Führt eine Spur vom #NSU zum #Lübcke-Mord? – #terror

Der mutmaßliche Mörder Walter Lübckes könnte Kontaktleute in Chemnitz und Thüringen haben, die schon den “Nationalsozialistischen Untergrund” trugen. Ein dubioser Geheimdienstler liefert ein fehlendes Puzzleteil. Im Fall des Mordes am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke prüfen Ermittler derzeit Verbindungen des mutmaßlichen Täters, des 46-jährigen Kasseler Rechtsextremisten Stephan E., zur Chemnitzer Neonazi-Szene. Zwar betont die Bundesanwaltschaft als ermittlungsleitende Behörde, “zu laufenden Verfahren” gebe man “keine Auskünfte”. Nach “Freie Presse”-Informationen indes wird überprüft, ob längerfristige Kontakte zwischen E. und seinem mutmaßlichen Waffenvermittler Markus H. zu hiesigen Szene-Mitgliedern bestehen. Einen Grund lieferte das von der Plattform Exif-Recherche Ende September veröffentlichte Foto, das Stephan E. und Markus H. auf jener Chemnitzer Straßenkreuzung zeigt, die dem Tatort der Messerstecherei, bei der im Vorjahr der Chemnitzer Daniel H. starb, am nächsten liegt. Das Foto soll bei den von AfD und der rechtsextremen Wählergruppierung “Pro Chemnitz” initiierten Großdemonstrationen am 1. September 2018 entstanden sein, für die bundesweit mobilisiert wurde. In Stephan E.’s hessischer Heimat sollen bald weitere Bezüge ausgeleuchtet werden, die für Sachsen ebenfalls Relevanz haben dürften. So fordern Abgeordnete des hessischen Landtags einen Untersuchungsausschuss zum Lübcke-Mord. Wie der hessische Landtagsabgeordnete Hermann Schaus (Linke) der “Freien Presse” sagte, soll die nordhessische Szene, zu der Stephan E. und Markus H. gehören, auf Verbindungsleute überprüft werden, die schon im NSU-Fall aufgefallen waren. Dabei wird auch dem hauptamtlichen hessischen Geheimdienstmann Andreas Temme nochmals auf den Zahn gefühlt, der eben diese Szene bis zum Kasseler NSU-Mord 2006 als V-Mann-Führer hatte ausleuchten sollen. Beim Mord am 21-jährigen Besitzer eines Internetcafés im Jahr 2006 war Temme unter bis heute ungeklärten Umständen selbst am Tatort. Vor dem Auffliegen des NSU 2011 galt Temme sogar als Mordverdächtiger. Nach dem Mord wurde der V-Mann-Führer versetzt – ins Kasseler Regierungspräsidium, die Behörde, der das spätere Mordopfer Walter Lübcke vorstand. Eine direkte Verbindung Temmes zum NSU suchte man über Jahre vergeblich. Einzig, dass Temme auf einer Fahrt zum sogenannten Combat-Schießen (Aktionsschießen auf menschliche Silhouetten) im tschechischen Kunovice von Kassel aus die NSU-Unterschlupforte Zwickau und Chemnitz passiert haben müsste, scheint klar. Allerdings deckte auch erst der hessische NSU-Ausschuss die mögliche Verbindung Temmes zu Geheimdienstlern in der thüringischen Heimat des NSU auf. Nachweisliche Kontakte hatte Temme nach “Freie Presse”-Informationen zu belgischen Militär-Geheimdienstlern. Belgien nennt der zweite Thüringer NSU-Ausschuss in seinem jüngst erschienenen Bericht als frühes Fluchtziel des NSU-Trios. Nach Thüringer Geheimdienstinformationen habe das Trio 1998 zunächst über Belgien in die USA fliehen wollen.

via freie presse: Führt eine Spur vom NSU zum Lübcke-Mord?

