Rechtsextremer “#Volkslehrer” pöbelt in #KZ – #Gedenkstätte und fliegt raus – #holocaust #kaltland

Der ehemalige Berliner Grundschullehrer soll Jugendlichen gesagt haben, dass ihnen dort nur “Lügen erzählt werden”. Es gibt Pädagogen und Pädagoginnen, die sich eher vor einen Haufen schmutziger Wäsche stellen sollten als vor eine Schulklasse. Nikolai Nerling zum Beispiel. Der ehemalige Grundschullehrer flog im vergangenen Jahr aus seiner Schule in Berlin-Wedding, nachdem er mehrfach rechte Inhalte auf seinem YouTube-Kanal verbreitet hatte. Die Bildungsverwaltung warf dem 38-Jährigen Nähe zur Reichsbürgerbewegung vor und zeigte ihn wegen Volksverhetzung an. Nerling klagte gegen die Kündigung. Seinen Job bekam er trotzdem nicht zurück. Doch der selbsternannte “Volkslehrer” pöbelt weiter. Auch im ehemaligen KZ Dachau. Am Montag flog er deswegen aus der Gedenkstätte. Er bekam Hausverbot und eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs.
Das bestätigten ein Förderverein der Gedenkstätte und ein Sprecher der Polizei Ingolstadt gegenüber VICE. Eine Mitarbeiterin der Gedenkstätte habe ihn zuvor “als rechtsextrem” (das Jüdische Forum gegen Antisemitismus stuft Nerling als “rechtsextremen Aktivisten” ein) erkannt und dazu aufgefordert, das Gelände verlassen, so der Polizeisprecher. Nerling hatte das ehemalige KZ gemeinsam mit einer anderen Person betreten und eine Kamera dabei. (…) Auch als die Frau sagte, ihr Großvater sei selbst im KZ gewesen, hörte Nerling offenbar nicht auf. “Da habe es der Opa ja nicht so schlecht gehabt, dass er überlebt habe”, zitiert ihn der Förderverein. “[Der Großvater] habe wohl schöne Geschichten erzählen können.” Dann habe Nerling den ebenfalls anwesenden Jugendliche gesagt, an der Gedenkstätte würden “nur Lügen erzählt”. Besucherinnen, die ihm widersprachen, habe er beleidigt: “Als eine Schülerin lautstark protestierte, antwortete er, sie solle sich nicht so aufregen”, heißt es bei Facebook, “sie habe wohl ihren Tampon vergessen.”
Nerling hat nach dem Rauswurf eine Gedenkstätten-Mitarbeiterin wegen Beleidigung angezeigt Die Gedenkstätte hatte Nerling und seinen Begleiter bereits vom Gelände verwiesen, als die Dachauer Polizei eintraf. “Die Polizisten haben die Männer in einem Bus angetroffen”, erklärt ein Polizeisprecher am Donnerstag gegenüber VICE. Sie nahmen seine Personalien auf. Nerling soll sich über den Rauswurf beschwert haben. “Der Mann fühlte sich von den Mitarbeitern der Gedenkstätte beleidigt”, so der Polizeisprecher. Nerling hat Anzeige wegen Beleidigung und Nötigung gegen eine Mitarbeiterin erstattet. Gabriele Hammermann, die Leiterin der KZ-Gedenkstätte, teilte am Mittwoch mit: “Gerade in Zeiten des zunehmenden Nationalismus und des Erstarkens rechtsradikaler Gruppierungen und Parteien muss die Würde dieses historischen Ortes geschützt werden.”

