“Alle haben es gewollt” – einestages

“Alle haben es gewollt” – einestages
Die einen haben gelitten, die anderen wollen nichts davon bemerkt haben. Das Beispiel der niedersächsischen Kleinstadt Northeim zeigt, wie es war, als die Nationalsozialisten die deutsche Provinz eroberten. (…) Deutschland, die Jahre zwischen 1930 und 1935. Wie war das damals, in einer ganz normalen Kleinstadt? Wie kamen in der Provinz die Nationalsozialisten an die Macht? Wer waren sie? Wie sicherten sie ihre Herrschaft, wie veränderte sich der Alltag? Es gibt wenige regionale Studien dazu. Der Amerikaner William Sheridan Allen befragte Anfang der sechziger Jahre Bürger von Northeim – und stieß auf eine Menge Menschen, die angeblich nichts gesehen, nichts gewusst hatten und die für nichts verantwortlich gewesen sein mochten: “Das haben wir nicht gewollt!”, so Titel und Fazit seines Buchs, das von wenigen bösen Nazis und einer verführten Mehrheit erzählt. Zeitzeugin Schulze-Ballin erlebte anderes, womöglich Typisches über die Grenzen ihrer Kleinstadt hinaus. Die meisten Northeimer seien zumindest anfangs begeisterte Nationalsozialisten gewesen, hätten es selbstverständlich gefunden, dass plötzlich Juden und Sozialdemokraten ausgegrenzt wurden: “Eigentlich haben es alle gewollt”, sagt sie. Schon in den sechziger Jahren entwickelten Historiker um Hans Mommsen die Theorie, der NS-Staat sei eine “Herrschaft der vielen” gewesen – errichtet und aufrechterhalten von zahlreichen gesellschaftlichen Gruppen. Götz Aly (“Hitlers Volksstaat”) sprach später sogar von einer “Zustimmungsdiktatur” – ein umstrittener Begriff, auch weil er suggeriert, dass Terror und Angst nicht zu den Machtinstrumenten der NSDAP gehört hätten. Doch man muss die Schreckensmethoden der Nazis nicht kleinreden, um die NS-Diktatur heute wie Harald Welzer als “Gesellschaftsverbrechen” zu beschreiben: “Die Nazis waren das Volk – vom kleinen Arbeiter bis zum hochangesehenen Bürger”, sagt der Sozialpsychologe und Erinnerungsforscher. Jeder habe zu Beginn auf seine Weise mitgeholfen, dass sich der NS-Staat etablieren konnte – “der eine engagierter, der andere skeptischer und gleichgültiger”.

CSU distanziert sich von Nazi-Gruß und Gemeinderatskandidat

CSU distanziert sich von Nazi-Gruß und Gemeinderatskandidat
Vor drei Jahren ist der Pullacher CSU-Gemeinderatskandidat Jörg Kleinsteuber aus der Rolle gefallen. Bei der Burschenschaft “Stauffia” zeigte er den Hitlergruß und rief “Sieg Heil!” Die Münchner Burschenschaft hat den inzwischen 31-Jährigen intern bestraft (ein halbes Jahr lang durfte Kleinsteuber nicht die Stauffia-Abzeichen tragen), die Staatsanwaltschaft ermittelt nun, nachdem anonym eine Anzeige eingegangen ist.

ADL presses protest of Serbian hotel’s popular Adolf Hitler suite – Haaretz – Israel News

ADL presses protest of Serbian hotel’s popular Adolf Hitler suite – Haaretz – Israel News
The Anti-Defamation League said Tuesday it will press its effort to persuade a Belgrade, Serbia hotel owner to stop offering guests an Adolf Hitler-themed suite, after an exchange of letters in which the hotelier defended the suite as an appropriate reminder of an evil leader and noted that his father fought against the Nazis in World War II.

European Jewish leader warns against neo-Nazi phenomenon in Europe

EJP | News | Western Europe | European Jewish leader warns against neo-Nazi phenomenon in Europe
European Jewish Congress President, Moshe Kantor, has warned against the rising number of neo-Nazis in Europe.
Speaking at a special  commemoration organized Monday evening in the European Parliament  on the occasion of International Holocaust Remembrance Day, Kantor said : “There are more neo-Nazis than Jews today in Europe.”
Kantor, who lost half of his family in the Shoah or Holocaust in Ukraine, deplored the ” trivialization” of the neo-Nazi phenomenon and warned  that “lessons of  history have not been learned.”

