Fremdenfeindlicher Übergriff in Wieslocher Eiscafé: Anklage gegen sechs Männer erhoben

Die Staatsanwaltschaft Heidelberg hat Anklage gegen sechs Männer im Alter zwischen 24 und 36 Jahren wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung und Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen in Tateinheit mit Volksverhetzung zum Amtsgericht Wiesloch (Schöffengericht) erhoben. Dies teilte die Staatsanwaltschaft am Dienstag mit. Den Angeschuldigten wird zur Last gelegt, im September 2018 in der Wieslocher Innenstadt fremdenfeindliche Parolen skandiert und Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verwendet zu haben. Bei dem Angriff auf türkisch- und portugiesischstämmige Gäste sollen der Hitler-Gruß gezeigt und “Heil Hitler” gerufen worden sein. Anschließend sollen die Angeschuldigten die Gäste mit dem Mobiliar angegriffen und verletzt haben. Unter den sechs Männern aus dem Rhein-Neckar-Kreis und dem Kreis Karlsruhe, die im Rahmen eines Junggesellenabschieds unterwegs waren, war auch ein Tarifangestellter der Polizei. Drei der Männer werden laut Polizei der rechten Szene zugerechnet.

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Prozess – Hilfe für Rechtsradikale

Ein Polizist aus Hessen ist zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Er hatte Dienstgeheimnisse an eine Bekannte verraten. Nun droht ihm ein Disziplinarverfahren. Ein 46 Jahre alter Polizist ist wegen Verrats interner Dienstgeheimnisse an eine offenkundig rechtsradikale Bekannte zu einer Geldstrafe von 6750 Euro verurteilt worden. Das Amtsgericht im südhessischen Dieburg befand den geständigen Beamten für schuldig, der Mitangeklagten Martina H. auf deren Drängen hin Anfang 2016 zweimal Informationen aus dem Polizeidatennetz weitergegeben zu haben. In einem Fall handelte es sich um Erkenntnisse über den Lebensgefährten der Frau, Carsten M., einem als gewalttätig geltenden Rechtsradikalen, der unlängst in Halle wegen gefährlicher Körperverletzung zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden war. Martina H. hatte wegen Beihilfe eine Bewährungsstrafe bekommen. Die beiden sollen der Neonazi-Kameradschaft “Aryans” angehören, gegen die die Bundesanwaltschaft wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung ermittelt. Gegen das Urteil von Halle haben beide Revision eingelegt.
Der Geheimnisverrat des Polizisten war bei den Ermittlungen in Halle entdeckt worden, durch Chat-Protokolle auf dem Handy von Martina H., die 2007 für einige Monate die Freundin des damals in Dieburg tätigen Polizisten war. Die beiden blieben sich über Jahre hinweg freundschaftlich verbunden. Publik wurde der Verdacht gegen den Beamten aber erst Anfang 2019, als Berichte über rechte Netzwerke in der Polizei in Frankfurt und Mittelhessen die Sicherheitsbehörden in dem Bundesland in Misskredit brachten. Polizei und Staatsanwaltschaft fanden allerdings keine Hinweise darauf, dass sich der inzwischen in Niedersachsen tätige Polizist in der rechten Szene bewegt oder radikales Gedankengut verbreitet. Der sichtlich angegriffene Mann bestritt in der Verhandlung, Neonazi-Sympathien zu hegen. Vom rechtsextremen Engagement der Bekannten Martina H. will er bis zum Beginn der Ermittlungen wegen seines Geheimnisverrats nichts gewusst habe

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Prozess gegen Geheimagent MAD, KSK, gar nichts klar – #terror