So rückt die „#Artgemeinschaft“ ins Visier des #Verfassungsschutzes – #nsu #terror #schauhin

Statt „Rasse“ sagen sie „Art“ – das rassistische Weltbild aber ist offensichtlich. Die „Artgemeinschaft“ ist die älteste neonazistische Organisation. Das Jahr 3819 nach Stonehenge dürfte aber kein gutes für die Neo-Germanen werden. Sie bekennen sich zum Germanentum, feiern in altertümlich anmutenden Gewändern die Sonnenwende oder das Julfest und bezeichnen sich als „größte heidnische Gemeinschaft Deutschlands“. Mitglieder der „Artgemeinschaft“ lehnen die christliche Zeitrechnung ab und orientieren sich an der „endgültigen Ausbaustufe von Stonehenge“, dem mehrere Tausend Jahre alten Kultort im Süden Englands. Und es sieht so aus, als wenn das Jahr 3819 n. St. – „nach Stonehenge“ – kein gutes Jahr für die Neo-Germanen wird. Im Kern handelt es sich nämlich um handfeste Rechtsextreme. Sie gilt als älteste neonazistische Organisation in Deutschland. Die „Artgemeinschaft – Germanische Glaubens-Gemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung“, wie der eingetragene Verein mit vollständigem Namen heißt, zeichnet sich durch ein rassistisches sowie sozialdarwinistisches Weltbild und eine scharfe antisemitische Rhetorik aus. Damit hat der e.V. eine große Anziehungskraft innerhalb der rechten Szene. Der Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt beobachtet sie schon länger und beschreibt sie als „Bindeglied zwischen verschiedenen rechtsextremistischen Strömungen“. Das hat sich im vergangenen Jahr gleich mehrfach gezeigt und könnte für die Gruppierung Konsequenzen haben. (…) Im Sommer 2018 hatte sich der Thüringer Ex-NPD-Kader Ralf Wohlleben nach seiner Haftentlassung in die Obhut des Anführers der „Artgemeinschaft“ begeben. Wohlleben war als Unterstützer der Terroristen des „Nationalsozialistischen Untergrundes“ (NSU) wegen Beihilfe zum Mord zu zehn Jahren Freiheitsentzug verurteilt worden. Ende Juni dieses Jahres machte WELT AM SONNTAG außerdem publik, dass der Tatverdächtige im Mordfall Walter Lübcke offenbar Mitglied war – im Jahr 2011 war er ausgeschlossen worden, da er seine Mitgliedsbeiträge nicht mehr bezahlt hatte. (…) Erst vor ein paar Tagen hob der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV), Thomas Haldenwang, die Rolle der „Artgemeinschaft“ hervor. Bei einer Befragung im Bundestag nannte er sie ausdrücklich: „Wir nehmen es sehr ernst, wenn eine Vielzahl von Akteuren – von klassisch rechtsextremen Parteien über neurechte Hipster bis hin zu der sogenannten Artgemeinschaft oder den ‚völkischen Siedlern‘ – den Nährboden für verfassungsfeindliche Grundeinstellungen mit zum Teil rassistischen, antisemitischen und rechts-esoterischen Weltbildern düngen.“

via welt: So rückt die „Artgemeinschaft“ ins Visier des Verfassungsschutzes

Auswertung der jährlichen Geheimdienstberichte – Wo der Verfassungsschutz hinschaut

