Angriff auf Haus eines jüdischen Ehepaares

Nach einem Brandanschlag auf das Haus eines jüdischen Ehepaars in Hemmingen (Region Hannover) haben die Ermittler noch keine Hinweise auf die Täter. Laut Staatsanwaltschaft hatten Unbekannte in der Nacht zu Sonnabend vor der Haustür des Paares im Stadtteil Westerfeld ein Feuer gelegt. Zudem wurde auf das Gebäude mit roter Farbe das Wort “Jude” aufgesprüht. Auch das Eingangstor zu einem nahe gelegenen Schrebergarten des Paares wurde mit dem Schriftzug beschmiert. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln wegen versuchter schwerer Brandstiftung, teilten die Behörden mit. Auch der Staatsschutz sei involviert. “Wir nehmen den Fall sehr ernst”, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. Die Hintergründe der Tat seien unklar.

via ndr: Angriff auf Haus eines jüdischen Ehepaares

Staatsschutz ermittelt : Nach Messer-Vorfall Neonazi-Aufkleber gefunden

Weil zwei junge Männer in Aachen eine Frau und einen Mann mit einem Messer bedroht haben sollen, ermittelt der Staatsschutz gegen sie. Bei ihrer Durchsuchung hatten Polizeibeamte ein Messer sowie Flyer und Aufkleber einer Neonazi-Gruppe bei den Männer gefunden. Wie ein Sprecher der Aachener Polizei am Dienstag berichtete, hatten sich am frühen Sonntagmorgen ein 21-jähriger Mann und eine 20-jährige Frau an die Bundespolizei am Aachener Hauptbahnhof gewandt. Sie berichteten, sie seien zuvor gegen 3 Uhr nachts von einem der beiden jungen Männern in der Wilhelmstraße bedroht worden. Diese seien noch mit gezogenem Messer hinter ihnen hergelaufen und hätten erst in der Römerstraße von ihnen abgelassen. Später hätten der Mann und die Frau die beiden zunächst geflüchteten Tatverdächtigen in der Bahnhofshalle wieder erkannt und dann sofort die Beamten informiert. Die jungen Männer im Alter von 17 und 20 Jahren stritten gegenüber der Polizei die Tat ab. Doch bei ihrer Durchsuchung fanden die Beamten ein Klappmesser, ein Reizstoffspray sowie Flyer und Aufkleber der lokalen Neonazi-Gruppe „Syndikat 52“.

via aachener zeitung: Staatsschutz ermittelt : Nach Messer-Vorfall Neonazi-Aufkleber gefunden

NPD-Plakate volksverhetzend

Das Abhängen von NPD-Wahlplakaten im ostsächsischen Zittau ist nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichtes Dresden rechtens. Die Wahlplakate mit der Aufschrift “Stoppt die Invasion: Migration tötet!” erfüllten den Straftatbestand der Volksverhetzung, teilte das Gericht am Dienstag in Dresden mit.

via sz: NPD-Plakate volksverhetzend

siehe auch: Verwaltungsgericht Düsseldorf : NPD muss auch in Mönchengladbach Wahlplakate abhängen. Das Verwaltungsgericht in Düsseldorf attestiert einem Wahlplakat der rechtsextremen NPD Volksverhetzung. „Migration tötet!“ lautet der Slogan auf den Plakaten – aber auch die Aufmachung sorgt für Ärger. Die rechtsextreme NPD muss in Mönchengladbach Wahlplakate abhängen, weil deren Botschaften den Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllen. Das hat das Verwaltungsgericht Düsseldorf am Dienstag entschieden. Die 20. Kammer des Gerichts gab damit dem Oberbürgermeister von Mönchengladbach, Hans Wilhelm Reiners, recht. Der CDU-Politiker hatte die NPD vergangene Woche per Ordnungsverfügung aufgefordert, die Plakate mit dem Slogan „Stoppt die Invasion: Migration tötet!“ zu entfernen. Der NPD-Kreisverband hatte versucht, sich dagegen per Eilantrag zu wehren; Auch im Wahlkampf ist nicht alles erlaubt : Richter stufen Wahlplakat der NPD zum Thema Migration als strafbare Volksverhetzung ein. Klare Kante gegen Hetze im Wahlkampf. Zwei Verwaltungsgerichte haben ein Plakat der NPD als strafbare Volksverhetzung eingestuft. In Zittau durfte die Stadt deshalb die entsprechenden Plakate zu Recht abhängen. In Mönchengladbach muss die NPD dies selbst tun.