via vice: Rechtsextremer “Volkslehrer” pöbelt in KZ-Gedenkstätte und fliegt raus

siehe auch: Rechtsradikaler Aktivist provoziert in KZ-Gedenkstätte. Der selbsternannte “Volkslehrer” Nikolai Nerling aus Berlin kam samt Kamera in die KZ-Gedenkstätte Dachau, um “gegen den Schuldkult” zu filmen. Eine Referentin erkannte den bekannten Rechtsradikalen. Mitarbeiter verwiesen ihn daraufhin des Geländes, riefen die Polizei und zeigten ihn wegen Hausfriedensbruchs an. Die KZ-Gedenkstätte Dachau hat erfolgreich eine Provokation aus der rechtsradikalen Szene abgewehrt: Der selbsternannte “Volkslehrer” Nikolai Nerling aus Berlin, eine bekannte Größe in der Szene, hatte in Begleitung eines weiteren Mannes und ausgestattet mit einer Kamera das Gelände betreten, um ein Video zu drehen. Gedenkstättenmitarbeiter verwiesen ihn des Geländes, riefen die Polizei, zeigten ihn wegen Hausfriedensbruchs an und erteilten ihm Hausverbot.
Gleichwohl postete er danach auf Youtube ein Video, aufgenommen außerhalb des Geländes, in dem er dazu aufruft, Gedenkorte der Schoa zu besuchen und dort “gegen den Schuldkult” zu filmen, so Rias, die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus.
Politischer Rechtsruck beschäftigt Besucher von KZ-Gedenkstätten Immer mehr Menschen besichtigen deutsche Tatorte von Nazi-Verbrechen – 2018 mehr als 2,5 Millionen. Was die Besucher verstärkt interessiert, sind Parallelen zwischen NS-Zeit und aktuellen politischen Entwicklungen.   Mittlerweile häufen sich derartige Vorfälle, begünstigt nicht zuletzt durch die Änderung des politischen Klimas in Deutschland. Etwa durch AfD-Vertreter, die eine Wende in der Erinnerungspolitik um 180 Grad fordern oder die Zeit der Hitlerdiktatur als “Vogelschiss” in der “ruhmreichen” Geschichte Deutschlands herunterspielen. In der Gedenkstätte Sachsenhausen verharmloste eine AfD-Besuchergruppe aus dem Wahlkreis von deren Fraktionschefin Alice Weidel vom Bodensee im Juli 2018 die NS-Verbrechen.

Nach Überfall auf „Kameraden“ – Nazis setzen Kopfgeld aus – #münter #SS #

Der früheren SS-Mann Karl Münter wurde in seiner Wohnung überfallen. Nun lobt die rechtsextreme Szene eine Belohnung für Hinweise auf die Täter aus. 4.000 Euro Belohnung für sachdienliche Hinweise: Nach einem Überfall auf den früheren SS-Mann und heutigen NPD-Anhänger Karl Münter im niedersächsischen Nordstemmen hat die rechtsextreme Szene eine Prämie ausgelobt. „Wir werten diesen Überfall als versuchten Mord und werden alle unsere Recherchemöglichkeiten aufbieten, um die entmenschten Täter ihrer gerechten Strafe zuzuführen“, schreibt der NPD Kreisverband Eichsfeld. Der „Kameradschaftsverbund Südniedersachen / Dreiländereck / NPD Eichsfeld“ und die NPD Bayern bieten die Summe unter dem Rubrum „Rattenfangprämie“ an. In dem Aufruf, der auch in Reichsbürger-Kreisen verbreitet wird, geht die NPD davon aus, dass ihr Parteimitglied am vergangenen Donnerstag „höchstwahrscheinlich von zwei Banditen der Antifa“ in seiner Wohnung nahe Hannover überfallen worden ist. „Odin sein Dank“ sei ihr „Kamerad“ nur leicht verletzt worden. Einzelne Andenken aus dem Zweiten Weltkrieg, persönliche Unterlagen und etwa 800 Euro seien entwendet worden. Den Überfall hat Münter dem NDR bestätigt. Der 96-Jährige sagte, am 31. Januar hätten sich zwei Personen als Postboten ausgegeben und seien so in seine Wohnung gekommen. Dort hätten sie ihn dann an Küchenmöbel gefesselt. Er sei dabei leicht am Arm verletzt worden. (…) In der rechtsextremen Szene ist der kleine Mann eine Größe – ein Zeitzeuge, der im Nationalsozialismus mordete und sich bis heute nicht schuldig fühlt. In der Nacht vom 1. auf den 2. April 1944 war der damalige SS-Unterscharführer der 12. SS-Panzerdivision „Hitlerjugend“ an einem Massaker bet (…) Die SS-Männer stürmten zunächst in die Häuser des nordfranzösischen Dorfes, erschossen gleich sechzehn Personen und nahmen weitere fest. Die Gefangenen mussten an den Gleisen langgehen. Siebzig von ihnen tötete die SS auf dem Fußmarsch.eiligt, eine Vergeltungsmaßnahme der SS.