Hat ein Agent des Militärischen Abschirmdienstes einen Elitesoldaten vor Rechtsterrorismus-Ermittlungen gewarnt? Ein Prozess in Köln führt mitten hinein in eine abgeschottete Männerwelt. (…) Man muss etwas ausholen, um zu erklären, was dem Angeklagten Peter W., 43, eigentlich vorgeworfen wird. Und was das mit “Hannibal” zu tun hat. In Kürze geht die Version der Staatsanwaltschaft Köln so: Der Oberstleutnant W. arbeitete im MAD als Beschaffer, er sammelte also Informationen über rechtsextreme Umtriebe in der Truppe. Deshalb pflegte er Kontakt zu André S. alias “Hannibal” – seiner Quelle, die ihm aus dem Innenleben des KSK berichtete, wohl weil S. ein gewisses Sendungsbedürfnis hat. Sein Vorgesetzter wird ihn später vor Gericht einen “Schwätzer”, “Schaumschläger” und “Hochstapler” nennen. Der Angeklagte Peter W. aber war nicht nur Beschaffer im MAD und als solcher mit dem obskuren Verein “Uniter” befasst, den André S. gegründet hatte. Peter W. fungierte auch als Ansprechpartner für das Bundeskriminalamt, das 2017 im Auftrag des Generalbundesanwalts gegen den Oberleutnant Franco A. ermittelte. Hintergrund: Der Offizier A. hatte sich eine falsche Identität als Flüchtling zugelegt und gestohlene Munition gehortet. Die Ermittler nahmen damals an, A. habe womöglich Anschläge begehen wollen, für die später Asylbewerber verantwortlich gemacht werden sollten. Eine entsprechende Anklage ließ das Oberlandesgericht Frankfurt allerdings nicht zu. Zurück zu Oberstleutnant W., dem Angeklagten von Köln. Der soll nun laut Staatsanwaltschaft am 13. September 2017 seinen Informanten André S. davor gewarnt haben, dass das Bundeskriminalamt zwei Tage später die Kaserne des KSK im baden-württembergischen Calw durchsuchen würde. Verletzung des Dienstgeheimnisses heißt das im Strafgesetzbuch. (…) André S. aka “Hannibal”, der den Medienberichten zufolge über Telegram-Chats ein virtuelles Netzwerk revolutionsgeneigter Soldaten aufgebaut haben soll, erscheint am Mittwoch vor Gericht in einem zerknitterten schwarzen Anzug, mit einer Uniter-Krawatte im Bordeauxrot der Fallschirmjäger. Seine Befragung dauert nicht allzu lange, weil sein Anwalt ihn die entscheidende Frage, ob W. ihn gewarnt habe, nicht beantworten lässt. Warum? Damit könne sich S. selbst belasten, sagt der Jurist. Doch das wohl nur, wenn die Antwort lautete: Ja, hat er.
Was den in verschiedenen Medien geäußerten Verdacht anbelangt, “Hannibal” habe eine Schattenarmee aufgebaut: Dieser Verdacht geht auf Vernehmungsprotokolle des BKA zurück, die Ende vergangenen Jahres Journalisten und Abgeordneten zugespielt wurden. Die Papiere stammen aus der Ermittlungsakte gegen den Oberleutnant Franco A. und dokumentieren die Aussagen mehrerer Personen, die Mitglieder in der von “Hannibal” aufgebauten Telegram-Chat-Gruppe “Süd” waren. Sie berichteten dem BKA, dass sich in dem virtuellen Raum Soldaten und Polizisten in teils konspirativ-verschwörerischem Ton darüber ausgetauscht haben, wie man sich in einer Staatskrise verhalten solle. Oft sei von sogenannten Safe Houses, sicheren Verstecken für den Ernstfall, und von Waffenlagern die Rede gewesen. Als Franco A. im April 2017 festgenommen wurde, machte man den Chat eilig dicht.

