelle ausgehen. Fast die Hälfte der Twitter-Accounts, denen ich folge, sind für mich bereits unsichtbar gemacht.“). Und jetzt das: “Ein neuer Höhepunkt dieses Zensurwahns: Heute wurde das Profil des bekannten Buchautors Akif Pirinçci komplett, ohne Vorwarnung, ohne jegliche Angabe von Gründen gelöscht

Laut Berger habe Pirinçci bereits Kontakt zu dem bekannten Rechtsanwalt Joachim Steinhöfel aufgenommen, um “gegen die Willkürmaßnahme des (a)sozialen Netzwerks vorzugehen“. Wer eine grobe Idee von Honorarvorstellungen Steinhöfels hat, mag sich die SZ Online über das letzte Urteil gegen den kleinen Akif auf der Zunge zergehen lassen, u.a.:

Pirinçci selbst bestätigt das knapp, berichtet, dass er „pleite“ sei. Kein Buchhändler würde seine Werke verkaufen, auch nicht die Katzenkrimis, mit denen er vor Jahren ein eigenes Genre erfunden habe. Es sei heute schlimmer als im Dritten Reich, sagt er. Über Thomas Mann hätte man damals gesagt, er sei verboten. Bei einem Testkauf in einer Buchhandlung habe er gesehen, sein Name sei einfach unbekannt, so Pirinçci. „Den gibt es nicht“, habe man dort gesagt. Der 57-Jährige lebe daher von seiner Frau und Geld, das ihm Leute auf der Straße zusteckten

dokmz

update 6.11.17: Der Schmuddel-Account wurde von Twitter wieder freigeschaltet.

Früher auf Twitter… archive is 52JBH

Dreimal abgelehnt AfD will Glaser erneut als Bundestagsvizepräsident vorschlagen

Die AfD-Fraktion im Bundestag will ihren bislang erfolglosen Kandidaten für das Amt des Bundestagsvizepräsidenten, Albrecht Glaser, erneut zur Wahl stellen. Der 75-Jährige war wegen seiner umstrittenen Haltung zum Islam am Vortag dreimal nicht gewählt worden. Glaser sagte MDR AKTUELL, er biete den anderen Fraktionen einen Diskurs zum Thema an. Die AfD-Fraktion im Bundestag hält an ihrem bislang erfolglosen Kandidaten für das Amt des Bundestagsvizepräsidenten, Albrecht Glaser, fest. Fraktionschef Alexander Gauland kündigte am Mittwoch in Berlin an, man werde Glaser erneut vorschlagen. Dies sei nach Beratungen in der Fraktion so entschieden worden. Glaser will Positionen darlegen Allerdings biete man an, dass Glaser zuvor seine Positionen zum Islam in den anderen Fraktionen erkläre und das Gespräch suche, “damit etwaige Missverständnisse oder Vorurteile aufgeklärt werden können”. Wenn dies abgeschlossen sei, werde Glaser erneut durch die AfD-Fraktion für das Bundestagspräsidium vorgeschlagen. (…) AfD-Fraktionschef Gauland betonte ausdrücklich, dass Glaser beim Thema Islam die Position der AfD vertrete. Gaulands Kollegin Alice Weidel unterstrich: “Natürlich wird er die Aussagen nicht zurücknehmen, weil diese Aussagen völlig durch unser Wahlprogramm und durch unser Grundsatzprogramm gedeckt sind.” Die Politik müsse sich endlich mit diesem Thema beschäftigen. Ältestenrat muss entscheiden Die Abgeordneten hören bei der konstituierenden Sitzung des 19. Deutschen Bundestages am 24.10.2017 im Plenarsaal im Reichstagsgebäude in Berlin der ersten Rede von Wolfgang Schäuble als neugewählten Bundestagspräsident zu. Ob Glaser allerdings überhaupt noch einmal zur Wahl antreten darf, ist offen. Laut der Geschäftsordnung des Bundestags kann ein im dritten Wahlgang erfolgloser Bewerber nur nach dem Einvernehmen mit dem Ältestenrat des Bundestages noch einmal antreten.

via mdr: Dreimal abgelehnt AfD will Glaser erneut als Bundestagsvizepräsident vorschlagen

Albrecht Glaser 2015.jpg
Von blu-news-orghttps://www.flickr.com/photos/[email protected]/16428518251/in/photolist-jxvcLk-jxBCtA-qKqU8P-r2Js7F-r2NK1o-r2HuWR, CC BY-SA 2.0, Link

#REWE , #Reichsbürger und Pressefreiheit unter marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten

Am Wochenende wurde bekannt, dass die Supermarktkette REWE in einigen Märkten in Berlin das rechtsgerichtete “Magazin2000plus“ verkauft, das unter anderem Parolen der Reichsbürger-Szene und Verschwörungstheorien verbreitet. In dem Magazin wurde unter anderem die Bundesrepublik als “eine Firma in der Rechtsform einer GmbH” bezeichnet, deren “Geschäftsführerin” die Bundeskanzlerin sei, das Grundgesetz als “besatzungsrechtliches Mittel der Alliierten” und “Provisorium” und konstatiert, das Deutsche Reich bestehe völkerrechtlich fort. Seine Herausgeberin war zeitweise “Außenministerin” einer “Kommissarischen Reichsregierung” und bot in ihrem Magazin immer wieder auch rechtsextremen Themen und Verlagen Platz.