Rechtsaußen bei Landtagswahlen chancenlos

redok – Rechtsaußen bei Landtagswahlen chancenlos
Bei den gestrigen Landtagswahlen in Niedersachsen und Hessen blieben rechtsextreme Parteien erfolglos. In Niedersachsen erreichte die NPD nur 1,5 Prozent. In Hessen blieb sie sogar unter der Ein-Prozent-Marke, die dort ebenfalls angetretenen “Republikaner” (REP) bekamen nur geringfügig mehr. Vor allem in Niedersachsen hatte die NPD Optimismus verbreitet und mit einem Ergebnis von “sechs Prozent plus X” von einem Einzug in das Landesparlament geträumt. Das landesweite Ergebnis von 1,5 Prozent ist jedoch weit von diesen Vorstellungen entfernt. Die meisten Stimmen bekam sie mit 3,6 Prozent der Zweitstimmen im Wahlkreis Helmstedt, wo der Direktkandidat Friedrich Preuß 3,7 Prozent erreichte. Eines der schlechtesten Ergebnisse erzielte der Landesvorsitzende Ulrich Eigenfeld in seinem Wahlkreis Oldenburg-Nord/West mit 0,8 Prozent. Nur in 42 der insgesamt 87 Wahlkreise konnte die NPD Direktkandidaten antreten lassen. (…) Mit dem landesweiten Ergebnis von 0,9 Prozent ist die NPD offenbar kaum über den engeren Kreis ihrer Anhänger hinausgekommen. Die meisten Stimmen erhielt sie mit 3,0 Prozent im Wahlkreis Wetterau II. Mit diesem Landesergebnis blieb die hessische NPD noch hinter der Konkurrenz im rechtsextremen Lager zurück: Die REP erreichten 1 Prozent (2003: 1,3 Prozent). Das stärkste Ergebnis bekamen sie im Wahlkreis Groß-Gerau I mit 2,3 Prozent.

siehe auch: “Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen…..eine Analyse?”. Unter dieser sehr treffenden Überschrift hat die NPD-Barnim in ihrem “Nationalen Netztagebuch” einen aufschlussreichen Text veröffentlicht: “Gerade mal die Hälfte der Bürger in Niedersachsen waren überhaupt noch bereit den angetreten Parteien eine Stimme zu geben. Sehr beschämend…wenn man mal daran denkt, dass es Zeiten gab, in denen das gesamte deutsche Volk hinter einem Politiker stand.” So offen verkünden NPDler selten ihre Verbitterung darüber, dass es keinen Führer mehr gibt. Und weiter: “Trotz aller Anstrengungen, und gegen linke und zionistische Medienhetze, sieht es zur Zeit so aus, als ob man Westdeutschland als verloren erklären muss.” Auch den antisemitischen Ausdruck “zionistische Medien” findet man in Parteimitteilungen sonst eher selten; NPD scheitert in Hessen an der 1-Prozent-Hürde. Der NPD-Ritter und Anwalt der Gartenzwerge, Marcel Wöll, ist mit seiner Partei beim Sprung über die 1-Prozent-Hürde in Hessen gescheitert. Nach Angaben des Landeswahlleiters entfielen auf die NPD genau 0,874% der abgegebenen Stimmen. Die rechtsradikalen Republikaner kamen demnach auf 1,011%, auch die Freien Wähler liegen mit 0,886% noch vor der völkischen Partei. In Niedersachsen erreichte die NPD trotz eines weit größeren Wahlkampfetats 1,5 Prozent der Stimmen, erhält somit Geld aus der Wahlkampfkostenerstattung. Ein wirklicher Erfolg ist das aber auch nicht, hatte Spitzenkandidat Andreas Molau als Ziel sechs Prozent plus X ausgegeben.

