Desinformation und Diskreditierung – Wie rechte Netzwerke die Bayernwahl beeinflussen wollten

Rechte und rechtsextreme Gruppen aus dem In- und Ausland haben gemeinsam versucht, die Landtagswahl in Bayern zugunsten der AfD zu beeinflussen. Eine neue Studie nennt ihre Taktiken und Treffpunkte. (…) Dass es dabei nicht immer nur um Russlands Trolle und Geheimdienste gehen sollte, zeigt eine Studie des auf Extremismusforschung spezialisierten Institute for Strategic Dialogue (ISD) mit Sitz in London, die an diesem Freitag in München vorgestellt wird. “The Battle for Bavaria” lautet ihr plakativer Titel. Darin geht es um Onlinekampagnen rechter und rechtsextremer Gruppen im Vorfeld der bayerischen Landtagswahl im Oktober 2018. Die Ergebnisse lagen dem SPIEGEL vorab vor. Demnach kamen dabei dieselben Methoden zum Einsatz wie schon bei den landesweiten Wahlen in Frankreich, Deutschland und Italien in den Jahren 2017 und 2018. Ziel sei es dabei jeweils gewesen, die Wählerstimmung nach rechts zu verschieben – im Fall von Bayern vor allem zugunsten der Alternative für Deutschland (AfD). Die zentralen Ergebnisse der Studie:Es kamen verschiedene Taktiken zum Einsatz Laut der ISD-Analyse nutzen die rechten Aktivisten vor allem drei Mittel. Erstens versuchen sie den politischen “Gegner” zu diskreditieren. So wurde zum Beispiel in einem Forum gezielt nach Schmutz (“dirt”) zur Grünen-Spitzenkandidatin Katharina Schulze gesucht, den man teilen könne. An anderer Stelle wurden gefälschte Wahlplakate der Grünen und der SPD erstellt und verbreitet. (…) Dazu kamen gezielte Falschdarstellungen zu echten Ereignissen. (…) Zweites Mittel war das Streuen der eigenen Botschaft. So hätten bestimmte Accounts gezielt AfD-freundliche Hashtags wie #Merkelmussweg oder #AfDwirkt verbreitet, heißt es in der ISD-Studie.
Drittens wurde die Legitimität der Wahl angezweifelt. Eine Kampagne, so ISD, habe Zweifel gesät, ob Stimmen korrekt ausgezählt würden. Es gab daher einen Aufruf, sich als “Wahlbeobachter” zu registrieren – der sich allerdings gezielt nur an “Nicht-Juden” gerichtet habe. (…) Wer steckt hinter diesen Kampagnen? Jedenfalls kein Staat oder Geheimdienst, das ist die übergeordnete Erkenntnis. “Andere Staaten schienen nicht übermäßig entschlossen zu sein, sich in den bayerischen Wahlkampf einzumischen”, heißt es in der Studie, “nichtstaatliche Netzwerke internationaler rechtsextremer Aktivisten waren sehr viel aktiver”. Unter denen gebe es aber keine zentrale Steuerung oder stringente Organisation, sagt Julia Ebner, Mitautorin der ISD-Studie. “Es ist ein loses Netzwerk aus rechten Onlineaktivisten.” Das wiederum reicht über die deutschen Grenzen hinaus. So habe man auf Twitter starke Überlappungen gefunden zwischen Accounts, die sowohl für einen Hardcore-Brexit Stimmung gemacht haben, als auch vor den Parlamentswahlen in Deutschland und Schweden.

via spon: Desinformation und Diskreditierung Wie rechte Netzwerke die Bayernwahl beeinflussen wollten

siehe auch: The Battle for Bavaria: Online information campaigns in the 2018 Bavarian State Election. A combination of social media analysis, network mapping and investigative reporting carried out by ISD’s Digital Research Unit found that far-right conspiracy and misinformation networks used a suite of new and existing platforms to mobilise and coordinate election-related activities online and offline in the lead up to the Bavarian State elections in Germany in 2018. The report also revealed that new transnational far-right communities are emerging in Europe and were actively spreading disinformation in tandem with transatlantic allies during the Bavarian State election. Despite evidence of foreign state interference in previous elections, the report found little identifiable Russian state activity in the Bavarian elections.

