Strong European Parliament call to address antigypsyism

The Alliance Against Antigypsyism welcomes the adoption of a European Parliament Resolution yesterday calling the EU and Member States to adopt strong Roma inclusion plans post-2020 and to step up the fight against antigypsyism – the specific form of racism towards Roma. “This Resolution is a step forward in the recognition of antigypsyism as the root cause of social exclusion of Roma”, said Gabriela Hrabanova, Director of the European Roma Grassroots Organisations Network. “We now need both the European Commission and EU Member States to take that commitment forward when they develop future Roma inclusion plans to be implemented from 2020 onwards.” The Resolution calls for a number of measures to improve the EU Roma Framework after 2020, including: a stronger focus on antigypsyism and a specific goal on non-discrimination; the involvement of Roma in the design, implementation, monitoring and evaluation of Roma inclusion strategies; ensuring that intersectional discrimination, gender mainstreaming and a child-centred approach are properly addressed; and the inclusion of a truth, recognition and reconciliation process.
When revising National Roma Integration Strategies, EU Member States should recognise antigypsyism as a form of racism and ensure appropriate sanctions, in line with national anti-discrimination and anti-racism legislative frameworks. Member States should also make sure that they allocate adequate national funding to measures for Roma inclusion and for combating antigypsyism, in addition to European funds. In addition, although the Resolution acknowledges the importance of involving Roma in the design of the EU Framework, there is a need for a proper mechanism, including financial resources, to ensure that lip service is not paid to Roma participation.

via enar: Strong European Parliament call to address antigypsyism

Der Völkermord an den Sinti und Roma

Mit “Vernichtung durch Arbeit” in Konzentrationslagern und Zwangssterilisation wollten die Nazis das “Zigeunerproblem” lösen. In Dachau, Flossenbürg und vor allem in Auschwitz wurde das bittere Realität. Mit dem bayerischen “Zigeunergesetz” von 1926 hatte sich die Situation für Sinti und Roma schon vor Hitlers Machtübernahme erheblich verschärft. Nach 1933 waren “Arbeitsscheue” und “Asoziale” – im NS-Jargon lebten die Begriffe der 1920er-Jahre fort – noch mehr im Visier der Behörden. Ab 1935 begann die offizielle Verfolgung aus rassistischen Gründen. Mit den Nürnberger Gesetzen wurden nicht nur Juden, sondern auch Sinti und Roma herabgestuft, obwohl sie im Sinne der Nationalsozialisten wegen ihrer indischen Herkunft eigentlich hätten als “Arier” eingestuft werden müssen. Begründet wurde dies pseudowissenschaftlich: “Artfremdes Blut ist alles Blut, das nicht deutsches Blut … ist”, schrieben Wilhelm Stuckart und Hans Globke, später Kanzleramtschef unter Konrad Adenauer, in den Kommentar von 1936 zu den Nürnberger Gesetzen. (…) Die systematische Verschleppung in Konzentrationslager, zunächst nach Dachau, Sachsenhausen und Buchenwald, begann 1936. Ab 1940 wurden Sinti und Roma – unter ihnen auch Kinder – zudem in Arbeitslager und Ghettos im von Deutschland besetzten Polen deportiert. Wer dort nicht durch Hunger und Krankheit zugrunde ging, wurde im Januar 1942 im Vernichtungslager Chelmno vergast. Am 16. Dezember 1942 verkündete SS-Führer Heinrich Himmler den sogenannten “Auschwitz-Erlass”. Porajmos (“Verschlingen”) heißt bei Sinti und Roma das, was Juden Shoa nennen – gemeint ist der Völkermord. Die Karte zeigt die wesentlichen Konzentrations- und Vernichtungslager, in denen Sinti und Roma ermordet wurden. [mehr – Wissen | zur Infografik: Porajmos – Ermordete Sinti und Roma in Europa ]
Ab Februar 1943 wurden insgesamt rund 23.000 Sinti und Roma ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau transportiert, wo die SS ein eigenes “Zigeunerlager” in 30 ursprünglich als Pferdeställe gedachte Baracken einrichtete.