Die fremde Mutter

Die fremde Mutter
1938 musste eine Berliner Jüdin ihr Baby zur Adoption nach Schweden freigeben. Die heute 70-jährige Tochter hat sich nun auf Spurensuche begeben. Magda Goldschmidt mag man kaum glauben, dass sie 70 ist. Die kleine Frau mit der roten Brille und den kurzen Haaren sprüht vor Energie. Sie erzählt ununterbrochen von ihrer ehrenamtlichen Arbeit im Jüdischen Museum in Kopenhagen, von ihrer Familie und der Zeit in Schweden. Und sie fühlt sich wohl in Berlin. Immerhin ist es ihr Geburtstagsurlaub. Es sei eine lange Tradition, an runden Geburtstagen mit der Familie etwas ganz Besonderes zu unternehmen, sagt sie. Aber die gemeinsame Reise mit ihrem Mann und den zwei Söhnen von Kopenhagen nach Deutschland ist für Magda Goldschmidt kein normaler Urlaub, sondern eine Reise in die eigene Vergangenheit. Hier hat sie die ersten Monate ihres Lebens verbracht. Dann kam sie zu Adoptiveltern nach Stockholm. 70 Jahre später macht sie sich auf die Suche nach den Spuren ihrer leiblichen Mutter.

«KIRCHE MITSCHULDIG AM HOLOCAUST»

«KIRCHE MITSCHULDIG AM HOLOCAUST» | AKTIENKURSE & AKTIEN NEWS | AD HOC NEWS
Zum Holocaust-Gedenktag hat der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich ein Schuldbekenntnis für die evangelische Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus abgegeben. «Unsere Landeskirche ist schuldig geworden, weil sie unzähligen Verfolgten und Unterdrückten nicht die Hand gereicht hat», sagte Friedrich am Sonntag bei einem Gottesdienst in der Dachauer Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte. Die Kirchenverantwortlichen hätten sich damals schuldig gemacht, «weil sie den millionenfachen Tod Unschuldiger in Kauf genommen» und geschwiegen hätten, «wo klare Worte hätten gesprochen werden müssen». Friedrich machte auch seinem Vorvorgänger als Landesbischof, Hans Meiser, Vorwürfe. Zwar habe Meiser zu den Wenigen gehört, die den Probst Heinrich Grüber unterstützten, der mehr als 1000 Juden die Ausreise aus Deutschland ermöglicht hatte. Doch Meiser habe auch geschwiegen zu den Judenverfolgungen und den anderen Verbrechen der Nazis. Das Geschehene lasse sich nicht mehr rückgängig machen. Umso mehr bestehe die Verpflichtung, «heute und in Zukunft alles Menschenmögliche zu tun, dass diese Geschichte sich nicht wiederholt», sagte Friedrich.