Download

#AfD-Videoclip wird zum Reinfall – #lügenpartei #pinocchiopartei #fake

Mit einem Videoclip will die AfD Mecklenburg-Vorpommern Sympathisanten dazu bewegen, der Partei beizutreten. Wenig vorteilhaft für die AfD: Der Protagonist hat sich wenige Tage zuvor nicht nur aus AfD-Strukturen zurückgezogen, sondern stammt auch aus Brandenburg. Gut drei Monate vor der Kommunalwahl versucht die AfD Mecklenburg-Vorpommern, ihre Mitgliederzahl aufzustocken und so womöglich noch zusätzliche Kandidaten ins Rennen zu schicken. In einem am Freitag veröffentlichten Video wird für einen Parteibeitritt geworben: „Jetzt Mitglied werden! Mecklenburg-Vorpommern braucht Dich“, heißt es in dem rund anderthalb Minuten langen Videobeitrag. AfD-Abtrünniger soll für Parteibeitritt werben Nach einigen Luftaufnahmen hört man eine Frauenstimme: „Mecklenburg-Vorpommern ist meine Heimat. Mein ganzes Leben habe ich hier verbracht. Hier ging ich zur Schule, hier habe ich meinen Mann kennengelernt, hier haben wir ein eigenes Haus gebaut.“
Kurz danach wird ein Pärchen eingeblendet, das einen Kinderwagen vor sich her schiebt. Die gemeinsame Tochter und die sogenannte Flüchtlingskrise seien der Grund gewesen, aus dem die beiden Personen sich entschlossen hätten, der AfD beizutreten. Das Brisante an dem Video: Fast nichts daran ist wahr. Bei dem Mann handelt es sich um Jean-Pascal Hohm, umtriebiger Aktivist, der mit seinen 21 Jahren bereits etliche rechte Strukturen durchlaufen hat. Hohm war für die Identitäre Bewegung aktiv, Praktikant beim neurechten Netzwerk „Ein Prozent“, sein Geldgeber war bis zuletzt die AfD. Ende Januar zog sich der Student jedoch abrupt aus der AfD zurück. Kurz zuvor war sein Name mehrfach im Gutachten des Verfassungsschutzes aufgetaucht. Und ein Foto wurde publik, das Hohm mit einem führenden Aktivisten der neofaschistischen italienischen Gruppe Casa Pound zeigt. Seitdem ist er von der Bildfläche verschwunden. Parteimitglieder reagieren mit Häme Auch die Frau an seiner Seite scheint keinesfalls seine Ehefrau zu sein. Bei der 21-Jährigen handelt es sich um Sinja G., Tochter eines ehemaligen NPD-Funktionärs, die in etwa für die „120 Dezibel“-Kampagne der Identitären Bewegung aktiv war. G. ist zwar in der Tat liiert – allerdings mit einem anderen Mann. Und auch eine Tochter – wie im Video behauptet – scheint es nicht zu geben. Abgesehen davon scheinen die beiden Protagonisten auch keine Verbindung nach Mecklenburg-Vorpommern zu haben, geschweige denn „ein eigenes Haus gebaut“. Die rechten Aktivisten stammen aus dem südlichen Brandenburg, der ehemalige AfD-Funktionär studiert in Cottbus.