via br: Der Völkermord an den Sinti und Roma

Hakenkreuz-Schmiererei während der Holocaust-Gedenkstunde

Während im Max-Haus an die Opfer der Nazi-Diktatur erinnert wurde, beschmierten Unbekannte das Schild am Haus des Landesverbandes der Sinti und Roma. Der Staatsschutz ermittelt. Während der Gedenkstunde für die Opfer des Holocaust am Sonntagabend im Max-Haus machten sich unbekannte Täter am Schild des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma an der Kölner Straße zu schaffen, wo sich auch die Beratungsstelle befindet. Das Außenschild wurde mit einem großen Hakenkreuz verschmiert. Der Verband erklärte, dies sei ein „volksverhetzender Angriff auf Sinti und Roma und eine bewusste Verhöhnung der Opfer des nationalsozialistischen Völkermondverbrechens.“

via wz: Hakenkreuz-Schmiererei während der Holocaust-Gedenkstunde

Rose warnt AfD vor Verzerrung des Geschichtsbilds

Der Vorsitzende des Zentralsrats Deutscher Sinti und Roma, Rose, hat der AfD vorgeworfen, ein verzerrtes Geschichtsbild in die Gesellschaft zu tragen. Äußerungen wie die des thüringischen Fraktionsvorsitzenden Höcke seien kein Patriotismus, sondern Nationalismus, sagte Rose im Deutschlandfunk (Audio-Link). Dem müsse man klar entgegentreten. Er begrüße deshalb die Entscheidung der „Stiftung Gedenkstätte Buchenwald“, Vertretern der AfD die Teilnahme an einer Gedenkfeier zu verwehren.

via deutschlandfunk: Rose warnt AfD vor Verzerrung des Geschichtsbilds

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Von Zentralrat Deutscher Sinti und Roma – Zentralrat Deutscher Sinti und Roma (http://zentralrat.sintiundroma.de/), CC0, Link

Gedenkstätte #Buchenwald: #AfD-Politiker nicht willkommen – #weremember #niewieder #nazisraus

Am Sonntag wird beim internationalen Holocaust-Gedenktag wieder an die Millionen Opfer der NS-Schreckensherrschaft erinnert. In Thüringen ist aber nicht jeder bei Gedenkveranstaltungen erwünscht. AfD-Politiker sind im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald bei Gedenkveranstaltungen nicht willkommen. Darauf machte die Stiftung der Gedenkstätte bei Weimar kurz vor dem Holocaust-Gedenktag an diesem Sonntag aufmerksam. Sie halte es für geboten, «dass Vertreter der AfD an einer Gedenkveranstaltung an diesen Orten nicht teilnehmen, solange sie sich nicht glaubhaft von den antidemokratischen, menschenrechtsfeindlichen und geschichtsrevisionistischen Positionen in ihrer Partei distanzieren», hieß es in einer am Donnerstagabend veröffentlichten Stellungnahme der Stiftung. Am Freitagnachmittag soll in der Gedenkstätte mit Überlebenden und Vertretern der Thüringer Landesregierung ein Kranz für die Opfer niedergelegt werden. Am Sonntag ist der internationale Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Es wird der sechs Millionen ermordeter europäischer Juden gedacht, der Sinti und Roma, der Zwangsarbeiter und der vielen anderen Opfer des Nazi-Terrors. (…) Im Konzentrationslager (KZ) Buchenwald in der Nähe von Weimar starben bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges mehr als 56.000 Menschen an Folter, medizinischen Experimenten oder Hunger und Krankheit. In speziellen Einrichtungen wurden mehr als 8000 sowjetische Kriegsgefangene erschossen. Es war eines der größten KZ auf deutschem Boden. Von 1937 bis April 1945 verschleppten die Nationalsozialisten rund 270.000 Menschen aus ganz Europa hierhin.
Anfang 2017 hatte die Gedenkstätte dem Thüringer AfD-Fraktionschef Björn Höcke ein Hausverbot erteilt. Höcke hatte zuvor in einer Rede in Dresden unter anderem mit Blick auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin gesagt: «Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.»