In Stellungnahmen dazu lehnte REWE die Verantwortung für diesen Verkauf ab und verwies auf den Pressegroßhandel, der die Märkte beliefere und bestücke. Das Magazin sei nicht bundesweit im REWE-Sortiment gewesen, sondern es seien “ausschließlich in Berlin eine Handvoll REWE Märkte mit dem Magazin beliefert worden”.  In diesen werde das Magazin jetzt nicht mehr verkauft, so REWE – unklar bleibt bei dieser Formulierung, ob dies auch für andere REWE-Märkte gilt.

Die Verantwortung für Auslage und Verkauf des “Magazin2000plus” sieht REWE beim Pressegroßhandel (“Presse-Grosso”). Die Nachfrage von uns beim Bundesverband Deutscher Buch-, Zeitungs- und Zeitschriften-Grossisten e.V. blieb bisher unbeantwortet, so dass wir uns nur auf die Darstellungen von REWE beziehen können. In der Stellungnahme von REWE wurde unter anderem ausgeführt, dass die Märkte:

“vom Pressegroß-handel (“Presse-Grosso”) mit Presseerzeugnissen beliefert und bestückt [werden] und das ein Entfernen von Zeitschriften von unserer Seite einen Eingriff in die Presse- und Meinungsfreiheit bedeuten würde. Gerne erläutern wir dir die Hintergründe hierzu. Wer in Deutschland Presseerzeugnisse öffentlich verkaufen möchte, darf dabei nicht Zeitungen boykottieren oder aus dem Sortiment verbannen. Vor dem Hintergrund der nationalsozialistischen Geschichte gelten in Deutschland für den Handel mit Presseerzeugnissen besondere Regeln. Sie dienen dem Schutz des Grundrechts aller Bürger auf freie Meinungsäußerung, der uneingeschränkten Pressefreiheit sowie Gewährleistung einer umfassenden Versorgung mit Zeitungen und Zeitschriften. Insofern fällt auch der Vertrieb von Presse mit extremen Meinungen grundsätzlich in den Schutzbereich des Grundrechts auf Meinungs- und Pressefreiheit. Unsere REWE-Märkte haben keine Einflussmöglichkeit auf ihr Sortiment an Presseerzeugnissen, das durch den Pressegroßhandel geliefert und bestückt wird.”

Zugleich wird darauf hingewiesen, dass “jeder Bürger das Recht [hat], sich an eine Behörde in Deutschland (Jugendämter, Polizei- und Ordnungsbehörden) zu wenden, damit diese die betreffende Ausgabe einer Schrift mit dem Antrag der Überprüfung der Indizierung bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften einreicht”. Dieses “jeder” inkludiert auch Mitarbeitenden und Marktleitenden von REWE. Inwieweit von diesen aktuell oder jemals dieses Recht in Anspruch genommen wurde und die Überprüfung von Publikationen im eigenen Warensortiment beantragt wurde, bleibt offen.

Kritisch hinterfragt werden muss auch die Bezugnahme auf die uneingeschränkte Pressefreiheit und die “umfassende Versorgung mit Presseerzeugnissen”, die letztlich eher instrumentalisiert als gelebt wirkt. So wurde auf die Rückfrage nach dem Verkauf verschiedener Tageszeitungen unterschiedlicher politischer Couleur und In-Magazine von REWE erklärt, dass jeder Markt nur “einen begrenzten Platz für Produkte” hat und der Grossist auswählt, was sich im Markt am besten verkauft, REWE dabei aber kein Mitspracherecht habe. Meint wohl: Uneingeschränkte Pressefreiheit und umfassende Versorgung mit Presseerzeugnissen bei REWE (und sicher auch anderen Märkten) bedeutet offensichtlich die Freiheit des Grossisten, zu bestimmen und auszuwählen, was sich verkauft und was bestimmte Kundenkreise zu lesen bekommen. Grundlagen dieser Entscheidung sind nicht Grundrechte oder der Gedanke der Informationsvielfalt, sondern banale marktwirtschaftliche  Kosten-Nutzen-Aspekte. “Uneingeschränkte Pressefreiheit” und das Nicht-Verbannen von Publikationen aus dem Sortiment bleibt hier zumindest fragwürdig.

Eher eine rhetotrische Frage, was jetzt schwerer wiegt im Bezug auf eine uneingeschränkte Pressefreiheit: Das (nicht stattgefundene) Entfernen eines Magazins aus dem Supermarkt-Regal oder die bereits zuvor stattgefundenen “Vorauswahl” unter reinem Kosten-Nutzen-Denken und ohne Anspruch auf Informationsvielfalt.

Kommentar: Rudolf Kleinschmidt

 

siehe auch: Rewe verkauft „Reichsbürger“-Propaganda in der Auslage. Bei Rewe liegt das „Magazin2000plus“ mit dem Titel „Deutschland Spezial“ prominent in der Zeitungsauslage aus.. Rewe vertreibt ein Magazin, das Parolen der „Reichsbürger“-Szene verbreitet. Die Supermarktkette weist die Verantwortung von sich. Die Supermarktkette Rewe bietet in mindestens einem ihrer Läden ein rechtsgerichtetes Magazin zum Verkauf an, in dem „Reichsbürger“-Propaganda verbreitet wird. Konkret handelt es sich dabei um das „Magazin2000plus“, das vom Argo Verlag vertrieben wird. Nach Recherchen unserer Redaktion erreicht das Magazin 30.000 Leser.

https://twitter.com/BerlinBote/status/908850241641861120