Die Ibiza-Affäre: “Ich habe mehrere tausend Euro gespendet” – #strachevideo #ibizagate

Exklusiv. In Heinz Christian Straches Umfeld besteht nicht nur ein mysteriöser Verein, sondern mindestens zwei. “Wirtschaft für Österreich” hat 2017 nach Aussage eines Wiener Managers Geld erhalten – auf Vermittlung von Johann Gudenus. Schon die Betreffzeile des Briefes lässt keinen Zweifel an den Absichten des Verfassers: “Anschreiben: Ersuchen um Spende für den gemeinnützigen Verein ,Wirtschaft für Österreich‘.” Im Frühsommer 2017, kurz bevor Heinz Christian Strache und Johann Gudenus in Ibiza in die Falle tappten, ereilte einen Wiener Geschäftsmann ein einseitiges Schreiben, das in dieser Form allem Anschein nach nicht zum ersten Mal verschickt worden war. “Sehr geehrte Damen und Herren! Der gemeinnützige Verein ,Wirtschaft für Österreich‘ schützt die Interessen der österreichischen Industrie und Wirtschaft. Zur Durchführung von Veranstaltungen im Zusammenhang mit der Förderung des Wirtschaftsstandortes Wien und Österreich ersucht der Verein ,Wirtschaft für Österreich‘ um eine Spende auf folgendes Vereinskonto IBAN AT 33 12000 … Mit dem besten Dank im Vorhinein für Ihr Entgegenkommen verbleibe ich Hochachtungsvoll, Wirtschaft für Österreich, Dr. Markus Tschank.”
Gab oder gibt es in Heinz Christian Straches Umfeld einen “Verein”, über welchen verdeckte Parteispenden flossen? Der spätere Vizekanzler selbst war es, der das 2017 in Ibiza vor versteckter Kamera ausgeplaudert hatte – nur um es nach der Veröffentlichung des Videomaterials durch “Süddeutsche Zeitung” und “Spiegel” Freitag vergangener Woche zu einer haltlosen, weil besoffenen Geschichte umzudeuten. Bereits am Sonntag war profil auf einen ersten Verein gestoßen, der zu Straches Beschreibung passen könnte: “Austria in Motion – Verein zur Reform der politischen Kultur in Österreich”. Nach außen hin wird dieser Verein derzeit vom FPÖ-nahen Investmentberater und ORF-Stiftungsrat Markus Braun (Obmann) und dem früheren Vorsitzenden der FPÖ-Vorfeldorganisation Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ) in Niederösterreich, Alexander Landbauer (Kassier) vertreten. Landbauer ist der Bruder des geschäftsführenden FPÖ-NÖ-Landesparteiobmanns Udo Landbauer. Bis August 2017 war Rechtsanwalt Markus Tschank als Kassier bei “Austria in Motion” tätig gewesen, ehe er nach den Wahlen 2017 für die FPÖ in den Nationalrat einzog. Tschank und Braun haben in ersten Reaktionen ausgeschlossen, dass der Verein “Austria in Motion” je Parteispenden erhalten und weitergeleitet hat.

via profil: Die Ibiza-Affäre: “Ich habe mehrere tausend Euro gespendet”