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siehe auch:
Prozessauftakt: Razzia bei KSK sickerte vorab durch. Eine Razzia bei der Calwer Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte (KSK) wegen Terrorverdächtigungen im Fall des rechtsextremen Soldaten Franco A. ist vorab bekannt geworden. Ein in diesem Zusammenhang wegen Verrats von Dienstgeheimnissen im Jahr 2017 angeklagter Oberstleutnant des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) bestritt am Mittwoch in Köln aber alle Vorwürfe; MAD-Prozess in Köln – Hannibal schaffte Computer weg. Neue Erkenntnisse im Fall Uniter: Vor einer Razzia der Bundesanwaltschaft ließ der Soldat einen Laptop verschwinden. Neue Details im Hannibal-Komplex: Aus dem Prozess gegen einen Mitarbeiter des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) in Köln ergeben sich neue Details im Hinblick auf die Rolle des Bundeswehrsoldaten André S. alias Hannibal. Wie mehrere Zeugen am Mittwoch vor dem Kölner Amtsgericht aussagten, soll Hannibal, über den die taz in der Vergangenheit mehrfach berichtet hatte, vor einer Razzia der Bundesanwaltschaft im September 2017 gewarnt gewesen sein – und mögliches Beweismaterial beiseite geschafft haben. Vor dem Amtsgericht Köln hat am Mittwoch der Prozess gegen einen Mitarbeiter des Militärischen Abschirmdienstes begonnen. Peter W., 43, wird vorgeworfen, den damaligen KSK-Soldaten André S. alias Hannibal vor anstehenden Maßnahmen gewarnt zu haben. W. bestreitet die Vorwürfe; Soldaten und Polizisten planten in Albstädter Schützenhaus den Tag X. Ein dubioses Treffen mit rund 30 Teilnehmern in Albstadt, Ermittlungen des Bundeskriminalamts: KSK-Soldat „Hannibal“ und Franco A. waren auch im Zollernalbkreis aktiv. Wenn das Parlamentarische Kontrollgremium in dieser Woche im Landtag zusammenkommt, geht es um Vorgänge rund um den Verein Uniter – in dem sich vor allem Elitesoldaten, Polizisten und andere Sicherheitskräfte organisieren. Der undurchsichtige Verein war unter anderem aufgrund einer umfangreichen Recherche der Zeitung taz in die Kritik geraten – das Blatt geht nach monatelangen Recherchen davon aus, dass es sich bei Uniter nicht um einen harmlosen Verein handelt, sondern vielmehr um eine dubiose Gruppierung. Sie könnte in Zusammenhang mit rechtsextremen Strukturen in der Bundeswehr stehen. Ein Schattennetzwerk gewissermaßen, das sich auf einen Tag X vorbereitet, denjenigen Tag, an dem die staatliche Ordnung zusammenbricht. Das Treffen in Albstadt Bei der politischen Aufarbeitung des Falles führt eine Spur auch in den Zollernalbkreis – denn hier, in einem Schützenhaus in Albstadt, kam es 2016 zu einem konspirativen Treffen von Soldaten, Polizisten und anderen Teilnehmern. Bei der Recherche zu diesem Treffen erfuhr der ZOLLERN-ALB-KURIER: Die Teilnehmer hatten sich an jenem Tag ursprünglich bei der Polizei in Göppingen treffen wollen. Stattdessen organisierte schließlich ein Geschäftsmann aus dem Zollernalbkreis, der Verbindungen zu Uniter gepflegt hatte, die Örtlichkeit für das Treffen. Und öffnete rund 30 Teilnehmern dafür ein Schützenhaus in Albstadt .

Weiterer Verdachtsfall im Vogelsberg Ermittlungen gegen weiteren Polizisten wegen rechtsextremer Chats

In der Affäre um rechtsextreme Chats von hessischen Polizisten gibt es einen neuen Verdachtsfall. Das Landeskriminalamt ermittelt gegen einen Beamten aus dem Vogelsberg. Das Landeskriminalamt (LKA) ermittelt wegen möglicher Verfassungsuntreue gegen einen weiteren Polizisten. Der Beamte ist in der Dienststelle Alsfeld (Vogelsberg) beschäftigt. Das hat ein Polizeisprecher des Präsidiums Osthessen in Fulda bestätigt. Zuerst hatte das Online-Magazin Oberhessen-live.de von dem Fall berichtet.
Mitarbeiter des LKA hatten im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen andere Polizeibeamte einen Onlinechat entdeckt, den der Polizist aus Alsfeld mit einem Kollegen geführt haben soll. Gegen diesen Kollegen wird derzeit in einem anderen Fall ermittelt. Beamter von Dienstgeschäften entbunden Bei dem Alsfelder Beamten handele es sich um einen reinen Verdachtsfall, betonte der Polizeisprecher in Fulda. Vorsorglich sei der Beamte jedoch von allen Dienstgeschäften entbunden worden

via hessenschau: Weiterer Verdachtsfall im Vogelsberg Ermittlungen gegen weiteren Polizisten wegen rechtsextremer Chats

Chesterfield police investigating allegation that officer is a member of the white supremacist group