via taz: Nach Überfall auf „Kameraden“ – Nazis setzen Kopfgeld aus

This Holocaust Survivor Had No Family. So 150 Strangers Attended His Funeral

Eddie Ford, a Canadian Holocaust survivor, had virtually no family left to attend his funeral. So a local rabbi made a plea on Facebook. A rabbi in Toronto thought no one would show up in -11 degree weather for the funeral of a Holocaust survivor with virtually no family. At 11 P.M. on the night before the noon funeral of Eddie Ford on January 31st, Rabbi Zale Newman posted the request for members of the Jewish community to attend the funeral. “Won’t take long but please dress warmly,” he wrote. Ford had survived the Holocaust by being hidden with a Christian family.
Newman met him seven months ago, when the 85-year-old from Budapest was hospitalized with cancer that had spread throughout his body. Newman visited weekly before Shabbat and prior to Jewish holidays, writing in his post that Ford would recall his time as a young member of the choir in the Dohany Street Great Synagogue of Budapest. He could only remember the tunes to the Shema sung when the Torah was taken out and some lines of the Aleinu prayer.
Ford renewed his interest in Judaism while hospitalized, and one of his last requests, Ynet reported, was to have a Jewish funeral. In response to the Facebook post, Newman wrote in a follow-up, three people responded that they would attend. So when he arrived at the Pardes Chaim Cemetery in north Toronto, he assumed that the long line of cars waiting to get in to the parking lot was for another funeral. Newman soon learned that his Facebook post had been shared multiple times and that the crowd was there for Ford’s funeral. “I had to park far away and walk in the freezing wind to join an estimated 150 people in a huge, warm circle of love, as we gave Eddie a sweet, proper, fitting, loving send off to the Next World,” Newman wrote.

via haaretz: This Holocaust Survivor Had No Family. So 150 Strangers Attended His Funeral

Zeit des Nationalsozialismus – Karnevalist Karl Küpper riskierte sein Leben

Ein Karnevalist, der in der Zeit des Nationalsozialismus sein Leben riskierte – das war Karl Küpper. Etwa mit ausgestrecktem Arm wie beim Hitlergruß in der „Bütt“ und der scheinbar naiven Frage in bester Kölner Mundart „Es et am rähne?“ (Ist es am Regnen?) begeisterte er sein Publikum. Denn alle wussten, was damit gemeint war. Er war einer der wenigen Büttenredner, der in den 1930er Jahren so offen seine Ablehnung des Naziregimes zeigte. Dafür wurde er mehrmals verhaftet, misshandelt und schließlich von ihnen mit einem „lebenslangen Redeverbot“ belegt. Auch nach Ende des Zweiten Weltkriegs hatte der Kölner es nicht leicht: Die ehemaligen NS-Größen versuchten weiterhin, ihn mundtot zu machen. Heute gilt Küpper nicht nur vielen seiner Kollegen als Held. Das und einiges mehr erzählt die Dokumentation „Karneval mit Haltung Die unbequemen Jecken“, die das WDR Fernsehen am Freitag (8. Februar) um 20.15 Uhr zeigt

via rundschau online: Zeit des Nationalsozialismus Karnevalist Karl Küpper riskierte sein Leben

Grabstätte Familie Karl Küpper, Melaten-Friedhof, Köln.jpg
Von © [email protected] / Cc-by-sa-4.0, CC BY-SA 4.0, Link

“Irgendwann muss doch mal Schluss sein” – Erinnerung an Roßdorfer #Synagoge nicht von allen erwünscht – #kaltland #schauhin #antisemitismus

In Roßdorf bei Darmstadt stand einmal eine Synagoge. Daran erinnert seit Kurzem ein kleiner Hinweis am Straßenschild, der bei einigen Anwohnern auf massiven Widerstand traf: Antisemitismus oder nur ein Kommunikationsproblem? Engelbert Jennewein freut sich über das kleine blaue Schild, das nun unterhalb des Straßennamens der Darmstädter Straße im Ortskern in Roßdorf hängt. “Wenn die Leute hier an der roten Ampel halten müssen, dann können alle gut sehen, dass hier mal eine Synagoge gestanden hat. Das gehört einfach zur Roßdorfer Geschichte.”Früher Synagoge, heute Mehrfamilienhaus Das Gotteshaus selbst gibt es allerdings schon lange nicht mehr. 1938, noch vor der Pogromnacht, war die Synagoge verkauft und entwidmet worden. Die jüdische Gemeinde hatte damals bereits nur noch sieben Mitglieder.
Eine kleine Gedenktafel an der Fassade des Wohnhauses erinnert an seine Geschichte – und nun zusätzlich der Hinweis am Eingang der schmalen Sackgasse. Darüber hatte auch das “Darmstädter Echo” berichtet.
Jennewein beschäftigt sich viel mit Heimatgeschichte, ist aktiv im Kulturhistorischen Verein in Roßdorf. Die Idee, auf die ehemalige Synagoge hinzuweisen, hatte der Kulturverein schon länger. Jennewein nahm Kontakt zu den Anwohnern der Darmstädter Straße auf, sammelte Spenden. “Ich habe gefragt, ob die Leute damit einverstanden sind, dass wir den Hinweis “Jurregässje” (“Judengasse” im Roßdorfer Dialekt) anbringen. Die Reaktion der Anwohner hat mich tief getroffen.” Womit Jennewein nämlich nicht gerechnet hatte: Einige sprachen sich dagegen aus. “Eine Frau mittleren Alters hat zu mir gesagt: ‘Ich will das nicht. Ich kann Juden nicht leiden. Die haben mich betrogen.’ Ein anderer meinte: ‘Würden Sie in einer Judengasse wohnen wollen?’ Und hat dann die Tür zugemacht.”