Fusion Festival: Polizei rüstet sich für Großeinsatz

Ob das Fusion Festival stattfinden darf, entscheidet sich in wenigen Tagen. Nun zeigen interne Papiere: Die Polizei bereitet sich seit Monaten auf eine Konfrontation vor. Im Konflikt um das Fusion Festival in Mecklenburg-Vorpommern bereitet die Polizei einen deutlich größeren Einsatz vor als bisher bekannt. Das geht aus einem Polizeipapier hervor, das ZEIT ONLINE vorliegt. Das örtliche Polizeipräsidium hat zudem bereits vor Monaten eine Bachelorarbeit an der Polizeifachhochschule in Güstrow angeregt, die die Möglichkeiten für polizeiliches Einschreiten aufzeigen soll. Auf diesem Weg sind interne Unterlagen des Veranstalters auch an einen Polizisten gelangt, der mit dem Genehmigungsverfahren gar nichts zu tun hat: Er ist Dozent der Polizeifachhochschule, ehemaliges AfD-Mitglied und wurde wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Seit Wochen streiten sich Veranstalter und Polizei: Das Fusion Festival findet seit 1997 auf einem ehemaligen sowjetischen Militärflughafen an der Mecklenburgischen Seenplatte statt, mittlerweile mit etwa 70.000 Besucherinnen und Besuchern – bisher praktisch ohne Polizeipräsenz. (…) Im Hintergrund laufen aber nicht nur die Planungen für eine mobile Wache mit zwölf Beamten, sondern Vorbereitungen für einen Großeinsatz. So sieht es ein Einsatzkonzept der Polizei vor, das ZEIT ONLINE vorliegt und auf den 12. März dieses Jahres datiert ist. Demnach sollen zeitgleich etwa 100 Beamte, uniformiert und in zivil, auf das Gelände geschickt werden – rund um die Uhr im Schichtsystem. In der Nähe wird nach Plan außerdem eine Beweis- und Festnahmeeinheit der Bereitschaftspolizei positioniert. Die ist laut Mecklenburg-Vorpommerns Polizei vor allem auf Großveranstaltungen im Einsatz, “bei denen Auseinandersetzungen zu erwarten sind”. Hinzukommen sollen laut dem Einsatzkonzept weitere Beamte einer Einsatzhundertschaft, die den Verkehr regeln und bei Bedarf ihre Kollegen auf dem Festival unterstützen. Die Polizeiführung geht davon aus, in der Nähe des Geländes etwa 1.000 Polizisten unterbringen zu müssen. Das Fusion Festival soll in diesem Jahr vom 26. bis 30. Juni stattfinden.
Auch Räumpanzer und Wasserwerfer sollen laut Einsatzkonzept außerhalb des Festivals bereitstehen, ebenso eine Gruppe TMÖL (Technische Maßnahmen Öffnen und Lösen) – Beamte, die normalerweise Demonstrantinnen losschneiden, die sich in Gleisbetten angekettet haben, etwa bei Protesten gegen Castortransporte. Sogar die Bundeswehr soll eingesetzt werden: Soldaten sollen eine Zufahrt zum Polizeicamp bauen. Zivilkräfte der Polizei würden “offene und verdeckte Aufklärungsmaßnahmen durchführen”, außerdem sollen die sozialen Medien ausgewertet werden, um “geplante Provokationen und Behinderungen des Polizeieinsatzes frühzeitig erkennen zu können”. Der Veranstalter reagierte entsetzt auf die Pläne der Polizei: “Unsere schlimmsten Befürchtungen scheinen sich zu bewahrheiten”, sagte Martin Eulenhaupt vom Veranstalter Kulturkosmos Müritz e. V. auf Anfrage von ZEIT ONLINE. Es scheine, “als ob die Polizei jeglichen Bezug zur Realität verloren hätte”, plane sie doch “wie bereits seit Monaten vermutet allen Ernstes einen Polizeieinsatz mit bürgerkriegsähnlichen Szenarien gegen ein Kulturfestival mit friedlichen Gästen aus der ganzen Welt”. Veranstalter und Menschen aus der Region wollten “wie schon seit über 20 Jahren einfach nur ein friedliches Fest feiern”, sagte Eulenhaupt. “Die Politik muss diesem absurden Theater endlich ein Ende setzen.”

via zeit: Fusion Festival: Polizei rüstet sich für Großeinsatz

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Von Leonhard LenzEigenes Werk, CC0, Link