Chesterfield County police are investigating allegations that one of their supporters has been posted on several websites linked to such groups.
Last week, the Richmond Times-Dispatch received an email from someone who identified himself as a member of the Colorado Springs branch of Antifa. The group is part of a national movement of autonomous, left-wing militant anti-fascist groups in the United States. The Colorado Springs branch alleges that a Chesterfield police officer is a member of Identity Evropa and has been a neo-Nazi since 2006, and has posted comments on Stormfront, a white nationalist and white supremacist organization websites. The Times-Dispatch sent to the Chesterfield police officers last Wednesday and asked the department about the officer. The newspaper is not the determinant of the allegations.

via richmomd: Chesterfield police investigating allegation that officer is a member of the white supremacist group

Der Polizeiskandal von München ist längst nicht ausgestanden

Ein mögliches Sexualdelikt und antisemitische Videos: Was im Unterstützungskommando passiert ist, widerspricht den Prinzipien der Polizei – und dem, was sie von der Öffentlichkeit einfordert. Jetzt also München. Nach verstörenden Erkenntnissen über ein rechtsextremes Netzwerk bei der Frankfurter Polizei und Exzessen von Berliner Beamten muss die Polizei erneut gegen sich selbst ermitteln, erneut steht dabei das Münchner Unterstützungskommando im Zentrum. Ein Polizist steht im Verdacht, eine Frau sexuell missbraucht zu haben. In einem Gruppen-Chat teilten USK-Beamte und Ehemalige Videos mit antisemitischen Inhalten. Beim Taser-Training wurden Kollegen absichtlich mit Stromstößen verletzt. Derbe “Späßchen” und sexistische Fotos in Uniform machten die Runde. Die juristische Prüfung läuft noch, was sich aber jetzt schon sagen lässt: All das steht im Widerspruch zu den Prinzipien der Polizei und auch zu ihren Präventions-Kursen für die Bevölkerung. Darin geht es um: Aufstehen, nicht wegschauen, handeln, wenn etwas aus dem Ruder läuft. (…) Es ist nicht der erste handfeste Skandal beim USK. Bereits vor 13 Jahren ging es um übergriffige und menschenverachtende Verhaltensweisen (…) Die Polizei steht aufgrund ihrer Befugnisse, die mit dem neuen Polizeiaufgabengesetz sogar noch wachsen, in besonderer Verantwortung. Der Skandal von München ist längst nicht ausgestanden. Von einzelnen schwarzen Schafen darf man nicht auf die ganze Herde schließen. Auffällig ist aber, dass derartige Vorfälle fast ausschließlich kasernierte Männervereine wie die Polizei treffen.

