Neo-Nazi C14 vigilantes appear to work with Kyiv police in latest ‘purge’ of Roma

Members of the neo-Nazi C14 movement, together with the ‘Kyiv Municipal Watch’ civic organization which is led by C14 activist Serhiy Bondar, have carried out another raid, driving Roma citizens out of the area around the Southern Railway Station in Kyiv. The raid does not appear to have been accompanied by shocking images of violence like some five others this year, but that is the only positive difference. What is much more disturbing is that the action appears to have been with the cooperation of the police, and was essentially given glowing coverage on a national television news broadcast.  Bondar posted a video on his Facebook page on 24 October, together with a caption reading (in his words): “A purge of gypsies at the capital’s railway station”. He later began backtracking, claiming that they had not driven anybody away that they had simply posted videos “with gypsies who rob people” – as their “ethnic trade” – and that the police, to their amazement, had done it themselves.  It is worth noting that the above language, and worse, are used extensively by Bondar and other C14 activists. This is just one of the reasons for concern at indications that these far-right vigilantes appear to be working closely with the police. That is certainly the impression given by the TSN.ua news broadcast on 24 October, which Bondar proudly posted on his FB page. It is small wonder that he was pleased since the presenter of the feature virtually parrots parts of the C14 video, with only two Roma people driven out shown in a negative light. There is one telling detail, namely that the television program is carefully not to ethnically label the people driven out, with the feature entitled: ‘Police and civic activists tried to clean the capital’s station of thieves’. It does, however, show the activists wearing camouflage gear and chevrons clearly showing the C14 symbol, and little effort would be required to find out how C14 presents its vigilante activities, and why this organization has gained notoriety over recent months.  There may well be a problem with thieves at Kyiv stations, and there is little sense in closing ones eyes to the fact that some of the Roma who come to Kyiv and live temporarily near the stations are involved in criminal activities. Thieves should undoubtedly be stopped, but that is the task of the police, not of C14 vigilantes with racist views, a shocking track record and openly declared willingness to cause trouble to people’s ‘enemies’ for money. There have been a minimum of five attacks on Roma camps since April this year; with the last leaving one young man dead and a woman and child injured. All of the attacks – at Lysa Hora in Kyiv on 21-22 April; Rudne on 9 May; the Ternopil Oblast on 22 May; at Holosiyiv Park in Kyiv on 7 June and near Lviv on 24 June – seem to have been carried out by activists involved in far-right groups. One C14 activist, Serhiy Mazur, was recently placed under house arrest over charges relating to the attack on a Roma settlement on Lysa Hora in Kyiv. As reported, there was effectively a pogrom on April 21-22, with families driven out and their makeshift homes burned. All of this was described in detail, albeit with euphemisms, by Mazur on his Facebook page.

via khpg: Neo-Nazi C14 vigilantes appear to work with Kyiv police in latest ‘purge’ of Roma