Für die #AfD ist #Russland ein “Gewinnerthema” – #ibizagate #nibelungentreue

Die Führung der Rechtspopulisten in Österreich zeigte sich offenbar käuflich gegenüber russischem Einfluss. Und in Deutschland? Was weiß man über die Beziehungen zwischen der AfD und Russland? Ein Überblick. Mit gerade einmal 28 Jahren hat Markus Frohnmaier in der “Alternative für Deutschland” bereits richtig Karriere gemacht. Er war Chef der AfD-Jugendorganisation, Pressesprecher der Partei, nun ist er Bundestagsabgeordneter. Als rumänisches Kind wurde er durch ein deutsches Ehepaar adoptiert, heute ist er verheiratet mit einer Russin. Nicht nur biografisch ist Frohnmaier international vernetzt. So versuchte er in Frankreich und Serbien, Verbindungen für die AfD aufzubauen. Mit der Kreml-Partei “Einiges Russland” plante er ein Jugendkooperationsabkommen. Kritikern entgegnete er, in Deutschland gebe es eine “geistige Mobilisierung gegen Russland, dagegen versuchen wir anzugehen”. “Wenn wir kommen, dann wird ausgemistet”, sagte Frohnmaier kurz vor dem Einzug der AfD in den Bundestag 2017 Doch diese Strategie wurde ihm zum Verhängnis. Es gibt Medienberichte über eine E-Mail aus russischen Regierungskreisen, wonach Frohnmaier vom Kreml gesteuert wird. Er weist die Vorwürfe von sich, fordert offizielle Beweise. Interviews lehnt er derzeit ab, Anwälte sollen eingeschaltet sein. Die Frage bleibt: Arbeitet die AfD mit Russland zusammen, vielleicht über einen Kredit wie bei der französischen Rechtspopulistin Marine Le Pen? Oder mit dem Ziel eines Kooperationsabkommens, wie es die Kreml-Partei “Einiges Russland” mit der italienischen Lega und auch mit der österreichischen FPÖ vereinbarte, beides Schwesterparteien der AfD, wie sie AfD-Europawahlkämpfer Jörg Meuthen selbst bezeichnet? Oder – wie “Ibizagate” nahelegt – mit möglichen Geheimabsprachen: Geld von angeblichen russischen Oligarchen für die eigene Partei gegen wirtschaftlichen Einfluss im Land oder zur Beeinflussung von Medien? Der Fall des FPÖ-Chefs Heinz-Christian Strache könnte nur die Spitze des Eisbergs sein.

via dw<: AfD und Russland – Für die AfD ist Russland ein “Gewinnerthema”

Arboner SVP-Politiker wegen Rassismus verurteilt

Der Arboner SVP-Politiker Roland Schöni ist am Montag vor Bezirksgericht Arbon abgeblitzt. Er hatte Einsprache gegen eine Busse wegen Rassendiskriminierung eingereicht. Er war wegen Aussagen gegen Fahrende anzeigt worden. Der SVP-Fraktionspräsident des Arboner Stadtparlaments hat sich im Mai 2018 gegenüber dem «Tagblatt» abschätzig über Roma geäussert. «Sie würden auf Kosten anderer leben, sich nicht an den Steuern beteiligen und machen was sie wollen», sagte der Politiker damals. Zudem bezeichnete er die Roma als Kleinkriminelle und Schlitzohren.Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) sowie der Verband Sinti und Roma Schweiz (VSRS) zeigten den Politiker daraufhin wegen Verletzung der Rassismus-Strafnorm bei der Thurgauer Generalstaatsanwaltschaft an.

via toponline.ch: Arboner SVP-Politiker wegen Rassismus verurteilt

Malta: Soldaten wegen Mordes aus Rassismus vor Gericht

Nach ihrer Festnahme stehen zwei Soldaten in Malta wegen tödlicher Schüsse auf einen Einwanderer vor Gericht. Den 21 und 22 Jahre alten Männern werden nach Angaben der «Times of Malta» rassistisch motivierter Mord an einem 42-Jährigen von der Elfenbeinküste sowie versuchter Mord an zwei weiteren Migranten aus Afrika vorgeworfen.

via saarbücker zeitung; Malta: Soldaten wegen Mordes aus Rassismus vor Gericht

siehe auch: Soldaten wegen Mordes aus Rassismus in Malta vor Gericht. Nach ihrer Festnahme stehen zwei Soldaten in Malta wegen tödlicher Schüsse auf einen Einwanderer vor Gericht. Den 21 und 22 Jahre alten Männern werden nach Angaben der „Times of Malta“ am Sonntag rassistisch motivierter Mord an einem 42-Jährigen von der Elfenbeinküste (Cote d’Ivoire) sowie versuchter Mord an zwei weiteren Migranten aus Afrika vorgeworfen. Damit einhergehend werden sie beschuldigt, Rassenhass verbreitet und mit einer unlizenzierten Waffe in der Öffentlichkeit geschossen zu haben. Das Gericht geht zudem davon aus, dass die Soldaten schon im Februar einen Einwanderer in derselben Gegend nahe dem Ort Hal Far angefahren haben. (…) Maltas Regierungschef Joseph Muscat erklärte am Wochenende, interne Ermittlungen seien eingeleitet worden, ob die beiden Einzeltäter seien oder „Teil von etwas Größerem“. In einer Stellungnahme forderten mehrere maltesische Zivilgesellschaftsgruppen, den Fall als „Weckruf“ dazu zu sehen, was passiere, wenn nichts gegen sich festsetzenden Rassismus unternommen werde

