Rechte Egoshooter

Von der virtuellen Hetze zum Livestream-Attentat

Weltweit gibt es rechtsterroristische Attentate eines neuen Typs. In Halle (Saale) verhinderte nur eine verschlossene Holztür der Synagoge ein größeres Massaker. Am 9. Oktober 2019 wollte dort ein Rechtsextremist die versammelten Juden hinrichten. Mit selbstgebauten Waffen schoss er auf die Tür und warf eigens hergestellte Sprengsätze. Online konnten Gleichgesinnte zusehen, wie er zwei Menschen ermordete: Seine Tat verbreitete er per Videokamera auf einem Portal für Computerspiel-Videos. Er ahmte damit andere »Egoshooter« nach – wie einen Rechtsextremisten, der in Neuseeland wenige Monate zuvor die Tötung von 51 Menschen live im Internet übertragen hatte.

Die Täter verbindet ihr Hass und ihre Radikalisierung im Internet. Sie sind in einschlägigen Boards und Kommunikationsplattformen unterwegs, finden dort Gleichgesinnte und Ansporn, Idelogiefragmente ihr Weltbild, Anleitungen zur Herstellung von Waffen und mehr. Es ist ein männlicher Tätertypus, meist im realen Leben (selbst)isoliert, online dagegen bestens vernetzt. Bei Ihren Taten nutzen sie online diskutierte und verbreitete Strategien, zeigen Codes und Zeichen einschlägiger Computerspiele und Diskurse und bieten den von ihnen inszenierten Terror einem gleichgesinnten internationalen Publikum dar. Die Täter sind antisemitisch, rassistisch und misogyn. Im Buch werden Motive, Sozialisation und Selbstinszenierung der Täter beleuchtet und die Verbindungen zwischen der virtuellen Radikalisierung und den realen Gewalttaten von Rechtsterroristen hinterfragt. Ein eigenes Kapitel befasst sich mit der Rechtslage gegen Hass im Internet.

Jean-Philipp Baeck (Hg.), Andreas Speit (Hg.): Rechte Egoshooter Von der virtuellen Hetze zum Livestream-Attentat; Christoph Links Verlag 2020; 207 S.

Das Buch ist auch über die Bundeszentrale für politische Bildung erhältlich


Inhaltsverzeichnis

  1. Jean-Phifipp Baeck und Andreas Speit: Von der virtuellen Hetze zum Livestream-Attentat
  2. Sebastian Erb: Das Netz des Attentäters. Der Anschlag von Stephan Balliet in Halle und wie sein Video und »Manifest« im Internet verbreitet wurden
  3. Roland Sieber: Terror als Spiel. Virtuell vernetzter Rechtsterrorismus rund um den Globus
  4. Veronika Kracher: Im Krieg gegen Frauen: Incels verlagern ihren Selbsthass auf andere
  5. Andreas Speit: Der Jude und die Weiblichkeit – zwei alte Feindbilder. Hintergrunde zur Gedankenwelt von Stephan Balliet
  6. Andrea Ropke: Terror von rechts. Militante Kontinuitat und politische Ignoranz
  7. Simone Rafael: Vom Bildschirm zur Tat. Radikalisierung im Internet
  8. Jan-Paul Koopmann: Alles nur ein Spaß? Ober die Debatte um »Killerspiele« und den Zusammenhang von gespielter und realer Gewalt
  9. Michael Worner-Schappert: Recht gegen rechts. Gesetze gegen Hass im Netz
  10. Anhang, Literatur- und Quellenverzeichnis, Angaben zu den Autoren
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