via freie presse: Gedenkstätte Buchenwald: AfD-Politiker nicht willkommen

siehe auch: Rechte in KZ-Gedenkstätten “Wir haben einen Notfallplan”. Die KZ-Gedenkstätte Buchenwald hat AfD-Mitgliedern Hausverbot ausgesprochen. So weit gehen andere Erinnerungsorte nicht – doch auch sie sind auf unliebsamen Besuch vorbereitet. Nach der Entscheidung der Gedenkstätte des KZ Buchenwald, AfD-Mitgliedern Hausverbot zu erteilen, unterstützen weitere deutsche Gedenkstätten das Vorgehen. “Wir würden es genau so machen, hätten wir einen ähnlichen Fall”, sagte Jörg Skriebeleit, Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg in Bayern. Flossenbürg selbst habe noch keine gezielten Anfeindungen durch AfD-Mitglieder erfahren, ein Notfallplan sei aber bereits ausgearbeitet; Gedenkstätte Buchenwald: AfD-Politiker nicht willkommen. AfD-Politiker sind im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald bei Gedenkveranstaltungen nicht willkommen. Darauf machte die Stiftung der Gedenkstätte bei Weimar kurz vor dem Holocaust-Gedenktag an diesem Sonntag aufmerksam. Sie halte es für geboten, «dass Vertreter der AfD an einer Gedenkveranstaltung an diesen Orten nicht teilnehmen, solange sie sich nicht glaubhaft von den antidemokratischen, menschenrechtsfeindlichen und geschichtsrevisionistischen Positionen in ihrer Partei distanzieren», hieß es in einer am Donnerstagabend veröffentlichten Stellungnahme der Stiftung.
Am Freitagnachmittag soll in der Gedenkstätte mit Überlebenden und Vertretern der Thüringer Landesregierung ein Kranz für die Opfer niedergelegt werden. Am Sonntag ist der internationale Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Es wird der sechs Millionen ermordeter europäischer Juden gedacht, der Sinti und Roma, der Zwangsarbeiter und der vielen anderen Opfer des Nazi-Terrors.

Wir führten in vielen Sprachen den gleichen harten, erbarmungslosen, opferreichen Kampf, und dieser Kampf ist noch nicht zu Ende. Noch wehen Hitlerfahnen! Noch leben die Mörder unserer Kameraden! Noch laufen unsere sadistischen Peiniger frei herum! Wir schwören deshalb vor aller Welt auf diesem Appellplatz, an dieser Stätte des faschistischen Grauens:
Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht! Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel. Das sind wir unseren gemordeten Kameraden, ihren Angehörigen schuldig.

Steinmeier: Kultur der #Sinti und #Roma “oft verdrängt und unterdrückt” – Erinnerung an “vergessenen #Holocaust” – #weremember

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat an die von den Nationalsozialisten an Sinti und Roma begangenen Verbrechen erinnert. Es sei gut, dass der mit Recht so genannte “vergessene Holocaust” mehr und mehr ins allgemeine Bewusstsein gelange. Viele hätten zu dieser Entwicklung beigetragen: An erster Stelle Sinti und Roma selbst, “die unermüdlich auf das schreckliche Schicksal einer halben Million Mordopfer in Europa, davon 20.000 deutsche Sinti und Roma, hingewiesen haben – und auf den dauernden Schmerz, der in fast allen Ihren Familien bis heute lebendig ist”, sagte der Bundespräsident bei einem Kulturabend am Dienstag zu Ehren der größten europäischen Minderheit im Schloss Bellevue.
“Aus dem gleichen Motiv des Rassenwahns” Steinmeier bekräftigte Worte eines seiner Amtsvorgänger, Roman Herzog, der 1997 gesagt hatte, dass der Völkermord an den Sinti und Roma von den Nationalsozialisten “aus dem gleichen Motiv des Rassenwahns, mit dem gleichen Vorsatz und dem gleichen Willen zur planmäßigen und endgültigen Vernichtung” durchgeführt worden sei wie der an den Juden. Die Kultur der Roma, Sinti und Jenischen sei eine in Europa und in Deutschland “oft bewusst oder unbewusst übersehene, vernachlässigte, ja verdrängte oder sogar unterdrückte Kultur”, sagte Steinmeier weiter. Allzu oft sei sie “von lauter Vorurteilen, Stereotypen und Klischees bis zur Unkenntlichkeit verdeckt”.
In vielen Teilen Europas würden “heute neu Ressentiments gegen Minderheiten, besonders auch gegen Sinti und Roma, geschürt und für politische Zwecke instrumentalisiert”, warnte das Staatsoberhaupt.