Straches Verteidigungsstrategie – Der #Hassprediger – #strache #kurz #Ibizagate #gudenus #fpoe #fpö #neuwahlen #strachevideo #austria #österreich

Der gefallene Star der österreichischen Rechten, Heinz-Christian Strache, zeigte Reue für sein im Ibiza-Video dokumentiertes Verhalten. Die Schuld schob er gleichzeitig bösen, verdeckt agierenden Mächten zu. Das hat Methode. Eine Analyse von Nils Minkmar. Nachdem ihn die ganze Welt beim Versuch beobachten konnte, die Medienlandschaft seiner Heimat durch russische Investitionen nach ungarischem Vorbild umzubauen, beklagt er – in seiner Pressekonferenz am Samstag – die “über das Ausland gespielte” Kampagne. In völliger Verdrehung der Situation skandalisiert er den Umstand der geheimen Aufnahme, ohne das Offensichtliche einzuräumen: Dass es nichts zu senden gegeben hätte, wenn er nicht solche konkreten Pläne zur Umgestaltung Österreichs formuliert hätte. Die einzige Quelle der von ihm richtigerweise so benannten Schmutzkübel ist er selbst. Darum konnte ihn keine Kraft der Welt mehr retten: Er versank mit einem Boot, das er selbst gezimmert hat. Und doch war sein gesamtes Rücktrittsstatement ein Versuch, Verantwortung zu verteilen und anderen zu übertragen.
Manche, wie den israelischen Politikberater Tal Silberstein und den deutschen Satiriker Jan Böhmermann, hat er namentlich erwähnt, vor allem aber erging er sich in Andeutungen. Netzwerke und Gruppierungen nannte er, sodass es schön ominös klingt, ein Horizont voll dunkelgrauer Wolken, in denen jeder ihm geneigte Zuhörer etwas anderes erkennt. Die alle Regeln verändernde, ja sprengende Macht, die die extreme Rechte fasziniert, ist auf solche Projektionen angewiesen. Es muss ja ein Grund genannt werden, weshalb das System zu stürzen ist, und der findet sich am besten in der behaupteten Opferrolle.

via spon: Straches Verteidigungsstrategie – Der Hassprediger

via sz: Kurz verschleiert die eigene Schuld am Desaster. Der Kanzler will durch die Aufkündigung des Regierungsbündnisses tatkräftig erscheinen. Doch er ist es, der Strache und die FPÖ erst salonfähig gemacht hat. Als Österreichs rechte Regierung im Dezember 2017 die Arbeit aufnahm, da wurde nichts weniger versprochen als der Anbruch einer neuen Zeit. “Veränderung” postulierte der junge Kanzler Sebastian Kurz, “Harmonie” versprach er im Duett mit seinem Vize Heinz-Christian Strache, und ein Programm wurde skizziert, das weit hinausreichen sollte über die eine Legislaturperiode, für die diese Koalition aus konservativer ÖVP und rechtspopulistischer FPÖ gewählt war. Doch manche vermeintliche Ära währt dann doch nur kurz. Nach gut 500 Tagen ist Österreichs Regierung nun zerbrochen. Plötzlich und mit großem Knall, einerseits. Doch andererseits auch sehr folgerichtig angesichts der inneren Widersprüche, die dieses Bündnis von Anbeginn begleitet und belastet haben. Denn das von Süddeutscher Zeitung und Spiegel bekannt gemachte Video, das den Vizekanzler Strache und seinen Partei-Intimus Johann Gudenus in einer Villa auf Ibiza beim abgründigen Austausch mit einer vermeintlichen russischen Oligarchen-Nichte zeigt, war nur der Anlass, nicht der Grund für das Scheitern dieser Regierung. Aus der Falle, die ihnen gestellt worden war, konnten sich Strache und Gudenus nicht mehr befreien, weil sie nicht nur reingelegt, sondern vor allem entlarvt worden sind. Als unter Spaniens Sonne die Maske fiel, da sah man die vorgeblichen Anwälte der kleinen Leute und Beschützer der Heimat plötzlich als zynische Zocker, für die Macht reiner Selbstzweck und der Staat bloße Verfügungsmasse zu sein scheinen. Alle Werte, materielle und immaterielle, wurden im großen Geschacher feilgeboten. Und so bizarr das alles anmutet – es wurde doch dahinter ein kruder Plan erkennbar für den Umbau Österreichs – für eine Verschiebung nach Osten, wo die Menschen Strache zufolge “normal” seien und nicht so “dekadent” wie im Westen. Das Ziel: Ein Staat, wie ihn Viktor Orbán in Ungarn erschaffen hat, in dem die Regierenden die Medien lenken und die Demokratie ausgehöhlt wird. Als “b’soffene G’schicht” hat Strache das alles abzutun versucht. Doch besoffen war er nicht nur an diesem Abend von Champagner und Wodka mit Red Bull. Machtbesoffen haben sich er und seine FPÖ-Riege viel zu oft gezeigt in dieser kurzen Zeit des Regierens. Das fängt an mit einer Außenministerin, der es gefiel, zu ihrer Hochzeitsfeier den russischen Präsidenten Wladimir Putin einzuladen, als müsste sie die Habsburger Heiratspolitik wiederbeleben. Und es hört noch lange nicht auf bei einem Innenminister, der eine Razzia im eigenen Geheimdienst initiiert oder Aufnahmezentren für Asylbewerber in Orwellscher Manier in Ausreisezentren umbenannt hat.