Nicht geheim und doch kaum auffindbar: Einmal jährlich veröffentlichen die Verfassungsschutzämter Berichte über ihre Arbeit. Ein ehrenamtliches Projekt macht sie nun durchsuchbar und zeigt, wann sich die Geheimdienste wofür interessiert haben. Wann stand die Punkband „Feine Sahne Fischfilet“ im Verfassungsschutzbericht? Und war das jetzt in Mecklenburg-Vorpommern oder beim Bundesverfassungsschutz? Auf diese und viele andere Fragen gibt das neue Projekt verfassungsschutzberichte.de eine Antwort. (…) Die Berichte lassen sich nicht nur durchsuchen, es lassen sich auch Trends auswerten: Wem widmen die Inlandsgeheimdienste am meisten Seiten? Wo schauen sie hin – und wo nicht? „Der Unterschied zwischen der RAF und dem NSU ist eklatant“, sagt Datenanalyst Filter. Betrachtet man die relative Häufigkeit der Begriffe in den Berichten, wurde über die Rote Armee Fraktion noch rund um ihre Auflösung mehr geschrieben als direkt nach der Enttarnung des NSU über die Rechtsterroristen. „Der Verfassungsschutz hat den NSU-Terror nicht aufgeklärt. Als Resultat mordet das NSU-Umfeld weiter, Walter Lübcke war das letzte uns bekannte Opfer„, sagt Datenanalyst Filter.

via netzpolitik: Auswertung der jährlichen Geheimdienstberichte – Wo der Verfassungsschutz hinschaut

https://vsberichte.de/trends?q=raf&q=nsu&q=combat%2018&q=blood%20%26%20honour

#Polizei musste bereits einschreiten – Kasseler #Neonazi #Tödter baut #militanten Zirkel auf – #Schüler im Visier – #schauhin

Lange war es ruhig um den Neonazi und verurteilten Totschläger Bernd Tödter. Ende Juni endete sein letzter Haftaufenthalt in Kassel – jetzt schart er wieder Gleichgesinnte um sich. Nun meldet sich der 44-Jährige aus seiner Heimatstadt Bad Segeberg (Schleswig-Holstein) zurück. Von Bad Segeberg aus versucht der mehrfach vorbestrafte Neonazi, einen deutschen Ableger der militanten, rassistischen US-Vereinigung „Aryan Circle“ (Arischer Zirkel) aufzubauen. Das belegen Recherchen der antifaschistischen Plattform Exif sowie Tödters Aktivitäten in Sozialen Netzwerken. Zudem sind Polizei und Sicherheitsbehörden alarmiert, da die Gruppe bereits durch erste Straftaten aufgefallen ist.
Unter Angabe seiner Mobilnummer und E-Mail-Adresse wirbt Tödter auf Facebook bei einstigen Mitgliedern der heute verbotenen Gruppierung „Sturm 18“ um Unterstützung für die neue Kameradschaft. Tödter hatte gemeinsam mit Stanley Roeske „Sturm 18“ im Jahr 2002 in Kassel gegründet, wo er ein Jahr zuvor hingezogen war. Neue Kameradschaft direkte Antwort auf das Sturm-18-Verbot Die neue Kameradschaft ist offenbar eine direkte Antwort auf das seit 2015 bestehende Sturm-18-Verbot. So schrieb er auf Facebook bereits 16 Tage nach seiner Haftentlassung in einer Rundmail an seinen alten Bekanntenkreis: „Hallo Kamerad/in, wie du sicherlich mitbekommen haben wirst, wurde der Sturm 18 e.V. am 27.10.2015 vom hessischen Innenminister für verboten* erklärt. Das jedoch die dahinter stehenden Personen deshalb nicht gebrochen sind/wurden ist jedem klar. (…) Wie ein Phönix aus der Asche sind wir auferstanden und treiben unser (Un)wesen jetzt unter der Fahne des international tätigen Aryan Circle.“

via hna: Polizei musste bereits einschreiten – Kasseler Neonazi Tödter baut militanten Zirkel auf – Schüler im Visier

#Mordfall Walter #Lübcke: #Verfassungsschutz hielt Stephan E. noch 2009 für “#brandgefährlich” – #terror #staatsversagen #deepstate