Antiziganismus in den Medien – „Ungehemmter Rassismus“

Obdachlosigkeit, Betteln, Kriminalität – immer wieder werden Roma in Berliner Medien damit in Verbindung gebracht. Sagt Andrea Wierich von Amaro Foro. taz: Frau Wierich, Sie beschäftigen sich seit Jahren mit Antiziganismus in den Berliner Medien. Haben Sie Beispiele? Andrea Wierich: Da kann ich gleich etwas aus der taz nehmen: Es gab vor nicht langer Zeit einen guten Artikel über Fälle der Diskriminierung von Roma. Und was zeigte das Bild dazu? Frauen mit Kopftüchern und ganz vielen Kindern. Ein anderes Bild zu einem Artikel über die Räumung eines Zeltlagers zeigte eine Frau, die auf dem Boden kniet und bettelt. In der Bildunterschrift stand dann: „Das Betteln ist nur ein antiziganistisches Klischee, sagen Romaverbände“. Was bleibt aber hängen: das Klischee oder die Aussage in der kleinen Bildunterschrift? Wie steht es um die Inhalte der Artikel? Was uns viel beschäftigt, ist die Nennung der Zugehörigkeit zu den Roma in Berichten über Obdachlosigkeit, Kriminalität und andere soziale Phänomene. Häufig sind das nur Zuschreibungen, die gerade beim Thema Obdachlosigkeit und Betteln auf jahrhundertealten Stereotypen beruhen. Das wirkt sich dann aber auf die gesamte Minderheit aus. (…) Welche Folgen haben diese Darstellungen für die Roma? Das ist ganz gut durch Studien belegt. Bei der Mitte-Studie 2016 etwa haben zwei Drittel der Befragten gesagt, dass Sinti und Roma zur Kriminalität neigen würden. Es gab auch vergleichbare Zustimmungswerte dafür, alle Roma aus dem Innenstadtbereich zu verbannen. Antiziganismus ist heute die virulenteste Form von Rassismus, die am ungehemmtesten geäußert wird. Die Folge sind vielfältige Diskriminierungen in Behörden, durch die Politik, im Alltag. Zum Beispiel? Es gibt alle Jahre wieder die Debatte über die angeblich kinderreichen Osteuropäer, die nur nach Deutschland kämen, um hier Kindergeld zu beziehen. Diese Debatte wäre gar nicht denkbar, gäbe es nicht das jahrhundertealte Klischee der kinderreichen Roma-Familie. Das führt dann tatsächlich in den Behörden zu immer mehr Restriktionen. Etwa, dass Menschen teilweise den Impfpass ihrer Kinder vorlegen müssen, bevor sie Kindergeld ausgezahlt bekommen. Versuchen Sie selbst auch Stereotype zu widerlegen? Um die Debatte geradezurücken, weisen wir auch hin und wieder darauf hin, wie viele Rumänen und Bulgaren in Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind. Unser Ansatz ist aber ein grundsätzlicher: Ein Stereotyp ist immer eine Pauschalisierung und die ist gefährlich.

via taz: Antiziganismus in den Medien – „Ungehemmter Rassismus“

Das unvergessene Leid der Sinti-Familien

In Okriftel erinnert jetzt eine Sandstein- Stele an Sinti-Familien, die von Nazis verschleppt und ermordet wurden. Aber sie soll angesichts aktueller Entwicklungen mahnen. Von ihrem verstorbenen Großvater hat sie so gut wie nichts gewusst, seine Lebensgeschichte war ein blinder Fleck für die Enkelin Marliese Gier. Sie hatte auch keine Ahnung von den unfassbaren Greueltaten, welche die Nazis ihrer aus Hattersheim-Okriftel stammenden und gut integrierten Sinti-Familie angetan hatten. Fast alle ihre Vorfahren wurden ausgelöscht, weil sie nach der nationalsozialistischen Rassenideologie als „deutsche Zigeuner“ galten. „Vielleicht gibt es noch welche unter Ihnen, die mir von meinem Großvater Gustav Keck erzählen können? Ich bin auf Sie angewiesen“, bat am Samstag die Enkelin. Dem kollektiven Vergessen der Sinti-Familien Keck, Adam und des Ehepaars Kreuz hat die Hattersheimer Arbeitsgemeinschaft Opfergedenken ein Ende gesetzt. Sie enthüllten im Beisein Giers und des hessischen Landesvorsitzenden der Sinti und Roma, Adam Strauß, am Rande des Okrifteler Kirchplatzes unweit des früheren Wohnhauses der Familie ein Mahnmal. Die 350 Kilogramm schwere Sandstein-Stele mit Giebeldach, eine Arbeit des Hattersheimer Künstlers Kai Wolf, ziert ein großes Ventilrad der früheren Zellulosefabrik Phrix, in der Gustav Keck arbeitete. Darüber thront die Inschrift „Sie lebten in unserer Mitte.“ Auf einer Metalltafel sind die Namen von 15 Opfern aufgelistet. Das Okrifteler Mahnmal ist eines von zweien in ganz Deutschland, die auf Betreiben der Bürger aufgestellt worden seien, hob Strauß hervor. Dies mache die Stele zu etwas Besonderem.
Bedeutung von Akzeptanz und Toleranz Für den Hattersheimer Bürgermeister Klaus Schindling (CDU) ist das Mahnmal ein Anlass zum Innehalten und zum „Nichtvergessen“, wie er sagte. Es hebe die Bedeutung von Akzeptanz und Toleranz hervor und werbe dafür, christliche Werte in einer multikulturellen Gesellschaft hochzuhalten. Ausdrücklich lobte er die zehnjährige Forschungsarbeit der AG Opfergedenken, ohne die das Mahnmal wohl nicht errichtet worden wäre. „Gedenken ist nicht möglich ohne Erinnerung. Aus dem Erinnern erwächst das Gebot zur Mahnung“, sagte die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Ulrike Milas-Quirin. Anders als bei der Gründung der AG Opfergedenken sei es mit dem Mahnen heute aber nicht mehr getan. Keiner hätte sich vor neun Jahren vorstellen können, dass heute Rechtspopulisten salonfähig würden. Dass ihre „völlig enthemmte Sprache“ voller Provokationen den Nährboden bereiteten für radikale Taten. Milas-Quirin zitierte die Inschrift: „Wir gedenken der Opfer und mahnen die Lebenden rechtzeitig gegen Intoleranz, Unmenschlichkeit und Gewalt einzutreten.“ Und sie fügte hinzu: „Rechtzeitig ist jetzt!“