Die Legende vom Freund und Helfer

Eine Ausstellung dokumentiert die Verstrickung der Polizei in die NS‐Tötungsmaschinerie. Die Legende einer »sauberen Polizei« im Nationalsozialismus hält sich bis heute. Jahrzehntelang wurde die Aufarbeitung der Rolle der Polizei verweigert. Dass die normale Polizei maßgeblich an der nationalsozialistischen Judenvernichtung beteiligt war, zeigt auch die Ausstellung Ausbildung – Enthemmung – Verbrechen, die im Museum Fürstenfeldbruck bei München zu sehen ist. Sie beschäftigt sich insbesondere mit der Ausbildung von Polizisten in der Polizeischule Fürstenfeldbruck. Zahlreiche Ordnungshüter, die hier ihren Beruf erlernten, wurden während des Nationalsozialismus in den besetzten Gebieten zu Massenmördern und Kriegsverbrechern. In Fürstenfeldbruck verfolgten die Polizeischüler, Lehrer und Kommandeure politische Gegner und sorgten durch kirchenfeindliche Aktionen und brutale Gewalt für Aufmerksamkeit in der Bevölkerung. (…) Die Schau hat zwei große Verdienste: Sie beweist, dass Polizeieinheiten aus Fürstenfeldbruck im Krieg bei der Partisanenbekämpfung und beim Massenmord an den europäischen Juden eingesetzt wurden. Nahezu alle Schüler und Lehrer der Fürstenfeldbrucker Polizeischule waren während des NS‐Regimes an Verbrechen beteiligt. So wirkten Polizisten aus Fürstenfeldbruck am Massaker im September 1941 in Babi Jar mit, bei dem mehr als 33.000 Juden ermordet wurden. Und die Schau beweist, dass viele im Zweiten Weltkrieg an Verbrechen beteiligte Polizisten nach Kriegsende ihren Dienst bei der Polizei unbehelligt fortsetzen konnten. SS‐POLIZEI Das in der Ausstellung prominenteste Beispiel ist Hans Hösl, erst Lehrer an der Polizeischule und später Kommandeur des SS‐Polizei‐Gebirgsjägerregiments 18. Dieses zerstörte unter seiner Führung ganze Dörfer in Griechenland und Slowenien, exekutierte tatsächliche oder angebliche Partisanen, trieb im Frühjahr 1944 rund 1700 Juden in Athen zusammen und deportierte sie nach Auschwitz. Hösl übernahm 1953 die Ausbildung in Fürstenfeldbruck und war bei seiner Pensionierung im Jahr 1959 stellvertretender Schulleiter. Für seine Taten wurde er nie bestraft, das Verfahren wurde mangels Beweisen 1960 eingestellt. Im Ruhestand schrieb Hösl verträumte Heimatgeschichten in bayerischer Mundart und erhielt dafür 1981 den Poetentaler der Literatenvereinigung Münchner Turmschreiber.

via jüdische allgemeine: Die Legende vom Freund und Helfer