via domradio: Steinmeier: Kultur der Sinti und Roma “oft verdrängt und unterdrückt” – Erinnerung an “vergessenen Holocaust”

Bundespräsident Steinmeier erinnerte gestern an den "vergessenen Holocaust" an den Sinti und Roma.https://bit.ly/2T93EIl#sinti #roma #NeverForget #HolocaustMemorialDay

Posted by Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma on Wednesday, January 23, 2019

Dijana Pavlovic works to give the Roma a more political voice

The actress-turned-activist is based in Italy, where anti-Roma attitudes are marked. She uses performance and poetry to change perceptions of Roma people. On a stage above a rapt audience, Dijana Pavlovic’s words fill Piazza del Duomo in Milan, Italy. “Now and forever resist!” she yells, finishing an impassioned reading of Erri De Luca’s poem “La notte degli zingari” or “The Night of the Gypsies.” The poem is a poignant retelling of the genocide of the Roma people during World War II, when about 3,000 died in a single night at Auschwitz in 1944. The audience gives fierce applause to Ms. Pavlovic, a theater actress-turned-activist who is one of the most visible members of Italy’s Roma community. The crowd bursts into a spirited singing of “Bella Ciao,” an Italian folk song and an anthem of the anti-Fascist movement.
“The Roma movement in Italy and all Europe is growing up. It’s organizing, and we’re winning in the wider movement against this terrible period, this black period of racism,” says Pavlovic in an interview with the Monitor, her voice hoarse from her performance. Pavlovic is trying to change how Italians interact with and perceive one of the country’s oldest minorities. And she’s working to boost the Roma’s political representation. She’s run for several offices herself, and although she was unsuccessful, she thinks the campaigns have helped reshape stereotypes of the Roma. Knowing that such work is ongoing, she is also among those promoting political mentoring for young Roma. Her poetry reading, at a large Italian Democratic Party protest, was during a busy weekend for her last fall. She also helped organize a Roma concert and a rally against Deputy Prime Minister Matteo Salvini, who has taken a hard-line immigration stance.