Seine Verfassungsschutzakte wurde gesperrt und wäre fast gelöscht worden. Dabei hielten hochrangige Geheimdienstler den Rechtsextremisten für gewaltbereit und riskant. Wie konnte der Verfassungsschutz den Rechtsextremen Stephan E., den mutmaßlichen Mörder von Walter Lübcke, jemals aus den Augen verlieren? Schließlich schienen die Verfassungsschützer lange überzeugt, dass von ihm eine Gefahr ausgehen könnte. Noch Ende 2009 galt E. im Verfassungsschutz Hessen als “brandgefährlich”. Das belegt eine handschriftliche Anmerkung, die sich in roter Farbe auf einem 15-seitigen internen Vermerk über Neonazis aus Nordhessen vom Oktober 2009 findet. E. war bereits in den Neunzigerjahren mit einschlägigen Gewalttaten aufgefallen, darunter ein versuchter Sprengstoffanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft. Vom hessischen Innenministerium hatte es bislang dazu stets geheißen, dass nach dem Jahr 2009 keine neuen Erkenntnisse über Stephan E. vorgelegen hätten. Daher sei seine Personenakte beim Verfassungsschutz fünf Jahre später gesperrt worden. Das ist verwunderlich, da die nun bekannt gewordene Notiz nahelegt, dass der Verfassungsschutz ihn zumindest Ende 2009 noch als sehr gefährlich einstufte und ihm wohl Gewalttaten zutraute. Die Notiz war denn auch Thema des geheimen Teils einer Sitzung des NSU-Untersuchungsausschusses des hessischen Landtags am 21. Dezember 2015. Das bislang eingestufte Protokoll dieser Sitzung konnte ZEIT ONLINE jetzt einsehen. Die Linksfraktion hatte eine Herabstufung der Geheimhaltung erreicht. Darin findet sich auch der Hinweis, dass der Verfasser der Notiz seine Kollegen beim Landesamt danach gefragt hatte, wie militant Stephan E. sei. (…) Zum Zeitpunkt dieser Aussage vor dem NSU-Ausschuss 2015 war die Akte von Stephan E. bereits gesperrt. Auch das wird aus dem Protokoll der geheimen Sitzung deutlich. So konnte Emich sie etwa für die Vorbereitung auf ihre Aussage nicht mehr nutzen. Gelöscht wurde die Akte wohl nur deshalb nicht, weil damals wegen der Aufarbeitung des NSU-Komplexes ein Löschmoratorium galt. Inzwischen liegt die Akte laut Angaben des hessischen Innenministeriums dem Generalbundesanwalt vor. Bemerkenswert ist im Rückblick auch der Zeitpunkt der Befragung der LfV-Mitarbeiterin im Dezember 2015: Sie fand rund zwei Monate nach jener Bürgerversammlung in Lohfelden statt, bei der der damalige Regierungspräsident von Kassel Walter Lübcke über die Aufnahme von Flüchtlingen informierte und von Rechten beschimpft wurde. Unter den Zwischenrufern waren wohl auch: Stephan E. und sein mutmaßlicher Komplize Markus H.H. steht laut der Linksfraktion im Landtag ebenfalls in dem Vermerk der LfV-Mitarbeiterin.

via zeit: Mordfall Walter Lübcke: Verfassungsschutz hielt Stephan E. noch 2009 für “brandgefährlich”