via faz: Das unvergessene Leid der Sinti-Familien

Roma population, an easy target of far-right

The recent racist declaration of the President of the Czech Republic Milos Zeman against Roma minority in his country in which the rather graphic leader described Roma as lazy people, came as a surprise for many. But it shouldn’t have. Anti-Roma statements and actions form a very gloomy yet daily part of everyday life in many European Union member states. In fact, anti-Gypsyism is just as present as anti-Semitism in Europe’s history. Roma suffered through their own Holocaust during the Second World War with more than 220,000 victims. Protection from any form of discrimination is a fundamental right in the EU, just as equal rights for every citizen independently of his religion, ethnicity, language, culture, colour, sex and sexual preferences. However, the rise of far-rightists and ultraconservatives shows these fundamental principles in the EU are still only on paper. Different old phobias as anti-Semitism, anti-Gypsyism and xenophobia are enriched by new ones, such as Islamophobia, homophobia, aporophobia etc. these are all notions and practices that remind us how vulnerable EU societies are and how unprotected citizens of minority groups (national, linguistic, sexual, disable people etc.) remain under the attack of far-right and racist politicians. Phobias work in favour of the far-right. The social groups they target is heavily affected by pauperisation and social exclusion. Most vulnerable are unemployed youth, law educational level people, bankrupted of the middle class, people traditionally attracted by violence and nationalism. Far-right politicians have cultivated these phobias by spreading fear for an imminent and catastrophic threat represented by migrants, Muslims, Jews, Africans, Albanians and Roma among others. But far-right politicians are not the only ones responsible for this in EU politics. There are other leaders, hidden within the big political families, who use the same methods and aspire to rake in the same political profits. The result is further division of EU societies and a blatant infringement of European values. An apartheid environment? In some EU member states anti- Gypsyism is, in a certain way, institutionalised. In fact, the children of Roma in Hungary, Slovakia and Czech Republic are obligated to attend so-called “special schools”. It’s a system that critics warn represents a tremendous obstacle to these children’s education and future integration.

via europeaninterest: Roma population, an easy target of far-right

European Roma flood Facebook with hundreds of photos of themselves at work, tell Czech President to stop insulting them