Holocaust: KZ Halle – Die verdrängte Vergangenheit

Holocaust: KZ Halle – Die verdrängte Vergangenheit – Politik – stern.de
Nach fast 63 Jahren seit Ende des Krieges und 18 Jahren deutscher Einheit haben ostdeutsche Kommunen noch immer Probleme im Umgang mit ihrer dunklen Vergangenheit aus der Nazizeit. Offensichtlich fand der Holocaust immer woanders statt, nur nicht vor der eigenen Tür. Auf einem morastigen, mit Brombeerhecken und Sträuchern überwucherten Feldweg am nordöstlichen Stadtrand von Halle verliert sich die Spur des “Tausendjährigen Reiches” in einer kesselartigen Niederung. Umgeben von knapp zehn Meter hohen Böschungen befindet sich ein Areal mit einer Größe von rund 500 mal 500 Meter – ungefähr so groß wie vier Fußballfelder: Hier am Ende des Feldweges “Zum Goldberg” befand sich seit Juli 1944 das “KZ Birkhahn-Mötzlich”, eines der über 150 Außenlager des KZ Buchenwald. Ein von SS-Kommandos scharf bewachtes Lager, umzäunt mit Stacheldraht und Wachtürmen, die mit Scheinwerfern ausgerüstet waren. Täglich mussten die rund 550 KZ Häftlinge drei bis vier Kilometer zu den Flugzeugwerken Halle (Siebelswerke) hin- und zurück marschieren, um dort für die faschistische Rüstungsproduktion zu schuften. In Tag- und Nachtschichten wurden die Häftlinge vor allem bei der Fertigung von Tragflächen und der Montage für Sturzkampfflugzeuge und Bomber (Ju 88 und Ju 188) zwangsverpflichtet. Abweichungen von der Arbeitsnorm wurden mit Essenentzug und Prügel durch die SS-Wachmannschaften hart bestraft. (…) Das nun Licht in dieses dunkle Kapitel des KZ “Birkhahn-Mötzlich” kommt, ist dem Ortschronisten und Hobby-Historiker Dr. Albert Osterloh (70) zu verdanken. Bei seinen Recherchen in den Bundesarchiven und bei der “Zentralen Stelle zur Verfolgung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg fand Osterloh erstaunliches heraus: Die dortigen Staatsanwälte ermittelten wegen des Aufhängen von zwei Häftlingen im KZ Halle gegen den dortigen Kommandanten , SS-Unterscharführer Johann Plicht (Az IV 429/AR 1947/66). Dabei fanden die Ermittler zwischen 1969 und 1972 acht polnische Überlebende aus dem KZ Halle. Ihre Berichte gehen weit über das jedermann und jederzeit im Internet zugängliche Archiv des “United States Holocaust Memorial Museum (ushmm)”, in dem das KZ Halle auch gut dokumentiert ist, hinaus. Die Überlebenden fertigten eine Skizze des Lagers an und berichteten detailliert über ihre Deportation, über den Lageralltag und die Hinrichtung durch Erhängen: Die Häftlinge Viktor Zebulski und Edmund Czerwinski (beide aus Litzmannstadt) sind Anfang 1945 im KZ Halle erhängt wurden. Mindestens ein weiterer Häftling sei bei einem Fluchtversuch erschossen wurden. Der Holocaust fand auch hier in der Saalestadt statt.

Gedenken an die verfolgten »Asozialen«

28.01.2008: Gedenken an die verfolgten »Asozialen« (Tageszeitung Neues Deutschland)
Mit einem Rundgang an der Rummelsburger Bucht gedachte der Arbeitskreis »Marginalisiert – gestern und heute« am Sonnabend der sogenannten »Asozialen«, gegen die der NS-Staat genau vor siebzig Jahren die Verfolgungsaktion »Arbeitsscheu Reich« einleitete. Dafür hatten die Nationalsozialisten auch die Rummelsburger Arbeitshäuser genutzt, die im 19. Jahrhundert als erste Berliner Einrichtung zur geschlossenen Verwahrung von »Arbeitsscheuen« errichtet worden waren. Rund 40 Teilnehmer fanden sich zu dem Gedenk-Spaziergang ein. »Wir wollen an die sogenannten Asozialen erinnern, die hier von den Nazis inhaftiert und in die KZ verschleppt wurden«, sagte Anne Allex von dem Arbeitskreis. 19 Arbeitshäuser waren hier 1877 errichtet und bis in die NS-Zeit genutzt worden.

Sinti: Politik mitverantwortlich für Rechtsextremismus

< sz-online | sachsen im netz > – Sinti: Politik mitverantwortlich für Rechtsextremismus
Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma hat die Politik für zunehmenden Rechtsextremismus mitverantwortlich gemacht. Bis heute reiße die Gewalt rechtsradikaler Täter nicht ab, sagte der Vorsitzende des Zentralrates, Romani Rose, am Sonntag auf einer Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus in Dresden. „Zweifellos sind die Versäumnisse der Politik mitverantwortlich für diese fatale Entwicklung.“ Die Einschüchterung und Misshandlung von Menschen mitten in der Öffentlichkeit sei von verantwortlichen staatlichen Stellen vielfach verharmlost oder ignoriert worden. Der 27. Januar ist der Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz und der internationale Gedenktag an die Opfer des NS- Regimes. (…) Laut Rose muss einer schleichenden Aushöhlung der demokratischen Kultur durch Rechtsradikale, Neonazis und deren Vordenker besonderes Augenmerk gelten. Mit fast unkontrollierter Ausbreitung rassistischen Gedankenguts via Internet sei eine völlig neue Form der Bedrohung gerade der jungen Generation entstanden. Vor allem in Ostdeutschland sei die Jugendkultur „in weiten Teilen von der neonazistischen Ideologie geprägt“.