via endstation rechts: AfD-Videoclip wird zum Reinfall

#Strache lädt zu Podium mit Gast, der “starke #Identitäre” will – #noIB

Geplante Veranstaltung des Vizekanzlers zu “Muslimischem Antisemitismus” sorgt für Kritik der Opposition. Mit der rechtsextremen Identitären Bewegung will Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) nichts zu schaffen haben. Das wollte er zumindest in einem Prozess gegen den Politikberater Rudi Fußi klarstellen, der ein Foto von Strache und Identitären unter dem Kommentar “Gemütliches Beisammensein” gepostet hatte – Strache zog die Klage zurück. Zu einem solchen gemütlichen Beisammensein könnte es kommenden Mittwoch im Kursalon Hübner im Wiener Stadtpark kommen – zwar nicht mit Kadern der Identitären selbst, wohl aber mit Persönlichkeiten, die viele Berührungspunkte mit ihnen aufweisen – und diese offen unterstützen. So lud Strache zu einer Diskussion über “Islamischen Antisemitismus”, an der etwa der Politikwissenschafter Michael Ley teilnehmen wird. Ley wurde einst für die Webseite der Identitären Bewegung von deren Co-Chef Martin Sellner interviewt, außerdem publizierte er im Verlag Antaios gemeinsam mit anderen Vordenkern der Neuen Rechten, zu der auch die Identitären zählen. 2016 sagte Ley, es sei ” wichtig, dass die Identitären stärker werden”.
Auch auf dem Podium ist Laila Mirzo, die – genau wie Ley – Gastbeiträge für die rechtsextreme Zeitschrift Info-Direkt beisteuerte, in der regelmäßig Identitäre zu Wort kommen oder selbst als Autoren tätig sind. Sie äußerte öffentlich ihre Sympathie für Identitären-Mitgründer Martin Sellner.
Weitere Teilnehmer sind der Publizist Birol Kilic, Obmann der türkischen Kulturgemeinde in Österreich, sowie der deutsche Autor und Kolumnist Henryk M. Broder, der zuletzt mit einem Auftritt bei der AfD – samt Umarmung von AfD-Chefin Alice Weidel – für Aufsehen gesorgt hat. Die Moderation übernimmt Presse-Chefredakteur Rainer Nowak.
“Sport oder Öffentlicher Dienst?” Die Liste-Jetzt-Abgeordnete Alma Zadic will nun wissen, was die Veranstaltung mit Straches Ministerium zu tun hat.

via standard: Strache lädt zu Podium mit Gast, der “starke Identitäre” will

Heinz-Christian Strache 2009 edited.jpg
Von Manfred Werner – TsuiEigenes Werk, Gemeinfrei, Link

Identitäre Bewegung Rechtsextreme kapern Werbeflächen in Berlin

Aktivisten der rechtsextremen “Identitären Bewegung” haben Plakatwände der Wall AG in Berlin gekapert. Sie tauschten an mehreren Standorten die vorhandene Werbung mit eigenen Postern aus. Darauf warnt die vom Verfassungsschutz beobachtete Bewegung unter anderem vor einer vemeintlichen Überfremdung. Die Aktion wurde nach Angaben der Identitären Bewegung auch in anderen deutschen Großstädten durchgeführt. Wie viele Plakatwände in Berlin betroffen sind, war zunächst unklar. Die Polizei Berlin teilte mit, ein Zeuge habe am Samstagmorgen beobachtet, wie sechs junge Männer eine Werbetafel eines Bus-Wartehauses am U-Bahnhof Schlesisches Tor öffneten und die Plakate austauschten. Die Täter flüchteten in Richtung S-Bahnhof Warschauer Straße. Der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt übernahm die weiteren Ermittlungen.Wall lässt Plakate entfernen Die Firma Wall schloss auf Nachfrage von rbb|24 aus, der Identitären Bewegung die Werbeflächen vermietet zu haben: Man hätte solche Anfragen auf jeden Fall abgewiesen, sagte Wall-Sprecherin Frauke Bank dem rbb. Das Unternehmen prüfe nun rechtliche Schritte. Zudem seien Mitarbeiter von Wall umgehend beauftragt worden, die Plakate zu entfernen.