The Facebook social networking site was flooded yesterday afternoon with hundreds of photos of Romani people at work, all uploaded in response to the insulting, racist remarks made by Czech President Miloš Zeman during a visit last week to the Olomouc Region, when he insinuated that the unemployed population of the community he was visiting was comprised of Romani people in particular. “We are no longer amused by the allegations that we don’t work,” Romani community member Štefan Pongo posted to Facebook. “OK, we’ll flood Facebook with photographs of ourselves at work. Send me your work pictures,” Pongo asked his fellow Roma community members online. His call was shared by the ROMEA organization and during the next few hours hundreds of photographs were posted beneath both his post and ROMEA’s from the broadest possible range of locations throughout the Czech Republic and Europe where Romani people are in fact working. “My friend Jiří Keleš came up with the idea,” Pongo told news server Romea.cz. “We want to publish these photos online so they will be constantly available. I feel rather sorry for President Miloš Zeman, he already does not know which way to turn,” Pongo said.

via romea.cz: European Roma flood Facebook with hundreds of photos of themselves at work, tell Czech President to stop insulting them

UŽ NÁS NEBAVÍ JAK NĚKTEŘÍ TVRDÍ ŽE NEPRACUJEME. OK TAK ZAHLTÍME FB FOTOGRAFIEMI Z PRÁCE.POSÍLEJTE MI PROSÍM VAŠE PRACOVNÍ FOTA

Posted by Stefan Pongo on Tuesday, October 2, 2018

Tschechiens Präsident Zeman provoziert Roma

“Ich bin sicher kein Freund des Kommunismus, aber im Kommunismus mussten Roma arbeiten”, sagt Miloš Zeman. Das Roma-Zentrum spricht von Rassismus. Das Europäische Zentrum für Roma-Rechte (ERRC) kritisiert Äußerungen des tschechischen Präsidenten Miloš Zeman als rassistisch. “Unverhohlene Hassrede” und “rassistische Aufwiegelung” hätten in der EU keinen Platz, erklärt ERRC-Präsident Đorđe Jovanović in einem am Montag veröffentlichten offenen Brief an den 74-Jährigen. “Ich bin sicherlich kein Freund des Kommunismus, aber im Kommunismus mussten die Roma arbeiten”, hatte Zeman der Agentur CTK zufolge bei einem Besuch der Kleinstadt Kojetín vor wenigen Tagen gesagt. Wer damals Arbeit verweigert habe, sei geohrfeigt worden oder ins Gefängnis gekommen. Diffamierung von Roma als “sozial nicht Anpassbaren” Das in Budapest ansässige ERRC kritisiert in diesem Zusammenhang auch die in Tschechien verbreitete Diffamierung von Roma als “sozial nicht Anpassbaren”. Die Bezeichnung, die Vorurteile und Intoleranz zementiere, habe inzwischen sogar Einzug in den Schriftverkehr der Behörden gehalten.

via standard: Tschechiens Präsident Zeman provoziert Roma

Miloš Zeman
Von David SedleckýEigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Rassismus in Schweden – Wenn Kinder einen Rom töten und keiner hinsieht – #schauhin