via hessenschau: “Irgendwann muss doch mal Schluss sein” Erinnerung an Roßdorfer Synagoge nicht von allen erwünscht

AfD-„Arbeitnehmer“ in der Krise

Unter den drei Gruppen, die von sich behaupten, Arbeitnehmerinteressen in der AfD zu vertreten, ist sie die kleinste: Nun steckt AidA offenbar tief in der Krise. Ihr Vorsitzender ist der AidA mittlerweile wohl abhandengekommen. Nicht mehr zu sehen sind auch – bis auf ein paar formale Angaben – sämtliche Inhalte der Homepage; seit Wochen befindet sich die Seite in einem „Wartungsmodus“. Einer der AidA-Funktionäre hat im heimischen Zwickau die Fraktion der eigenen Partei verlassen. Gegen einen anderen Funktionsträger läuft ein Parteiausschlussverfahren. Inzwischen ist nicht einmal mehr klar, wofür die Abkürzung AidA überhaupt steht. Gegründet wurde die Gruppe schon Anfang 2014 unter dem Label „Arbeitnehmer in der AfD“. Doch diese Bezeichnung ist inzwischen verschwunden. Auf der Facebook-Seite von AidA ist stattdessen wahlweise von einer „Alternativen Interessenvertretung der Arbeitnehmer“ und von „Arbeitnehmern in der Alternative“ die Rede. Sprecher nicht mehr im Amt? Nebulös wie der Wechsel des Namens blieb auch die Entwicklung an der Spitze des Vereins. Bundessprecher Christian Waldheim scheint nicht mehr im Amt zu sein. Im Impressum der AiDA-Internetseite wird er nicht mehr genannt. Als sich der 45-jährige Norderstedter Mitte Januar – mit Erfolg – für den aussichtslosen Platz 24 auf der AfD-Kandidatenliste zur Europawahl bewarb, listete er in seiner Rede zwar penibel Parteifunktionen, kommunale Mandate und sogar seine Tätigkeit als ehrenamtlicher Richter am Sozialgericht in Hamburg auf, seine Arbeit für AidA erwähnte er jedoch mit keinem Wort. Auch auf seiner Facebook-Seite hat sich seine persönliche Perspektive verschoben: Dort präsentiert sich der gelernte Versicherungskaufmann und Betriebswirt nun nicht mehr als Vertreter von Arbeitnehmern in der AfD, sondern als Unternehmer. (…) Verloren gehen könnte der AfD hingegen ein anderes AidA-Mitglied. Auch der Göttinger Rechtsausleger Lars Steinke war bei den „Arbeitnehmern in der AfD“ aktiv geworden und immerhin zum Kassenprüfer gewählt worden. Gegen ihn läuft seit August wegen rechtsradikaler Äußerungen ein Parteiausschlussverfahren. Bremsen kann ihn das aber offenbar nicht. Als die KZ-Gedenkstätte Buchenwald Ende Januar zu einer Kranzniederlegung in Erinnerung an die Holocaust-Opfer ein- und AfD-Politiker von der Veranstaltung auslud, notierte Steinke auf seiner Facebook-Seite: Er würde „nie jemandem raten, an einem solch würdelosen Andenkensmissbrauch teilzunehmen“. Steinke weiter: „Das Ziel dieser Veranstaltungen ist nämlich nicht, würdig den Toten zu gedenken, sondern eine suizidale Selbstgeißelung namens Schuldkult einem ganzen Volk weiter aufzudrücken.“