via rbb24: Identitäre Bewegung Rechtsextreme kapern Werbeflächen in Berlin

Aufklärung des rechten Angriffs auf linkes Zentrum gefordert – #agd #noIB

Weirauch schaltet Landtag ein – War auch Identitäre Bewegung im Spiel? Nach dem Angriff auf das linke Zentrum “Ewwe longt’s” im Stadtteil Neckarstadt hat der Mannheimer SPD-Abgeordnete Boris Weirauch im Innenausschuss des Landtags eine gründliche Aufklärung des Überfalls beantragt: “Ich betrachte das als Einschüchterungsversuch, der, wenn er auch fehlgeschlagen ist, seine Wirkung entfachen sollte.” Mitglieder der AfD-Jugendorganisation “Junge Alternative” hatten am 19. Januar die Eröffnung gestört, Pfefferspray versprüht und Bengalos gezündet.
Weirauch möchte von Innenminister Strobl wissen, ob auch die Identitäre Bewegung ihre Finger im Spiel hatte. “Es muss untersucht werden, ob die Junge Alternative und die Identitäre Bewegung (IB) sich weiter untereinander vernetzt haben und welche Rolle der AfD-Kreisverband Mannheim dabei spielt.”

via rnz: Aufklärung des rechten Angriffs auf linkes Zentrum gefordert

siehe auch: Angriff der Identitären Bewegung auf Eröffnungsfeier des „Ewwe longt’s“ – Funktionär der #AfD-Jugend mit dabei [mit Video] – #noIB – [update] Die Vorbereitungen waren abgeschlossen, rund 30 junge Menschen rückten noch einmal die Tische zurecht und warteten auf die ersten Gäste. Am Samstag, 19. Januar sollte die Eröffnungsfeier des „Ewwe longt’s – Linkes Zentrum Mannheim“ um 14 Uhr in der Kobellstraße beginnen. Die ersten Gäste waren bereits vor Ort, darunter auch einige Kinder. Doch plötzlich liefen rund 15 junge Menschen in den Laden, viele mit schwarzen Regenjacken und Kapuzen, die offenbar nicht zum feiern kamen. Unter den Personen, darunter eine Frau, waren einige bekannte Gesichter. Bei der Störung einer Kundgebung für Seenotrettung in Heidelberg hatte eine ähnlich zusammengesetzte Gruppe für Tumulte gesorgt. Unter dem Label „Identitäre Bewegung“ (IB) erregen Personen aus diesem Spektrum immer wieder Aufsehen. Mit dabei: Leon Stockmann, Mitglied im Landesvorstand der AfD-Nachwuchsorganisation „Junge Alternative“.

An den Unis wüten Rechtsextreme – #schauhin #pack #noIB #mob

Angriffe auf Linke an Hochschulen nahmen in den vergangenen Monaten deutlich zu. Die Wahlen zum Studierendenparlament (StuPa) der Humboldt-Universität (HU) sind in der Regel kein Anlass für erregte Gemüter. Die meisten Studierenden interessieren sich nicht dafür, da der Einfluss des Parlaments ohnehin begrenzt ist. An den Berliner Hochschulen konkurrieren vor allem linke Gruppen auf den Wahllisten miteinander. Rechtsextremisten sind bisher in den Universitätsparlamenten kaum in Erscheinung getreten. Doch das ändert sich. Vor kurzem gründete sich die »Campus Alternative Berlin« als Hochschulgruppe der »Jungen Alternativen« (JA), der Jugendorganisation der AfD, an den Berliner Universitäten. Seitdem, so erzählen es linke Studierende, seien die Rechten aktiver geworden. Besonders im Fokus scheint die Hochschulgruppe »International Youth and Students for social equality« (IYSSE – Internationale Jugend und Studierende für soziale Gleichheit) zu stehen. Bereits mehrfach störten rechte Studierende Veranstaltungen dieser linken Gruppe. So auch vor einigen Wochen, als 25 Personen einen Vortrag über die sogenannte Neue Rechte und rechte Professoren durch lautstarke Zwischenrufe unterbrachen. Auf Fotos konnten die Störer*innen als Angehörige der JA und der sogenannten Identitären Bewegung (IB) identifiziert werden. Wenig später tauchte ein Video von der Veranstaltung im Internet auf. Am vergangenen Mittwoch kam es dann zu einer noch größeren Konfrontation.