via csmonitor: Dijana Pavlovic works to give the Roma a more political voice

#Roma in #Plauen: Es brennt immer noch – #kaltland #pack #leitkultur

Lucia und ihr Sohn Demir erlitten bei dem Feuer vor einem Jahr schwere Verbrennungen. Ein Haus voller Menschen brannte. Dieses Feuer vor genau einem Jahr warf ein Licht darauf, wie Roma in Plauen leben. Heute wohnen alle wieder unter einem Dach: Nazis, Drogensüchtige und Ausländer. Neu sind nur diese Narben. Bei Demir, 3, ist die Haut der Hände kaputt. Die rechte ist steif geworden. Bei Lucia, seiner Mutter, sieht der rechte Arm aus, als hätte sie die Haut einer Schlange. Lucia, die zur Volksgruppe der Roma gehört, zieht das Shirt hoch und zeigt ihren vernarbten Bauch. Sie zieht die Hosen runter. Auch dort neue Haut. Ärzte haben sie aufgenäht. Als es brannte in der Plauener Trockentalstraße umklammerte sie mit dem rechten Arm Demir. Sie rannte mit ihm am Feuer vorbei. Lucia, die junge Frau, die Karo-Hemden trägt und Augenringe und sagt, dass sie nachts erst um drei einschläft, weil sie Angst hat. Zweimal brannten die Häuser ihrer Familie in Plauen. Erst am 29. Dezember 2017, dann am 5. Februar 2018. Sie brannten, weil es sozialen Zündstoff gab. Bis auf die Brandnarben ist alles wie früher. Als hätte es die beiden angezündeten Häuser und den Aufschrei der Roma-Vereinigung nie gegeben, nie die Polizeieinsätze aus Sorge um die Kinder. Als hätte nie jemand gesehen, dass etwas schief läuft. Im Herbst, als bundesweit die interkulturelle Woche lief, hielt Gjulner Sejdi einen Vortrag über Roma in Plauen. Er ist der Chef des sächsischen Roma-Vereins Romano Sumnal. Trotz bundesweiter Medienberichte ist alles wie vor den Bränden in Plauen, sagte Sejdi. Die Menschen, die binnen fünf Wochen zwei verheerende Feuer erlebten und obdachlos wurden, sitzen wieder auf dem Pulverfass. Irgendwo in Plauen, bis zum Zentrum ist es nicht weit. Die Slowaken teilen sich ein verschlissenes Haus mit Nazis und Drogensüchtigen. Dieselben Leute wie vergangenen Winter, als es brannte, wohnen wieder unter einem Dach. Die Polizei fuhr seit Januar 22-mal zu diesem Haus, sagt ein Sprecher. Meistens ging es um Straftaten. Bei einem Einsatz haben die Beamten Gefahrenabwehr als Grund notiert.
Ab und zu schmeißen die Nachbarn Bierflaschen ins Treppenhaus. Deshalb klebt der Boden, sagt Lucia. Die Scherben habe sie aufgesammelt, wegen der Kinder. Aber gewischt habe sie nicht. Im Treppenhaus liegt Müll. Bretter, Kippen, Abfallbeutel. Die Nazis würden “Fick dich” zu den Roma-Kindern rufen. Lucias Schwester habe deswegen schon die Polizei angerufen. Da kann man nichts machen, hätten die Beamten gesagt. Lucia hat Angst. Manche Nachbarn dröhnen sich mit Crystal zu. Sie haben Decken vor ihre Fenster getackert und sind schon morgens auf Droge. Diese Leute waren auch früher an der Dürerstraße ihre Nachbarn. Zwei Menschen aus dieser Drogen-WG verbrannten. Als hätte sich alles wieder zurechtgeschüttelt. Alle wieder unter einem Dach: Menschen, die so weit am Rand stehen, dass man sie nicht sieht in der Stadt. Auch ihre Kinder nicht, nur manchmal im Discounter, wo sie alleine einkaufen gehen.
Ein Mann, dem mehr als 20 Häuser in Plauen gehören, hat sich darauf spezialisiert, an Menschen zu vermieten, die auf dem üblichen Wohnungsmarkt schwer vermittelbar sind. Das ist ein Geschäftsmodell. In einem seiner Häuser sind die Leute wieder untergekommen. Auch Lucia.
“Lassen Sie nicht zu, dass Einwohner Ihrer Stadt zu Opfern werden und in Angst leben müssen.” Das schrieb Sejdi vom Roma-Verein im Januar an Landrat und Oberbürgermeister. In Plauen seien die Umstände, unter denen die Roma leben, schlimmer als anderswo in Sachsen. Das Jugendamt des Vogtlandkreises hatte damals nichts zu beanstanden. Auf eine erneute Presseanfrage reagiert das Landratsamt ausweichend. Aufgrund des Datenschutzes könne man keine Auskunft geben, so die Pressestelle. Zur Frage, ob das Sozialgefüge in dem Haus bekannt sei, heißt es: “Generell kann jeder Bürger in eine Wohnung einziehen, die er mag … Probleme im Haus bzw. Hausflur sind Vermietersache.”

via freie presse: Roma in Plauen: Es brennt immer noch

Johann #Trollmann: Die Tragödie eines sinto-deutschen Boxers – #remember #thisdayinhistory – Geboren 27.12.1907

