Übergriff auf Juden in Frankreich – Der Horror von Créteil

Ein grauenhafter Überfall auf ein junges jüdisches Paar in einem Vorort von Paris ruft Premierminister Manuel Valls auf den Plan. Zudem ermittelt nun die Staatsanwaltschaft. Zwei der mutmaßlichen Täter sitzen in Untersuchungshaft. Es kommt nicht oft vor, dass ein französischer Regierungschef nach einem Raubüberfall das Wort ergreift. Aber was sich am Montag in der Pariser Vorstadt Créteil zugetragen hat und am Donnerstag in ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren mündete, ist ja auch mehr als ein Überfall. Es ist eine antisemitische Gräueltat, oder, wie Manuel Valls am Donnerstag getwittert hat: Es ist der Horror. „Der Horror von Créteil ist der dreckige Beweis dafür, dass der Kampf gegen den Antisemitismus ein täglich neu zu führendes Gefecht ist“, schreibt der Premierminister. Opfer des Horrors ist ein junges jüdisches Paar, sie 19 Jahre alt, er 21 und dank einer Kippa auf dem Kopf religiös leicht zuzuordnen. Laut Polizeiangaben hatten die beiden am Montagmittag drei vermummten Männern arglos die Tür geöffnet. „Ihr seid Juden, ihr habt Geld“, mit diesen Worten drang das Trio in die an einem See gelegene Wohnung ein, hielt dem Paar eine Pistole und eine Flinte mit abgesägtem Lauf vors Gesicht. Ausgeraubt und vergewaltigt Die Eindringlinge fesselten und knebelten die zwei, verlangten Schmuck, Kreditkarten, Pin-Codes, Computer, Handys und vergewaltigten die Frau. „Wenn ich nicht bald zurückkomme, dann sind die Pin-Codes der Kreditkarten falsch, dann bringt sie um!“ Mit diesen Worten soll einer der drei Männer sich auf den Weg zu einem Geldautomaten gemacht haben. „Wir brechen ein und greifen Juden an, beides auf einmal, mit ein und derselben Tat“, hat einer der in der Wohnung  Zurückgebliebenen die Opfer angeblich wissen lassen. Zwei mutmaßliche Täter sowie ein angeblicher Komplize, der die Wohnung des Paares ausgekundschaftet haben soll, befinden sich seit Mittwochabend in Untersuchungshaft. Nach dem dritten Eindringling wird noch gefahndet. Die Liste dessen, was den zwischen 18 und 20 Jahren alten Männern zur Last gelegt wird, zeugt vom Ausmaß des Verbrechens. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nicht nur wegen bewaffneten Überfalls, sondern auch wegen gemeinschaftlicher Vergewaltigung, Freiheitsberaubung, Erpressung und Gewaltanwendung gegen Personen aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit. Die beiden mutmaßlichen Haupttäter waren der Polizei bereits Anfang November aufgefallen, als sie in Créteil einen 70-jährigen Juden verprügelten.

via fr: Übergriff auf Juden in Frankreich – Der Horror von Créteil

#Juden suchen Abstand zum Machtkampf

Ukrainischer Rabbiner Azman in Sorge um Provokationen in einer »gefährlichen Situation«. In einer Zeit der Anarchie fühlen sich in der #Ukraine jüdische Bürger von Rechtsextremen besonders bedroht. Rabbiner Azman setzt auf eine »ausgewogene Haltung«. Große Verunsicherung herrscht in den jüdischen Gemeinden der Ukraine. Seit dem Sturz der Janukowitsch-Regierung ist ein rechtsfreier Raum entstanden. Pro-EU-Bürgerwehren, nationalistische und faschistische Milizen streifen durch die Städte und sorgen auf eigene Faust »für Recht und Ordnung« – manchmal üben sie Rache und Selbstjustiz an politischen Feinden. Einige Rechte nutzen auch das Chaos, um ihren Judenhass auszutoben. In der Nacht nach der Machtübernahme durch die prowestliche Opposition wurde die Giymat-Rosa-Synagoge in Saporoshje, etwa 400 Kilometer südöstlich von Kiew, mit Molotow-Cocktails angegriffen. Die Täter konnten nicht ermittelt werden. In Simferopol auf der Krim, wo rund 10 000 Juden leben, wurde vor einigen Tagen der Eingangsbereich der Ner-Tamid-Synagoge mit Hakenkreuzen beschmiert. Bereits Mitte Januar waren in Kiew ein Hebräischlehrer und ein Student nach dem Synagogenbesuch attackiert und verletzt worden. »Wir befinden uns in einer gefährlichen Situation«, sagte Rabbiner Moshe Reuven Azman dem »nd«. »Die Polizei des alten Systems ist verschwunden, die neue ist noch nicht da: In dieser Zeit der Anarchie kann praktisch jeder kommen und im Namen der Maidan-Regierung auftreten.« (…) Bislang kann nicht von einer Welle antisemitischer Auswüchse gesprochen werden. Aber der Übergangsregierung gehört die nationalchauvinistische Partei »Swoboda« an, deren Chef Oleg Tjagnibok 2012 die Janukowitsch-Regierung als »russisch-jüdische Mafia« beschimpft hatte. Seit »Swoboda« vom Westen unterstützt wird – Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte Tjagnibok sogar zum Gespräch in der deutschen Botschaft empfangen – vermeidet ihre Führung offenbar antisemitische Pöbeleien. Aber die schlagkräftige Anhängerschaft der Partei ficht das nicht an: »Russen, Juden und Polen kontrollieren einen großen Prozentsatz der ukrainischen Wirtschaft und Politik«, monierte kürzlich Jewhen Karas, einer der Anführer der neofaschistischen Gruppe Combat 14. Die Zahl steht für den rassistischen Grundsatz der »14 Wörter«: »Wir müssen die Existenz für unser Volk und eine Zukunft für weiße Kinder sichern.« Die Partei »bereitet mit ihrer Rhetorik den Boden« für antisemitisch motivierte Straftaten, kritisiert Boris Fuchsmann, Präsident der Jüdischen Konföderation der Ukraine, die bisher vergeblich fordert, dass sich die westlichen Regierungen von »Swoboda« distanzieren. Wie kompliziert die Gemengelage ist, belegt die Existenz einer rund 40-köpfigen Maidan-Kampfeinheit. Sie wird von fünf ehemaligen Soldaten der israelischen Armee angeführt, hat den Synagogen in Kiew Schutz angeboten und erhält ihre Einsatzbefehle von »Swoboda«.

via nd: Juden suchen Abstand zum Machtkampf