via nd: An den Unis wüten Rechtsextreme

Geleakte Daten von Politikern und Prominenten – Spuren führen in die rechte Internetszene

Johannes S. soll etwa tausend Politiker und Prominente im Netz bloßgestellt haben. Der Schüler sagt, er habe aus Ärger über die Betreffenden gehandelt. Doch SPIEGEL-Recherchen zeigen, dass hinter dem Daten-Leak mehr stecken könnte. Es dauerte nur wenige Tage, da konnte das Bundeskriminalamt einen mutmaßlichen Täter präsentieren: Johannes S., ein 20-jähriger Schüler aus Hessen, steht im Verdacht, im Dezember etwa tausend Politiker und Prominente im Internet bloßgestellt zu haben. Er veröffentlichte demnach Handynummern und Privatadressen, zum Teil auch intime Chats, E-Mails, Fotos, Passkopien und Bankkontodaten. Doxing nennt sich dieses Vorgehen. Die Ermittler vermochten in ersten Einschätzungen “kein dominantes politisches Motiv” hinter dem Treiben desjenigen zu erkennen, der sich im Netz “0rbit” und “G0d” nannte und aus seinem Jugendzimmer heraus zugeschlagen haben soll. Doch SPIEGEL-Recherchen zeigen, dass die Tat politischer gewesen sein könnte, als zunächst vermutet wurde. Zu ähnlichen Erkenntnissen ist auch die “Badische Zeitung” gekommen. Johannes S. bewegte sich, dafür sprechen viele Indizien, in einer rechten bis rechtsextremen Subkultur im Netz. Einflussreiche YouTuber prägen dort mit menschenverachtenden Propagandavideos das Weltbild junger Menschen.
Einer dieser Kanäle ist “Die Vulgäre Analyse”. Die dort hochgeladenen Videos zeigen zum Beispiel, wie ein Koran verbrannt und darauf Schweinefleisch gegrillt oder wie auf ihn uriniert wird. (…) Nach SPIEGEL-Informationen steckt hinter dem Hetzkanal offenbar ein junger Musiker aus Nordrhein-Westfalen, gegen den in der Vergangenheit bereits wegen Beleidigung und Körperverletzung ermittelt wurde. Auch wenn die Fahnder nach wie vor keine Mittäter von Johannes S. ausmachen können, muss man die Frage stellen, ob es Ideengeber gab oder Hetzer, Mentoren im Hintergrund. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart und der Staatsschutz ermitteln inzwischen wegen der “Vulgären Analyse”, es geht unter anderem um Volksverhetzung. Auch der Verfassungsschutz ist auf die Videos aufmerksam geworden.

via spon: Geleakte Daten von Politikern und Prominenten – Spuren führen in die rechte Internetszene