Am 9. Juni 1933 feierte der Sinto–Deutsche Johann Trollmann seinen größten sportlichen Erfolg – er gewann die Deutsche Meisterschaft im Halbschwergewichtsboxen. Im Biergarten einer Brauerei besiegte er Adolf Witt klar nach Punkten. Boxkämpfe vor großem Publikum unter freiem Himmel waren damals keine Seltenheit. In der Weimarer Zeit wurde der Boxsport populär. Zuvor als proletarische »Klopperei« abgetan, verhalfen Ausnahmesportler wie Trollmann Box-Veranstaltungen zu ihrem gesellschaftlichen Ansehen. Auch Hans Albers und Bertolt Brecht saßen bei seinen Kämpfen am Ring. Trollmann, 1907 bei Hannover geboren, bot Faustfechten statt einer stumpfen Prügelei: Sein tänzelnder beweglicher Boxstil verhalf ihm zu dem Spitznamen »Rukeli«, was auf Sinto soviel wie »biegsames Bäumchen« bedeutet. Anstatt unbeweglich auf den Gegner einzudreschen, wie die meisten Boxer, wich der drahtige junge Mann mit Pendelbewegungen und flinken Schritten seinen Gegnern aus und setzte blitzschnell seine eigenen Schläge, ansatzlos und sauber platziert. Während der Kämpfe spaßte er mit dem Publikum, warf Frauen eine Kusshand zu – und den dazwischen grölenden Männern eine passende Antwort an den Kopf. Mit seiner schwarzen Lockenmähne und den schönen braunen Augen avancierte der groß gewachsene Athlet zum Sexsymbol und Publikumsliebling. Wenn Trollmann durch den Ring tänzelte, wirkte alles an ihm leicht und unbeschwert. Doch nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler im Januar 1933 erging es Trollmann kaum anders als vielen Musiker_innen, Maler_innen oder Schriftsteller_innen. (…) Im Frühjahr 1934 musste er seine Profiboxerkarriere zwangsweise beenden. In den folgenden Jahren waren Trollmann und seine Familie von der fortschreitenden Ausgrenzung und Diskriminierung der Roma und Sinti betroffen. Einige Familienangehörige wurden zwangssterilisiert, andere interniert. Er selbst schlug sich als Kellner und Rummelboxer durch. Im September 1938 ließ sich Trollmann von seiner Frau Olga scheiden, in der Hoffnung, sie und die gemeinsame Tochter so vor Verfolgung zu schützen. Zu diesem Zeitpunkt standen so genannte Zigeunermischlinge unter besonderer Beobachtung nationalsozialistischer Rassenkundler und der Reichskriminalpolizei. Im November 1939 wurde Trollmann in die Wehrmacht einberufen; von den Kämpfen fürs Vaterland waren die Sinti und Roma noch nicht ausgeschlossen. Nachdem er als Infanterist in Polen, Belgien und Frankreich stationiert war, wurde er im Frühjahr 1941 an die Ostfront geschickt, wo er nach dem Überfall auf die Sowjetunion verwundet wurde. Zeitgleich fanden die ersten Massenerschießungen sowjetischer Sinti und Roma statt. 1942 gab das Oberkommando der Wehrmacht einen Erlass heraus, der Sinti und Roma aus »rassenpolitischen Gründen« vom Wehrdienst ausschloss; auch Trollmann wurde aus der Wehrmacht entlassen. Mehrere Angehörige seiner Familie waren zu diesem Zeitpunkt bereits in Arbeitslagern inhaftiert und mussten Zwangsarbeit leisten.
Im Juni 1942 wurde Trollmann in Hannover verhaftet und in die berüchtigte »Zigeunerzentrale« gebracht, wo man ihn schwer misshandelte. Von dort aus wurde er im Oktober in das KZ Neuengamme bei Hamburg deportiert. . (…) Die Familie Trollmanns erlebte im Nachkriegsdeutschland ein typisches Schicksal für Roma und Sinti. Es gab weder eine Entschädigung noch eine Anerkennung für die erlittene Verfolgung. Im Gegenteil, die Deportationen in die Konzentrationslager wurden immer wieder als kriminalpolizeiliche Präventionsmaßnahme gerechtfertigt.