via bnr: AfD-„Arbeitnehmer“ in der Krise

Wie das Fürther Rathaus einem NS-Verbrecher half

Oberbürgermeister Bornkessel und Scherzer schickten ihrem Vorgänger Geld. Die Nazis machten Franz Jakob 1933 zum Fürther Oberbürgermeister, unter seinen Augen wurde 1938 die Synagoge angezündet – und dennoch ließ die Stadt Fürth Jakob in der Nachkriegszeit regelmäßig Geld zukommen, zu Ostern, zu Weihnachten und zur Kirchweih. Bis in die 70er Jahre profitierte dann seine Witwe von den Zahlungen. Das belegen Akten, die im Stadtarchiv aufgetaucht sind. Die Mappe trägt den unaufgeregten Namen “Unterstützungen H-J”, doch sie hat es – im Wortsinn – in sich. Auf den ersten Blick sieht man städtische Korrespondenz mit Menschen, denen das Rathaus in der Nachkriegszeit einmal oder auch häufiger mit Geld ausgeholfen hat. Der zweite Blick offenbart einen Namen mit Sprengkraft unter den Empfängern: Franz Jakob, Nationalsozialist und Oberbürgermeister der Stadt Fürth von 1933 bis 1939. Die Akten belegen, dass Fürths damaliger Rathauschef Hans Bornkessel (SPD) ab 1959 mindestens dreimal im Jahr Briefe mit Geld an Jakob, der inzwischen in Gaimersheim bei Ingolstadt lebte, schicken ließ. Dabei überging der Sozialdemokrat offenbar auch den Fürther Stadtrat, der sich dagegen ausgesprochen hatte, Jakob zu unterstützen.

via nordbayern: Wie das Fürther Rathaus einem NS-Verbrecher half

NS-Artikel in Sachsen erschienen – Nazis? Die kommen nicht von hier

In Rosenthal-Bielatal wird im Gemeindeblatt ein NS-Artikel nachgedruckt. Unkommentiert. Für den Bürgermeister offenbar kein Problem. Auf einmal ist Sachsen, ist Deutschland zu Ende. Die Straße durchs Bielatal bricht ab. Die vereinsamten Mühlen am Bach lassen vermuten, dass es in diesem Winkel der Sächsischen Schweiz einmal geschäftiger zugegangen ist. Links oberhalb der Straße liegt der Ortsteil Rosenthal, rechts davon der Ortsteil Bielatal – beide Dörfer bilden eine Gemeinde. Die Straße mündet in einen Parkplatz, der den Touristen als Ausgangspunkt ihrer Wanderungen und Klettertouren dient. Heute ist niemand gekommen, um die Herkulesfelsen zu erklimmen, die spitz wie Zapfen in die Höhe ragen. Eine verwunschene Landschaft. Nur drei bis vier Kilometer sind es bis Tschechien, ein kleiner Spaziergang. Manchen genügt auch der Blick ins Nachbarland von einem Felsplateau aus, das sich kurz vor der Grenze erhebt. Vor und nach der NS-Zeit hieß das Plateau Grenzplatte, die Nationalsozialisten tauften es in „Siegerplatte“ um. Auf der „Siegerplatte“ stand 1938 eine Fahnenstange mit einer großen Hakenkreuzflagge. Seit August 2018 ist diese Fahnenstange den älteren Menschen von Rosenthal-Bielatal wieder ins Bewusstsein gerückt, den jüngeren überhaupt erst bekannt geworden. Ein Artikel im Dorfblatt, der amtlichen Gemeindezeitschrift, berichtete vom „Grenzlandsingen“, das als Sonnenwendfeier im Juni 1938 auf der „Siegerplatte“ stattfand. Der Text war ein Nachdruck aus der NSDAP-Zeitung Der Freiheitskampf. „Voller Sehnsucht und Hoffnung“, heißt es dort, blickten die „sudetendeutschen Brüder“ aus der tschechischen Stadt Eiland, dem heutigen Ostrov, auf die deutsche Seite der Grenze. Als die Hakenkreuzfahne im „hellen Fackelschein“ leuchtete, stimmte die Ortsgruppe der Hitlerjugend das „treue deutsche Herz“ an. Am Ende der Veranstaltung grüßten „die Deutschen beiderseits spontan ihren ‚Führer‘ – die Sudetendeutschen freilich dürfen es nur mit dem Herzen.“
„Nazi-Propaganda im Amtsblatt“ Ausgewählt für das Gemeindeblatt hat den Text der Ortschronist Hans-Georg Hering. Ein älterer Herr, der mehrfach am Telefon eine Antwort verwehrt und auch auf Türklopfen nicht reagiert. Für den Inhalt des Dorfblatts verantwortlich ist der Bürgermeister Gebhard Moritz. Er immerhin empfängt den Besucher, wenn auch unwirsch, da er auf die Presse „nicht gut zu sprechen ist“. Die Sächsische Zeitung hatte ihn für die Veröffentlichung unter der Überschrift „Nazi-Propaganda im Amtsblatt“ kritisiert. Aus fachlicher Sicht sei nicht vertretbar, Zitate aus einem Propagandatext ohne erklärenden Kommentar zu drucken, hieß es in der SZ.