siehe auch: “Minecraft” und rechte Youtuber: So tickt die Szene hinter dem Datenleak. Was hat den 20-Jährigen angetrieben, der persönliche Daten von hunderten Politikern und Prominenten im Netz veröffentlicht hat? Wer sich ihm nähert, landet in einer eigentümlichen Welt. (…) Wer Antworten sucht, muss nun anderswo beginnen. Die Spur führt etwa in Hackerforen und Internetchats mit Kennern einer Szene, in der sich 0rbit seit Jahren bewegt haben soll. Die wenigsten von ihnen sind damit an die Öffentlichkeit gegangen oder zur Polizei. Ihre Identität verstecken sie hinter Pseudonymen. Manche wollen schon lange davor gewusst haben, was der Tatverdächtige plante und was ihn antrieb. Über ein Twitter-Konto veröffentlichte er im Dezember eine Art Adventskalender. Hinter jedem Türchen verbargen sich sogenannte Doxes: persönliche Informationen von Politikern, Prominenten oder Journalisten, Adressen und Handynummern, Passdaten oder andere mehr oder weniger sensible Dokumente. (…) Inzwischen verdichten sich jedoch die Hinweise, dass der 20-Jährige aus der hessischen Kleinstadt noch ein weiteres Motiv für seine Taten gehabt haben könnte. Immer wieder habe er sich abwertend über Flüchtlinge geäußert, erzählt mancher, der ihn kennt. Er sei unzufrieden mit Äußerungen von Politikern gewesen, sagte BKA-Präsident Holger Münch bei einer Pressekonferenz. Betroffen von 0rbits Doxings waren Abgeordnete aller im Bundestag sitzenden Parteien – mit der Ausnahme der AfD. “Es gibt keine polizeilichen oder nachrichtendienstlichen Erkenntnisse, dass er in irgendeiner Form mit politisch motivierter Kriminalität vorher zu tun hatte”, so Münch (…) In Kreisen der Neuen Rechten ist DVA eine Art Star. Er hat auch schon Martin Sellner von der Identitären Bewegung Österreich auf seinen Youtube-Kanal eingeladen. Wegen Aktionen wie dieser hat SallyIsG DVA inzwischen vorgeworfen, rechtem Gedankengut eine Bühne zu bieten. Ende 2017 kam es zum Streit. Im Mai 2018 tauchten dann Klarnamen, Adressen und Telefonnummern von SallyIsG und seinen Verwandten auf dem dox.sx-Nachfolger auf. Die Daten kamen von 0rbit.
Hat 0rbit damals für den rechten Youtuber als Handlanger agiert? Fest steht, dass beide einen gemeinsamen Bekannten haben. Spätestens seit Oktober mimt Janomine für “DieVulgäreAnalyse” den Strohmann. Damit der eine seinen Namen vor der Öffentlichkeit verbergen konnte, meldete der andere für ihn zum Beispiel eine Domain an. Im Dezember stand deshalb zum wiederholten Mal der Staatsschutz vor Janomines Tür. Es soll um volksverhetzende Inhalte auf dem Youtube-Kanal gehen, die Behörden wollen wohl prüfen, ob Janomine für seine Beteiligung daran als technischer Betreuer zur Verantwortung gezogen werden kann. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart bestätigt, dass in diesem Zusammenhang ein Verfahren läuft.

1391378332 596936461 1-Fotos-de--aulas-de-informatica-para-idosos-ou-leigos-no-assunto-R150.jpg
Von Marcos Vinicius de PauloEigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Rechtsaußen-Rapper plant Konzert in Linzer Villa

Aufregung um ein Konzert in Linz. Der deutscher Rapper “Komplott” tritt Anfang Februar auf. Er gehört zur rechten Szene, Kritiker schlagen Alarm. Es sind die Identitären, die zu dem umstrittenen Konzert eingeladen haben. Es findet am 9. Februar im so genannten “Khevenhüller-Zentrum” in Linz statt. Das Zentrum ist ein Treffpunkt der rechten Szene. Auftreten wird der mehr als umstrittene Rapper “Komplott”. Der Deutsche wird der rechten Szene zugeordnet, hat eine Nähe zu den Identitären. Die Zeit Online schrieb vor ziemlich genau einem Jahr über ihn: “Über unambitioniert produzierte, schlurfende Gangsta-Rap-Beats rappt Komplott vom kulturellen Erbe und seiner Bedrohung durch Überfremdung”. SPÖ-Nationalrätin Sabine Schatz übt Kritik am geplanten Auftritt: Sie fordert von den oberösterreichischen Behörden, das Konzert zu verhindern. „Landeshauptmann Stelzer muss endlich aktiv werden. Oberösterreich darf nicht zum Tummelplatz Rechtsextremer werden“, so Schatz, die darauf verweist, dass das Bundesland bei den rechtsextremen Straftaten die Spitzenposition einnimmt. (…) Übrigens: Das Khevenhüller Zentrum soll sich in der Villa Hagen befinden. Dort ist nicht nur ein Studentenheim untergebracht, sondern auch die schlagende Verbindung Arminia Czernowitz beheimatet. Deren bekannteste Mitglieder: Der Linzer Vize-Bürgermeister Detlef Wimmer (FPÖ) und der neue Chef der Linzer FPÖ und Infrastruktur-Stadtrat Markus Hein.