via aib: Johann Trollmann: Die Tragödie eines sinto-deutschen Boxers

siehe auch: Vergessenes Denkmal neben dem Festspielhaus Hellerau. Seit 2012 besitzt Dresden ein kaum bekanntes Denkmal für den Boxer Johann Wilhelm „Rukeli“ Trollmann neben dem Festspielhaus Hellerau. Im Rahmen einer gewünschten Erinnerungskultur ein mehr als unwürdiger Standort, der einst nur temporär gedacht war und nun dauerhaft die Lösung ist. Es ist farblos, halb verborgen durch Bäume und fällt dem Besucher neben dem riesigen Festspielhaus Hellerau kaum ins Auge: Seit 2012 besitzt Dresden ein fast unbekanntes Denkmal für den Boxer Johann Wilhelm „Rukeli“ Trollmann. Der Sinto-Deutsche war 1933 Deutscher Meister im Halbschwergewicht geworden. Der Titel wurde dem „nicht-arischen“ Sportler jedoch wenige Wochen nach seinem Erfolg vom NS-Regime aberkannt.

Johann Wilhelm Trollmann, 1928
Von Hans Firzlaff – sintiundroma.de, Gemeinfrei, Link

website zu johann trollmannBroschüre: Johann Trollmann, genannt „Rukelie” (PDF)

“Die Behörden haben Angst vor den Roma, weil sie nichts über sie wissen”

Stefan Heinichen engagiert sich seit mehr als dreissig Jahren im Kampf gegen die Diskriminierung der Roma in der Schweiz und im restlichen Europa. Die Weigerung der Landesregierung, die Roma als nationale Minderheit anzuerkennen, kann er nicht nachvollziehen. (…) Seit 2016 vertritt Heinichen die Roma und deren Belange in der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR). Dem Kampf gegen Diskriminierungen, in der Schweiz wie auch in anderen europäischen Ländern, hat er sich vor mehr als dreissig Jahren verschrieben. “Behörden, Medien und Politiker haben ein stereotypes und reichlich simples Bild der Roma. Diese gelten als ärmliche Nomaden oder Flüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien, die hierherkommen, um zu betteln und abzusahnen”, erklärt er. “Wir sind daran, dieses Image auf verschiedenen Ebenen zu verändern, doch das braucht Zeit.” Stefan Heinichen ist ein Macher. In Bulgarien, Deutschland, Italien und insbesondere in der Tschechischen Republik hat er lokale Roma-Gemeinschaften unterstützt. In der Schweiz macht er Projektarbeit, ist als Jugendarbeiter tätig, fungiert als Dolmetscher für Flüchtlinge und setzt sich als Mediator für die Fahrenden ein. Sein Wissen und seine Erfahrungen kommen den anderen Mitgliedern der Antirassismus-Kommission zugute. “Sie haben erkannt, dass die Sache viel komplexer ist, als sie zunächst glaubten”, verrät Heinichen. Der Entscheid des Bundesrats vom vergangenen Juni hat ihn in Rage versetzt. Die Landesregierung hat es abgelehnt, die Roma als nationale Minderheit anzuerkennen, da die Kriterien für eine solche Anerkennung nicht erfüllt seien. Die Schweiz hat das Rahmenübereinkommen des Europarats zum Schutz nationaler Minderheiten ratifiziert und in diesem die Angehörigen der nationalen sprachlichen Minderheiten, die Angehörigen der jüdischen Gemeinschaft und die Fahrenden aufgeführt. Auf Antrag der mehrheitlich sesshaften Gemeinschaften, die eine Benennung “gemäss der Selbstbezeichnung” der Minderheiten verlangten, hat die Schweiz in der Folge den Begriff “Fahrende” durch Jenische und Sinti/Manouches ersetzt. Daraufhin stellten Roma-Verbände den Antrag, ihre Gemeinschaft sei ebenfalls als nationale Minderheit im Sinne des Rahmenübereinkommens anzuerkennen. Ein entsprechendes Gesuch wurde 2015 eingereicht.

via swissinfo: “Die Behörden haben Angst vor den Roma, weil sie nichts über sie wissen”