#Rechtsextremismus: Das Vertrauen schwindet – #schauhin #terror

Es kann einen nur ängstigen, wie der Staat gegen Rechtsextremismus in Deutschland vorgeht. Es wird gestümpert, unterschätzt und fehlinterpretiert. Das Vertrauen der Bürger sinkt, dass sie vor rechter Gewalt sicher sind. Es kann einen nur ängstigen, wie der Staat gegen Rechtsextremismus in Deutschland vorgeht. Es ist ein flächendeckendes Behörden- und Justizversagen. Über Jahre wird auf staatlicher Seite gestümpert, unterschätzt und fehlinterpretiert. Anders ist nicht zu erklären, wie etwa die Terroristen des NSU jahrelang morden konnten. Oder wie ein in der rechtsextremen Szene bekannter Mann einen Kommunalpolitiker auf dessen Terrasse erschießen kann. Oder wie ein Antisemit versuchen kann, schwer bewaffnet in eine Synagoge einzudringen, um möglichst viele Juden zu töten. Im Vergleich zu diesen Fällen ist es freilich weit weniger schlimm, dass Dachaus Oberbürgermeister und Dachauer Organisationen, die klar gegen Rechtsextremismus Stellung beziehen, auf einer Prangerplattform beleidigt und diffamiert werden. Doch auch hier zeigt sich, dass der Staat und die Justiz nicht die Durchschlagskraft haben, um dagegen vorzugehen. Seit acht Jahren können Neonazis auf “Nürnberg 2.0” ihren Hass freien Lauf lassen. Doch erst seit einem Jahr weiß das Bayerische Landeskriminalamt, dass diese Seite überhaupt existiert. Das ist – wie der Runde Tisch gegen Rassismus richtig feststellt – ein Skandal. Traurig ist zudem, dass die Betroffenen vom Staat alleine gelassen werden. Dass Deutschland ein großes Problem mit Rechtsextremismus hat, ist seit Jahren bekannt. Man braucht sich nur die Zahlen rechtsextremer Gewalttaten ansehen. Seit 2001 sind es mehr als 18 000. Doch der Sicherheitsapparat scheint die Gewaltbereitschaft von rechts zu unterschätzen. Die Landesbehörden meldeten vor kurzem, dass sie von 12 700 gewaltorientierten Rechtsextremisten wissen. Davon seien aber nur 43 zu Anschlägen fähig. Dass es sich um eine fatale und schon auf den ersten Blick unplausible Fehleinschätzung handelt, hat das Bundeskriminalamt bereits bestätigt.

via sz: Rechtsextremismus:Das Vertrauen schwindet

Ex-Verfassungsschützer Andreas #Temme war “dienstlich befasst” mit Stephan Ernst – #terror #schauhin #deepstate #lübcke

Aufregung im Innenausschuss des Landtags: Dort kam heraus, dass Ex-Verfassungsschützer Temme mit dem mutmaßlichen Lübcke-Mörder dienstlich befasst war. Die Opposition zeigt sich schockiert. Im Innenausschuss des Landtags hat am Donnerstag eine neue Information über den Hauptverdächtigen im Mordfall Lübcke, Stephan Ernst, für Aufregung gesorgt. Laut Innenminister Peter Beuth (CDU) war der ehemalige Mitarbeiter des Verfassungsschutzes, Andreas Temme, mit Stephan Ernst vor 2006 “dienstlich befasst”. In welcher Form, sagte Beuth nicht. Temme spielt eine wichtige Rolle im NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags. Er wurde mehrmals als Zeuge geladen, weil er sich während der Ermordung des NSU-Opfers Halit Yozgat am Tatort in einem Kasseler Internetcafe aufhielt. Yozgat wurde im April 2006 durch zwei gezielte Schüsse getötet. (…) Vom Verfassungsschutzes hieß es auf Anfrage, dem Amt seien keine Treffen zwischen Temme und Ernst bekannt. Es habe allerdings dienstliche Verbindungen gegeben: “So wurden zwei Berichte in der Personenakte von Stephan E., die bereits an den im Mordfall an Dr. Walter Lübcke ermittelnden Generalbundesanwalt übermittelt wurden, im Jahr 2000 mit dem Namen Temme gezeichnet”, sagte Verfassungsschutz-Sprecher Christian Scheh dem hr. Seit 2007 ist Temme nicht mehr beim Landesverfassungsschutz beschäftigt. (…) Die Zeitung Welt am Sonntag hatte im September berichtet, dass der Name Stephan Ernst in einer ersten Version eines als geheim eingestuften Berichts des Verfassungsschutzes zur rechten Szene in Hessen aus dem Jahr 2013 insgesamt elfmal vorkomme, in einer späteren Version von 2014 dann nicht mehr. Temme kommt im ersten Bericht demnach zweimal vor, im zweiten Bericht sechsmal