via heute.at: Rechtsaußen-Rapper plant Konzert in Linzer Villa

Angriff der Identitären Bewegung auf Eröffnungsfeier des „Ewwe longt’s“ – Funktionär der #AfD-Jugend mit dabei [mit Video] – #noIB – [update]

Die Vorbereitungen waren abgeschlossen, rund 30 junge Menschen rückten noch einmal die Tische zurecht und warteten auf die ersten Gäste. Am Samstag, 19. Januar sollte die Eröffnungsfeier des „Ewwe longt’s – Linkes Zentrum Mannheim“ um 14 Uhr in der Kobellstraße beginnen. Die ersten Gäste waren bereits vor Ort, darunter auch einige Kinder. Doch plötzlich liefen rund 15 junge Menschen in den Laden, viele mit schwarzen Regenjacken und Kapuzen, die offenbar nicht zum feiern kamen. Unter den Personen, darunter eine Frau, waren einige bekannte Gesichter. Bei der Störung einer Kundgebung für Seenotrettung in Heidelberg hatte eine ähnlich zusammengesetzte Gruppe für Tumulte gesorgt. Unter dem Label „Identitäre Bewegung“ (IB) erregen Personen aus diesem Spektrum immer wieder Aufsehen. Mit dabei: Leon Stockmann, Mitglied im Landesvorstand der AfD-Nachwuchsorganisation „Junge Alternative“. Erst gestern hatte KIM über ihn berichtet. Die Verantwortlichen des „Ewwe longt’s“ erteilten sofort Hausverbote, doch die Gruppe wollte nicht gehen. Vor dem Laden kam es auf der Straße zu Wortgefechten und Schubsereien. Dann begannen Personen aus den Reihen der IB mit Pfefferspray auf Besucher*innen des „Ewwe longt’s“ zu sprühen und zündeten ein bengalisches Feuer. Auch auf den Mitarbeiter des KIM, der das Geschehen beobachtete, wurde Pfefferspray gesprüht.Mittlerweile kam eine Gruppe der Bereitschaftspolizei die Kobellstraße aus Richtung Käfertaler Straße entlang gerannt. Dort waren zwei Mannschaftswagen postiert – die Polizei hatte bereits im Vorfeld einen Verdacht. Die „Identitären“ rannten davon, nur Leon Stockmann und ein weiterer blieben stehen. Offenbar wartete er auf seine Freundin, die alleine zurück geblieben war.

via kommunalinfo mannheim: Angriff der Identitären Bewegung auf Eröffnungsfeier des „Ewwe longt’s“ – Funktionär der AfD-Jugend mit dabei [mit Video]