via sz: Der Polizeiskandal von München ist längst nicht ausgestanden

Forscher: Mehr Gewalt durch rechtsextreme Täter als bekannt

Es gibt mehr Opfer durch rechtsextreme Gewalt als angenommen. Kriminologen erforschen, warum die Polizeistatistik nicht die Realität abbildet. Brennende Flüchtlingsheime, Angriffe auf Asylbewerber, brutale Schlägereien und Sachbeschädigungen – auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle im Jahr 2015 registrierten die Ermittler einen bislang nie da gewesenen Höchststand rechtsextremer Straf- und Gewalttaten in Deutschland. Das Bundesinnenministerium zählte unter der Rubrik „Politisch motivierte Kriminalität“, im Polizeijargon „PMK rechts“ genannt, 20.520 Straftaten. Dieser traurige Rekord wurde 2016 mit 23.555 Fällen erneut gebrochen, darunter fielen knapp 1700 Gewalttaten. Im folgenden Jahr sanken die Fallzahlen zwar wieder deutlich, blieben aber auf hohem Niveau. Bildet die Statistik die ganze Wahrheit ab? Die Realität dürfte noch weit schlimmer sein. „Die Zahl der Opfer rechtsextremer Gewalt ist weit größer als angenommen“, meint Tobias Singelnstein, Professor für Kriminologie an der Ruhr-Uni Bochum. Unter seiner Leitung erforscht jetzt ein Team von Wissenschaftlern, wie und warum sich der Bereich rechter Gewalt ändert und wie die Polizei damit in der Praxis umgeht. Zuletzt hatte die Bundesregierung im Herbst 2018 von 83 Todesopfern durch rechte Gewalt gesprochen. Opferverbände, Stiftungen und Medien kommen aber seit Jahren zu ganz anderen Ergebnissen. Singelnstein verweist zum Beispiel auf Recherchen von Tagesspiegel und Zeit Online, wonach seit 1990 mindestens 169 Menschen von Neonazis und anderen extremen Rechten getötet worden seien. Bei weiteren 61 Todesopfern gebe es zumindest Indizien für ein rechtes Motiv der Täter. Singelnstein hält diese Angaben für belastbar. (…) So meldete die Bundesregierung für die vergangenen drei Jahre nur ein Todesopfer rechter Gewalt – den 32-jährigen Polizisten Daniel E., der 2016 von einem „Reichsbürger“ erschossen wurde. Dessen Verurteilung zu lebenslanger Haft wurde erst vor wenigen Tagen rechtskräftig. Nach unabhängigen Recherchen sind jedoch seit 2015 mindestens elf weitere Personen durch rechte Gewalt ums Leben gekommen. Wie kommt es zu den unterschiedlichen Angaben? Die Frage sei, wie und wann die Polizei einen Zusammenhang zwischen politischer Einstellung und Straftaten herstellt und wie dies in der Praxis festgestellt wird. „Oft hängt dies von der sorgfältigen oder eben weniger sorgfältigen Arbeit des Beamten vor Ort ab“, sagt Singelnstein. (…) „In der Praxis entscheiden die Beamten vor allem anhand des Eindrucks, den sie sich verschaffen. Dabei kann man sensibel sein für mögliche politische Hintergründe oder nicht. Man kann Hinweisen nachgehen oder eben nicht“, meint Singelnstein. Politische Gründe, die Zahlen möglichst niedrig zu halten, möchte er niemandem unterstellen. „Aber es gibt Fälle von internen Anweisungen, die Einstufungen als rechtsmotivierte Gewalt restriktiv zu behandeln, damit die jeweilige Stadt nicht in einem schlechten Licht erscheint.“ Eine weitere Verzerrung liege im Anzeigeverhalten der Menschen. Von vielen Straftaten würde die Polizei erst gar keine Kenntnis bekommen. Ausländer oder Obdachlose, die als Zielgruppe rechtsextremer Gewalt gelten könnten, dürften seltener Anzeige erstatten als andere Gruppen. So zeigten die Daten nicht das tatsächliche Ausmaß rechter Gewalt, sondern dokumentierten lediglich die Registrierungspraxis der Polizei. „Bei rechtsextrem motivierten Straftaten ist daher von einem erheblichen Dunkelfeld auszugehen“, resümiert der Kriminologe. Mit ihrer Arbeit wollen die Bochumer Forscher nun mehr Licht in diesen Bereich bringen.
Doch es geht ihnen nicht nur um Zahlen, Daten und Statistiken. Von der Bewertung der Delikte ist abhängig, welche Maßnahmen die Behörden ergreifen und in welche Richtung die Ermittlungen verlaufen. Dass hier der Ausgangspunkt für groteske Pannen liegen kann, zeigten die jahrelangen erfolglosen Ermittlungen zum NSU. Hier wurde ein rechtsextremer Hintergrund lange nicht erkannt. Zudem baue politisches Handeln auf die jährliche Statistik auf

via wr: Forscher: Mehr Gewalt durch rechtsextreme Täter als bekannt

#NSU-Ausschuss verfolgt Spur im #Mordfall der Polizistin #Kiesewetter – #schauhin #gladio #uniter