via hessenschau: Ex-Verfassungsschützer Andreas Temme war “dienstlich befasst” mit Stephan Ernst

soehe auch: Mordfall Lübcke und NSU : Immer wieder Temme. Bei der Aufklärung des Mordfalls Lübcke tauchen Verbindungen in die Zeit des NSU auf. Schon damals hat der Verfassungsschutz viel Kritik auf sich gezogen. Hessens Verfassungsschutz hat offenkundig bei der Bewertung des mutmaßlichen Mörders des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke versagt. Stephan E. war einst eine der zentralen Figuren in der gewaltbereiten rechtsradikalen Szene in Kassel, später galt er dann als „abgekühlt“. 2015 wurde daher seine Akte gesperrt, ebenso wie jene seines ebenfalls rechtsradikalen Unterstützers Markus H. Beides beruhte im Nachhinein auf Fehleinschätzungen mit möglicherweise tödlichen Folgen: 2016 soll E. versucht haben, einen Asylbewerber zu erstechen, im Juni dieses Jahres soll er – mit Unterstützung durch H. – Lübcke auf dessen Terrasse erschossen haben. Zu der Fehleinschätzung könnte, wie nun bekannt wurde, auch Andreas Temme beigetragen haben. Das ist jener frühere Mitarbeiter des Verfassungsschutzes, der rein zufällig just zum Tatzeitpunkt am Tatort gewesen sein soll, als der „Nationalsozialistische Untergrund“ 2006 in Kassel mordete.

#Rechtsterrorismus: #Alarmzeichen verdrängen seit #1945 – #schauhin #terror #akk #kaltland #halle

Halle? Unvorstellbar! NSU? Gibt’s doch gar nicht! Rechte Terrornetze in Deutschland? Alles Einzeltäter! Die BRD hat Jahrzehnte geübt, die Nachfolger der Nazis zu leugnen. Deutschland ist den Nationalsozialismus und den Rassismus nie ganz losgeworden. Sie waren immer da. Die Geschichte der Bundesrepublik ist auch eine nicht endende Geschichte rechter Gewalt, aber eben das wird seit 1945 gern verdrängt. Es steckt mehr dahinter als persönliches Versagen oder Ungeschick, wenn Annegret Kramp-Karrenbauer nach dem Anschlag von Halle lediglich von einem “Alarmzeichen” spricht, und der Bundespräsident von einer Tat, die “unvorstellbar” gewesen sei. Ihre Worte sind symptomatisch. Sie wollen es einfach nicht wahrhaben. Das Entsetzen über die Morde von Neonazis ist bis heute von einer Erschrockenheit geprägt, die zeigt: Die Mechanismen der Verdrängung und Verharmlosung sind der Gesellschaft und ihrer politischen Kultur tief eingeschrieben, entgegen ihrem Selbstbild. (…) Allein seit der Wiedervereinigung gibt es nach Recherchen von ZEIT ONLINE und Tagesspiegel etwa 169 Todesopfer rechtsextremer Gewalt bis September 2018. In der fragwürdigen offiziellen Statistik ist die Zahl kleiner, aber mit mehr als 80 Toten trotzdem beachtlich. Hinzu kommen die täglichen Opfer von Hass und Hetze, Körperverletzung, Beleidigungen und Drohungen. Für die vielen Menschen, die stets damit rechnen müssen, mindestens beschimpft und bepöbelt zu werden, ist die Bundesrepublik keineswegs das “freie, friedliche, freundliche Land”, als das es ein Bundesanwalt im Plädoyer des NSU-Prozesses beschrieb. Es ist eben nicht so, dass der rechte Terror hereinbricht und aufschlägt wie ein seltener Meteorit, der das Land kurzzeitig erschüttert. Die Täter haben ihre Wurzeln in dieser Gesellschaft, sie sind ihre Gewächse. Und ihr Geflecht ist, selbst da, wo es keine Mittäter im strafrechtlichen Sinne gibt, viel größer, als das ewige Einzeltäter-Gerede suggeriert. (…) Das Oktoberfest-Attentat von 1980 ist vielen immerhin ein Begriff, aber wer kennt sich schon aus mit den vielen anderen Anschlägen und ihren Opfern? Wem sagt die Hepp-Kexel-Gruppe etwas oder die Wehrsportgruppe Hoffmann? Und hat die Gesellschaft nicht längst Routine darin, Angriffe auf Türken oder Schmierereien auf jüdischen Friedhöfen als Kurzmeldung abzuhaken, solange nichts “Schlimmeres” passiert ist? Die Vorstellung, es gebe eine letztlich dominierende liberale Ordnung, die irgendwie damit fertig werden muss, dass es nun einmal stets auch einige gefährliche Extremisten gibt, ist allzu verführerisch. Und trügerisch.