via taz: NS-Artikel in Sachsen erschienen – Nazis? Die kommen nicht von hier

Überfall auf 96-jährigen Ex-SS-Mann

Der ehemalige SS-Mann Karl M., über den das ARD-Politikmagazin “Panorama” kürzlich berichtet hatte, ist am Donnerstag (31. Januar) offenbar in seiner Wohnung in Nordstemmen südlich von Hannover überfallen und beraubt worden. Das bestätigte M. am Freitag gegenüber dem NDR telefonisch. Der verurteilte NS-Kriegsverbrecher hatte im vergangenen November “Panorama”-Reportern ein Interview gegeben und darin ein Massaker in Frankreich im Jahr 1944, an dem er beteiligt war, gerechtfertigt sowie den Holocaust relativiert. Die Polizei in Sarstedt (Landkreis Hildesheim) bestätigte lediglich, dass es gestern einen Überfall in Nordstemmen gegeben habe. Die zuständige Staatsanwaltschaft in Hildesheim war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.
Ob der Überfall einen kriminellen oder politischen Hintergrund hat, ist offen

via ndr: Überfall auf 96-jährigen Ex-SS-Mann

Titel: «Der Auschwitz-Mythos» – Nazi-Buch war bei Orell Füssli im Verkauf

Vergangenen Sonntag jährte sich die Befreiung des Konzentra­tionslagers Auschwitz zum 74. Mal. Als die Rote Armee auf ihrem Vorstoss gegen Westen das KZ in Polen erreichte, hatten die nationalsozialistischen Henker dort mehr als eine Million Menschen ermordet. Die meisten Opfer waren Juden. Allen Augenzeugenberichten und aller historischer Forschung zum Trotz: Am ganz rechten Rand, unter Neonazis und Verschwörungstheo­retikern, zirkulieren bis heute krude «Thesen», die die Schrecken von Auschwitz leugnen und den Holocaust mit seinen sechs Millionen Opfern bestreiten. Die Schriften, auf die sich die Rechtsextremen stützen, haben mit seriöser Geschichtswissenschaft freilich nichts zu tun. Man müsste diesen dumpfen Beleidigungen der Opfer keine Beachtung schenken – würden nicht auch seriöse Plattformen diese vertreiben. So geschehen in der letzten Woche: Auf orellfüssli.ch und weltbild.ch wurde das E-Book «Der Auschwitz-Mythos» zum Verkauf angeboten. Schon der Artikelbeschrieb lässt tief blicken: Die Nürnberger Prozesse gegen die ­Nazi-Kriegsverbrecher sind für den Verfasser nichts als «alliierte Siegerjustiz».
Die deutschen Behörden beschlagnahmten das Buch kurz nach seinem Erscheinen 1979.
Geschrieben hat es der Deutsche Wilhelm Stäglich (1916–2006), ein langjähriges Mitglied der NPD. Die Schweizer Anbieter haben Stäglichs Machwerk, das ansonsten auf einschlägigen Internetplattformen zirkuliert, inzwischen aus ihren Katalogen gestrichen. Orell Füssli hat es «übersehen» «Das Buch war seit 2017 in unserem Onlineshop, ohne dass jedoch Verkäufe getätigt worden sind», sagt ­Orell-Füssli-Sprecher Alfredo Schilirò. «Trotz sorg­fältiger und regelmässiger stichwortartiger manueller Prüfung» der rund elf Mil­lionen online verfügbaren Titel sei der Text übersehen worden, bedauert er. Nachdem ein Hinweis der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA) eingegangen sei, «haben wir den Titel danach unverzüglich aus unserem Onlineshop entfernt».

via blick: Titel: «Der Auschwitz-Mythos» – Nazi-Buch war bei Orell Füssli im Verkauf