In Schwedens Wahlkampf interessiert nicht, dass Jugendliche einen Roma erschlagen haben sollen. Rechte Hetze und rassistische Ausfälle gegen Roma haben rasant zugenommen. Kinder quälen einen kranken Bettler, brüsten sich damit im Internet und schlagen ihn am Ende tot. Die Gesellschaft nimmt es stumm zur Kenntnis, weil ihr die viele Bettelei auf die Nerven geht. Mitten im schwedischen Wahlkampf scheint dies Wirklichkeit zu werden, seit die Polizei eine Festnahme bekanntgegeben hat: Ein 16-Jähriger und ein noch nicht strafmündiger 14-Jähriger gelten als Hauptverdächtige nach der Ermordung des Rumänen Gheorge Hortolomei-Lupu im Stadtpark von Huskvarna. Zusammen mit zwei ebenfalls 14-Jährigen sollen sie den Rom monatelang drangsaliert, Aufnahmen davon in sozialen Medien ausgelegt und ihr Opfer dort „Ratte“ genannt haben. (…) Zwei der drei größten Parteien, als erste die rechtspopulistischen Schwedendemokraten und ihrem Gefolge die Konservativen, verlangen ein „nationales Bettelverbot“. Nach Umfragen haben sie 60 Prozent der Wählerschaft dabei hinter sich. Das weiß auch der sozialdemokratische Regierungschef Stefan Löfven, der als einziger Spitzenkandidat Stellung bezog. Der Mord sei „außerordentlich bedrückend“, sagte der Ex-Gewerkschaftschef.
Aber dann wollte er wohl um keinen Preis potenzielle Wähler vergrätzen: „Wir müssen diskutieren, wie man die Bettelei stoppt, denn die bietet niemandem eine Zukunft.“ Das müsse man diskutieren können, aber „ohne extreme Wendungen“. Das war’s. Tatmotiv Rassismus? Kein Wort mochte Löfven bei diesem Fall zum Thema Hassverbrechen verlieren, obwohl die rechte Hetze und rassistische Ausfälle gegen Roma und Sinti in Wort und Tat rasant zugenommen haben. Auch Staatsanwältin Linda Schön sah keinen Anlass, sich zum Tatmotiv zu äußern: Das sei derzeit unerheblich, man kümmere sich vor allem um das „Wo, Wann und Wie“ dieses Mordfalls.
Mit einem anderen Opfer und beim geringsten Hinweis auf irgendwie als „radikalislamistisch“ auszulegende Äußerungen hätte das wohl anders ausgesehen. Auch die Medien bissen nicht an. „Wie können wir über anderes sprechen als den Bettlermord in Huskvarna?“ schrieb eine fassungslose Kommentatorin in „Expressen“, weil sie diese Geschichte erst „ganz weit unten bei den News“ fand.

via fr: Rassismus in Schweden – Wenn Kinder einen Rom töten und keiner hinsieht

Fremdenfeindlicher Übergriff in Ungarn – Unbekannte verprügeln Schriftsteller auf Sziget-Festival – #schauhin

Der syrisch-stämmige Schriftsteller Danny Ramadan ist auf dem Sziget-Festival in Budapest angegriffen worden. Unbekannte sollen ihn verprügelt haben, weil sie ihn für einen Rom hielten. Der in Kanada lebende syrische Schriftsteller Danny Ramadan ist in Budapest von unbekannten weißen Männern verprügelt worden, weil diese ihn für einen Angehörigen der Roma hielten. Das berichteten Ungarns Medien am späten Donnerstagabend unter Berufung auf die kanadische Botschafterin in Budapest, Isabelle Poupart. “2018. In Europa. Das ist inakzeptabel. Lasst uns gemeinsam gegen Rassismus und Vorurteile kämpfen”, twitterte die Diplomatin. Zu dem Zwischenfall war es am vergangenen Freitag bei dem traditionellen “Sziget”-Musikfestival gekommen, das auf einer Budapester Donauinsel stattfindet. Ramadan, der auch für die Rechte Homosexueller eintritt, hatte dort gerade sein neues Buch vorgestellt, als er von den Männern angegriffen wurde.

via spon: Fremdenfeindlicher Übergriff in Ungarn – Unbekannte verprügeln Schriftsteller auf Sziget-Festival – #schauhin