via zeit: Rechtsterrorismus: Alarmzeichen verdrängen seit 1945

Fünf von acht #NSU-#Mahnmalen wurden geschändet – #schauhin #kaltland #pack #terror

In fünf von acht Städten wurden Attacken auf Mahnmale zum Gedenken der Opfer des rechtsextremen NSU registriert, haben Medienrecherchen ergeben. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) spricht sich nach dem Terroranschlag von Halle für eine härtere Verfolgung antisemitischer Straftaten aus. Die Gedenkorte für die Opfer der rechtsextremen Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) werden immer wieder beschädigt. Fünf von acht Städten, in denen es solche Mahnmale gibt, haben Angriffe registriert, wie Recherchen der Welt am Sonntag ergaben. Erst Anfang Oktober war im sächsischen Zwickau eine Eiche abgesägt worden, die an Enver Simsek erinnern sollte. Rechtsterroristen des NSU hatten den Blumenhändler im Jahr 2000 in Nürnberg erschossen. em Bericht zufolge wurden manche Gedenkorte sogar mehrfach geschändet. So beschädigten Unbekannte das Mahnmal in Rostock für das NSU-Opfer Mehmet Turgut dreimal seit 2014. In Kassel wurde 2014 der Gedenkstein für das NSU-Opfer Halit Yozgat mit einer Bitumenmasse übergossen, ein Kohlenwasserstoffgemisch, das eigentlich in Asphalt oder zum Abdichten verwendet wird. In Nürnberg entfernten Unbekannte 2015 eine Gedenktafel, eine Stele wurde im November 2017 mit einem Hakenkreuz beschmiert. Eine zweite zentrale Stele in der Stadt war bereits kurz nach ihrer Einweihung im März 2013 mit Hakenkreuzen beklebt worden.

via sz: Fünf von acht NSU-Mahnmalen wurden geschändet

Gedenkbaum für NSU-Mordopfer in Zwickau abgesägt

In Zwickau ist ein Gedenkbaum in Erinnerung an das erste NSU-Mordopfer Enver Simsek abgesägt worden. Oberbürgermeisterin Pia Findeiß sprach von einer ruchlosen Tat. Die SPD-Politikerin erklärte, das Absägen des Baumes zeuge von Intoleranz, mangelndem Demokratieverständnis und von Verachtung. Manche hätten die menschenverachtenden Taten des NSU nicht begriffen. Die deutsche Eiche sollte an Enver Simsek erinnern. Am 9. September 2000 feuerten die Rechtsterroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in Nürnberg neunmal auf den Blumenhändler, der in seinem Wagen Pflanzen sortierte. Simsek starb zwei Tage später an den Folgen seiner Schussverletzungen.

via mdr: Gedenkbaum für NSU-Mordopfer in Zwickau abgesägt