siehe auch: Identitäre greifen Linkes Cafè an – Unter den Angreifern Leon #Stockmann vom Landesvorstand der “Jungen Alternative” – #schauhin #terror #afd #noIB. “Identitäre Bewegung greift Linkes Café in #Mannheim an. Rund 15 Personen des rechten Spektrums versuchten die Eröffnung des “Ewwe longt’s” in der #Neckarstadt zu stören und griffen Gäste mit Pfefferspray und einem Bengalo an. Es gab einige leicht Verletzte durch Pfefferspray. Mit dabei: Leon Stockmann vom Landesvorstand der “Jungen Alternative” über den wir erst gestern berichtet hatten; Identitäre greifen linkes Zentrum an. „Wir sind friedlich und ihr nicht“, ein Slogan, den die rechtsextreme „Identitäre Bewegung“ sich auf ihre Fahne schreibt. Ganz cool in schicken Klamotten jenseits des Glatzenhabitus der NPD wollen sie insbesondere junge Leute für ihre Sache ködern. Dass es da durchaus auch mal körperlich werden kann, durfte eine „taz“-Mitarbeiterin erfahren, die „Identitären“-Plakate vom „taz“-Gebäude entfernen wollte. Robert Timm, Kopf des Berliner Ablegers, hatte sie daran unsanft gehindert. Aber die „Identitären“ behaupten sich friedlich. Dürfte jeder spätestens jetzt anders sehen, der den Blick nach Mannheim richtet. Dort wurde ein linkes Zentrum mit einem Fest eröffnet; „ewwe longt´s“ in der Neckarstadt hatte zahlreiche Interessierte und Sympathisanten angelockt. Aber auch zirka 15 Mitglieder der „Identitären Bewegung“, die versucht haben sollen, sich Zugang zu verschaffen, wie auf der Faceboock-Seite von „ewwe longt´s“ mitgeteilt wird. Von den Gästen der Veranstaltung seien sie daran gehindert worden. Reagiert haben sie mit Pfefferspray und einer Signalfackel, wodurch einige Personen leicht verletzt wurden. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz. Unter den Angreifern soll auch Leon Stockmann von der „Jungen Alternativen“ gewesen sein, was sich nach einem Bericht von „Kommunalinfo Mannheim“ nach der Polizeikontrolle herausstellte.

Gauland in neurechter Denkfabrik?

Von Freitag bis Sonntag soll die 19. „Winterakadmie“ des Instituts für Staatspolitik in Schnellroda stattfinden. Angekündigt sind neben anderen der AfD-Chef Alexander Gauland und der Europawahl-Kandidat der AfD Maximilian Krah. Das Institut für Staatspolitik (IfS) gilt seit Jahren als Kaderschmiede und Denkfabrik der Neuen Rechten. Man versteht sich als Wegweiser der „Konservativen Revolution“ und will so etwas wie deren intellektuellen Leuchtturm oder elitäre Speerspitze dar darstellen. (…) IfS-Leiter ist Erik Lehnert, der bekanntere Ideologe ist allerdings Götz Kubitschek, der die Geschicke des ebenfalls in Schnellroda ansässigen Antaios-Verlages führt und für die Periodika „Sezession“ verantwortlich zeichnet.(…) Erstmals wird dabei der AfD-Fraktionschef und -Bundessprecher Alexander Gauland als Referent angekündigt. Ebenfalls auf der Rednerliste steht der AfD-Europawahl-Listenkandidat Nummer drei Maximilian Krah, der bereits 2016 beim so genannten „Staatspolitischen Kongress“ Gast beim IfS war. (…) Vor allem die seit Jahren praktizierte intensive Zusammenarbeit mit führenden Vertretern der „Identitären Bewegung“ Martin Sellner oder Martin Semlitsch (Lichtmesz) dürften mittlerweile die Neugier des Verfassungsschutzes erweckt haben, ebenso die Verbindungen zum von den „Identitären ( „Kontrakultur Halle) aufgebauten Hausprojekt in Halle/Saale. Welch vielfältige Vernetzung vom beziehungsweise über das IfS betrieben wird, zeigt auch der unmittelbare Kontakt zur rechten Finanz- und Spendenplattform „Ein Prozent“, die 2016 unter anderem von Kubitschek gegründet wurde und die von Philip Stein, Verleger von Jungeuropa aus Dresden, operativ nach außen vertreten wird. Letzterer wurde erst am 7. Januar bei einem Aufmarsch der neofaschistischen Bewegung „Casa Pound“ in Rom gesichtet.

via bnr: Gauland in neurechter Denkfabrik?