#Sinti wurden in #Zetel rassistisch angefeindet – #schauhin #kaltland

Die Nachfahren der Auschwitz-Überlebenden Margot Schwarz hatten in Zetel ihre Zelte aufgeschlagen. Sie erlebten nicht nur dumme Sprüche, sondern auch Bedrohungen und Beleidigungen. Gegen zwei Uhr in der Nacht zu Sonntag hört Patrick Schwarz grölende junge Leute vor seinem Wohnwagen. Sie bölken rassistische Beleidigungen durch die Nacht, immer wieder fällt das Wort „Hitler“. „Sie haben in die Luft geschossen, mit Schreckschusspistolen“, sagt Patrick Schwarz. „Zetel sieht mich so schnell nicht wieder. Ich möchte nicht mehr herkommen. Nicht, weil ich Angst habe, sondern weil ich mich dort nicht mehr wohlfühle.“ Was Patrick Schwarz da erzählt, verschlägt einem den Atem. Vor 75 Jahren haben seine Großmutter und deren Familie in einem Wohnwagen in Zetel gelebt. Sie wurden von den Nazis ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert, und bis auf seine Großmutter Margot Schwarz und den Großonkel Anton Franz kam die ganze Familie im Konzentrationslager ums Leben. In Bohlenberge hatte die Sinti-Familie damals in einem Wohnwagen gelebt. Und jetzt, 75 Jahre später, schläft der Enkel von Margot Schwarz in einem Wohnwagen im gleichen Dorf und wird von rassistischer Hetze geweckt. Patrick Schwarz, sein Vater Christel Schwarz und viele weitere Mitglieder des Freundeskreises der Sinti und Roma und des Christlichen Missionswerks in Oldenburg waren knapp zehn Tage mit ihrer Zeltmission in Zetel zu Gast. Die Freien Christen hatten, wie viele Jahre zuvor schon, ihre Wohnwagen auf den Markthamm gestellt, um dort Gottesdienste zu halten und mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Nur ein paar Hundert Meter Luftlinie von dem Ort entfernt, an dem ihre Vorfahren von den Nazis verschleppt wurden.

via nwz online: Sinti wurden in Zetel rassistisch angefeindet

Geschichte am Straßenrand – Das in Bronze gegossene Leid der Sinti und Roma

Jedem Zentimeter Metall, jeder Körperpartie der Gestalten ist es anzusehen – das in Bronze gegossene Leid. Da gibt es keine effektvolle Oberflächenmodellierung, keine harmonisierende Glätte, nur asketische Formenstrenge.
Der ostdeutsche Bildhauer Werner Stötzer (1931−2010), der seine Arbeiten immer als „Wegzeichen des Lebens“ verstanden hat, hinterließ das ähnliche Motiv auch mehrfach als versteinertes Leid.  Mit Hammer und Meißel schlug er es heraus aus einem großen Brocken sächsischen oder auch bulgarischen Sandsteins. Der Akademie-Meister arbeitete sich über Jahre seines Schaffens an einer ungeheuerlichen Geschichte ab, die in der Nazizeit am Stadtrand von Berlin-Marzahn passiert war, aber über die man ungern sprach. Eine ganze Gedenkserie von Plastiken und Skulpturen entstand so. Und mit Absicht, gerade wegen der Schwere der Schuld rassistischer Menschenverachtung, benutzte der Künstler im Titel den politisch völlig unkorrekten Begriff vergangener Zeiten „Zigeuner von Marzahn“ Denn die Nationalsozialisten nannten diese Leute, die meisten waren korrekt gemeldete Bürger von Berlin und teils protestantischer oder katholischer Konfession, nicht Sinti und Roma. Stattdessen machten sie Hetz-Propaganda mit dem Begriff „Zigeunerunwesen“.
Zwangslager in Marzahn – Es waren nur noch wenige Wochen bis zum Start der Olympischen Spiele 1936 in Berlin. Hitler und seine Spießgesellen wollten einerseits den Eindruck von Weltoffenheit und Toleranz vorspiegeln. Aber gleichzeitig bekam die Berliner Polizei den Befehl, am sogenannten Landfahndungstag die „Zigeuner“ – in der Stadt, vor allem nahe dem Alexanderplatz, im Scheunenviertel, in Prenzlauer Berg und Wedding lebende Sinti und Roma – aus ihren Wohnungen zu holen oder sie mit ihren Wohnwagen abzuschleppen. Sie wurden weitab, nach Marzahn, gleich neben den Rieselfeldern, zwischen Bahngleisen und einem Friedhof, ins Zwangslager gepfercht und später, im Krieg, in Vernichtungslager deportiert.

via berliner zeitung: Geschichte am Straßenrand Das in Bronze gegossene Leid der Sinti und Roma