Der Thüringer NSU-Untersuchungsausschuss will einer weiteren Spur im Zusammenhang mit dem Mord an Michèle Kiesewetter nachgehen. Dazu soll ein ehemaliger Vorgesetzter der Polizistin gehört werden, der zudem Gründungsmitglied eines umstrittenen Sicherheitsvereins Uniter war. Die Landtagsabgeordneten wollen in diesem Zusammenhang den Gründungsvorsitzenden des umstrittenen Sicherheitsvereins Uniter befragen. «Er war ein Vorgesetzter von Kiesewetter», sagte die Obfrau der Linken im Ausschuss, Katharina König-Preuss, am Donnerstag in Erfurt am Rande der Sitzung des Gremiums. Die aus Thüringen stammende Polizistin war 2007 in Heilbronn erschossen worden. Als Täter gelten die NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Nach Angaben von König-Preuss wollen die Ausschussmitglieder damit auch weiter ausleuchten, wieviele Polizisten in Kiesewetters Umfeld möglicherweise in der rechten Szene aktiv waren. Sie verwies darauf, dass bereits Verbindungen einzelner Beamte aus dem Umfeld Kiesewetters zum rechtsextremen Ku-Klux-Klan dokumentiert seien. Der Verein Uniter ist umstritten, nachdem in den vergangenen Monaten bundesweit mehrere Medien über angebliche Kontakte einzelner Vereinsmitglieder ins extremistische Milieu berichteten. Sie sollen sich unter anderem auf den Zusammenbruch der staatlichen Ordnung an einem Tag X vorbereiten. Der Verein ist nach eigenen Angaben 2010 aus zwei Netzwerken für Kommandoeinheiten der Bundeswehr und Polizei sowie einer Gruppe aus dem europäischen Nato-Kommando Shape gegründet worden.

via insüdthüringen: NSU-Ausschuss verfolgt Spur im Mordfall der Polizistin Kiesewetter

Polizei-Skandal in München

Aufgrund eines Skandals bei der Polizei München wurden dort insgesamt 14 Beamt_innen suspendiert oder strafversetzt. Wie der Bayerische Rundfunk berichtet, wurde bei Ermittlungen wegen eines Sexualdelikts gegen einen Beamten, zufällig ein Whatsapp-Chat entdeckt. In diesem Chat haben Beamt_innen des Unterstützungskommandos (USK) München, des Spezialeinsatzkommandos (SEK) München, des Landeskriminalamtes (LKA) sowie des Polizeipräsidiums Oberbayern-Süd, laut BR, unter anderem antisemitische und beleidigende Inhalte ausgetauscht. Darüber hinaus, wird wegen eines Vorfalls mit einem Distanzelektroimpulsgerät ermittelt. Mehrere Beamt_innen sollen im Rahmen der Ausbildung zwei Kolleg_innen absichtlich Stromstöße versetzt haben. Dabei wird im Rahmen der Ermittlungen geprüft, ob es sich dabei um eine Mutprobe handelte oder einen „lebensgefährlichen Scherz“.
Es handelt sich dabei auch nicht um den ersten Vorfall, der das bayerische USK mit Rechtsextremismus in Verbindung bringt. Bereits im Mai 2014 wurden Aufkleber aus der rechtsextremen Szene auf Ausrüstungsgegenständen des USK gefunden. Anlass waren Ermittlungen wegen eines Sexualdelikts. Eine österreichische Studentin hatte in einer Diskothek eine Gruppe Münchener Beamt_innen des USK kennengelernt, die sich dort privat aufhielten. Im weiteren Verlauf des Abends auf einer Berghütte soll es laut einem Beamten zu einvernehmlichem Sex gekommen sein. Die Studentin spricht von einem plötzlichen Filmriss.

via ai: Polizei-Skandal in München

#Thüringen – Zeuge berichtet von Sympathien der #Polizei für #Rechtsextreme – #schauhin #terror #polizeigewalt

Vor dem NSU-Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtages hat ein ehemaliger Rechtsextremer von einem informellen Stillhalteabkommen zwischen Neonazis und Polizisten in den 1990er Jahren gesprochen. In den Dörfern und kleinen Städten Ostthüringens hätten Polizisten bei rechten Straftaten oft nicht genau hingeschaut, sagte der Mann am Donnerstag in Erfurt vor den Abgeordneten des Gremiums. “Es war jetzt nicht so eine aggressive Grundstimmung, dass man das Gefühl hatte, dass die die freiheitlich-demokratische Grundordnung verteidigen wollten.” Im Gegenzug hätten die Rechtsextremen darauf verzichtet, Polizisten zu attackieren. Zudem hätten damals viele Familienmitglieder von Polizisten und teilweise auch die Beamten selbst Sympathien für rechte Ideen gezeigt.

via ntv: Thüringen Zeuge berichtet von Sympathien der Polizei für Rechtsextreme